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Leben 30. November 2012

Welt-Aids-Tag: 20 Jahre Aids-Life

Rückblick auf zwei Jahrzehnte im Kampf gegen HIV und Aids.


Der internationale Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember steht im Zeichen der Solidarität mit Betroffenen sowie des Engagements im Kampf gegen HIV und Aids. Im Jahr 2012 ist er dem aktuellen Motto von UNAIDS gewidmet: „Getting to zero: zero new infections, zero discrimination, zero Aids related deaths“.



Für AIDS LIFE, den Trägerverein des Life Ball, markiert der Tag einen weiteren Meilenstein: Es ist der Gründungstag des Vereins, der am 1. Dezember 1992 von Gery Keszler und Torgom Petrosian ins Leben gerufen wurde um HIV-positiven und AIDS-kranken Menschen zu helfen – in Form finanzieller Mittel für lebensnotwendige medizinische Versorgung und Direkthilfe; aber auch durch Aktivitäten zur Enttabuisierung und Entstigmatisierung der Krankheit in der Gesellschaft. Der Life Ball als zentrale Fundraising-Plattform und wichtigstes Sprachrohr des Vereins ging am 29. Mai 1993 erstmals im Wiener Rathaus über die Bühne und feierte in diesem Jahr ebenfalls sein 20-jähriges Jubiläum mit einem vorläufigen Rekord-Reingewinn von 2,1 Millionen Euro.

AIDS 1992 und heute – der Talk


Anlässlich „20 Jahre AIDS LIFE“ lud Obmann Gery Keszler Weggefährten und Freunde zu einer Diskussionsrunde, welche direkt in der Ausstellung der Kunsthalle Wien „XTRAVAGANZA“ über den 1994 an den Folgen von AIDS gestorbenen Performancekünstler Leigh Bowery stattfand. Im Mittelpunkt des von Christian Clerici moderierten Gesprächs standen ein gesellschaftlicher und medizinischer Rückblick, die Herausforderungen von Betroffenen damals wie heute, die Wahrnehmung von HIV und Aids in der Jugend sowie Zukunftsvisionen. Die wichtigsten Statements:

Gery Keszler, Obmann AIDS LIFE
Als AIDS LIFE vor zwanzig Jahren gegründet wurde, hätte ich mir niemals gedacht dass es einmal so ein Motto für den Welt-AIDS-Tag geben wird wie das diesjährige „Getting to zero“. Denn die Situation Anfang der 90er war eine ganz andere, es gab einfach noch keine Behandlung. Viele die beim ersten Life Ball dabei waren, haben vielleicht auch noch den zweiten erlebt, aber irgendwann waren sie dann nicht mehr dabei. Der erste Life Ball und sein Aktionismus waren ein Aufschrei gegen Tabuisierung, Ausgrenzung und Hilflosigkeit – und daher war auch die Manifestation des Life Ball so wichtig. Denn das Ziel lautete von Anfang an Kultur, Wirtschaft und Politik mit einzubeziehen und einen gesellschaftlichen Event zu schaffen, der alle mit einschließt. Ganz nach dem Motto des ersten Life Ball „AIDS geht uns alle an“, genau das wollten und wollen wir leben.

Dr. Brigitte Schmied, Oberärztin am Otto-Wagner-Spital & Leiterin der Immunambulanz

Die Medizin hat in den letzten 20 Jahren enorme Fortschritte gemacht auf dem Gebiet HIV und AIDS. Die Medikamente sind einfacher einzunehmen, nebenwirkungsärmer und die Anzahl der einzunehmen-den Tabletten hat sich wesentlich verringert sodass es möglich ist für Patienten Therapien zu finden, die deren individuellem Lebensrhythmus angepasst sind. Was sich leider noch nicht zur Genüge geändert hat, ist die Ausgrenzung HIV-positiver Menschen sowie die Angst die mit einer HIV-Diagnose verbunden ist. Wenn man jedoch Menschen, die sich neu infiziert haben, fragt, warum keine Vorsichts-maßnahmen ergriffen wurden, hört man nicht selten Sätze wie „Ich dachte mir es trifft mich nicht“.

Günter Tolar, Autor und Gründer des Vereins „Positiv Leben“


Wenn jemand kritisiert der Life Ball sei kommerziell geworden, so kann ich nur sagen „Wunderbar“. Denn meine Organisation hat vom kommerziellen Erfolg des Life Ball fast 18 Jahre lang sehr profitiert. Als ich „Positiv leben“ gründete, dachte ich mit Spende könnte ich das schaffen – doch ich bekam auf meine Anfragen nur Absagen im Stil von „Für sowas geben wir kein Geld“. Insgesamt habe ich vom Life Ball über die Jahre 935.000 Euro erhalten und konnte damit knapp 4.000 Mal mit kleineren, aber wichtigen finanziellen Beträgen Betroffene direkt und vor allem schnell unterstützen – ob es nun um Stromkosten ging oder eine neue Brille. Alles Dinge, die trivial sind, aber für Betroffene aufgrund ihrer HIV-Infektion oder Aids-Erkrankung oftmals schlicht nicht leistbar waren.

Dennis Beck, Obmann Aids-Hilfe Wien

Was die Verwendung von finanziellen Mittel betrifft, so haben wir heute zwei wesentliche Zielgruppen: Einerseits Menschen, die sich in den letzten Jahren mit HIV infiziert haben und die wir unterstützen im Leben und Job zu bleiben. Andererseits gibt es auch viele Menschen, die dank guter Therapie die schlimme Zeit überlebt haben, aber aus dem Berufsleben herausgefallen sind und noch nicht zurückgefunden haben. Hier gilt es im Persönlichkeitsbereich zu stärken, aber auch im Bereich Arbeitsmarkt etwas zu tun. Durch die Mittel des Life Ball haben wir die Möglichkeit Direkthilfe für Klienten in Not zu geben und viele Angebote zu machen, um die Menschen wieder zurück ins normale Leben zu bringen.

Conchita Wurst, Sängerin


Ich bin selbst von diesem Thema betroffen, da es in meinem Freundeskreis HIV-Positive gibt – daher habe ich mich intensiv damit auseinandergesetzt. Wobei ich zugeben muss, dass dies erst an dem Tag begonnen hat, als ein Freund mir von seiner Diagnose HIV-positiv erzählt hat. Ich denke, das Thema HIV und Aids und damit verbunden Safer Sex müsste in der Schule viel mehr behandelt werden, von Grund auf als Bestandteil des Lehrplans. Denn meines Erachtens kann man nicht an die Vernunft jedes Einzelnen appellieren und darauf vertrauen, dass sich jeder von selbst interessiert und informiert.

Andreas Lackner, Geschäftsführer perfectprops & Wegbegleiter von Gery Keszler seit 1992


Etwas Wesentliches, das Gery Keszler mit dem Life Ball gestartet hat, ist der Weg mit Freude Angst zu bekämpfen und dabei trotzdem das Thema HIV und AIDS zu transportieren. Den ersten internationalen Life Ball Gästen mussten wir noch erklären, dass wir uns im Wiener Rathaus befinden, einem politischen Gebäude. Für viele war es undenkbar irgendwo anders auf der Welt in einem politischen Gebäude eine solche Veranstaltung zu machen wie den Life Ball.

* „U.S. and European Philanthropic Support to Address HIV/AIDS in 2011“; erstellt von FCAA “Funders Concerned About AIDS” und der EFG “European HIV/AIDS Funders Group”.



Charity Punsch zugunsten AIDS LIFE am 1. Dezember


Das 20-jährige Bestehen von AIDS LIFE wird am 1. Dezember im Rahmen einer Charity-Veranstaltung gefeiert, deren Reinerlös dem südafrikanischen Hilfsprojekt „Operation Bobbi Bear“ zugutekommt. Das von Jackie Branfield gegründete Projekt setzt sich für sexuell missbrauchte Kinder ein, hilft deren Risiko einer HIV-Infektion zu minimieren und die Täter vor Gericht zu bringen.

Im Zeichen von Teddybären steht auch das Programm des Charity-Punsch. So erwartet die Gäste vor Ort ein originaler Build-A-Bear-Workshop, bei dem man sich gegen eine Spende Teddybären selbst befüllen und mit verschiedensten Accessoires gestalten kann. Gleichzeitig ist der Charity Punsch Auftakt einer groß angelegten Spenden-Kampagne zugunsten von „Operation Bobbi Bear“, bei der prominente Persönlichkeiten aus aller Welt Bären signieren und mit einem persönlichen Touch versehen. Wie´s geht, haben unter anderem schon Bill Clinton, Sean Penn, Karl Lagerfeld sowie Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer und der Wiener Bürgermeister Michael Häupl gezeigt: Ihre Charity-Bären werden am 1. Dezember im Motto am Fluss erstmals ausgestellt und kommen mit weiteren Unikaten Mitte März 2013 im Wiener Dorotheum zur Auktion.

CHARITY PUNSCH zugunsten AIDS LIFE
1. Dezember 2012, ab 16.00 Uhr

Motto am Fluss, Schwedenplatz 2, Franz Josefs Kai / Vorkai, 1010 Wien
Öffentlich erreichbar mit U1 und U4, Station „Schwedenplatz“


Life Ball 2013 im Zeichen von „1001 Nacht“

Es braucht die Nacht, um die Sterne zu sehen“ – für eine Zukunft ohne HIV und AIDS.


„Mit Fantasie Leben retten“ lautet das verbindende Element zwischen dem Life Ball 2013 und seiner gleichermaßen unterhaltsamen wie sinnlichen Inspirationsquelle: „1001 Nacht“.

Mit dem 25. Mai 2013 steht auch der Termin für den 21. Life Ball fest.

Jeder kennt sie, die mutige Scheherezade, die 1001 Nächte lang tapfer um ihr Leben kämpft, es schafft mit abenteuerlich-märchenhaften Geschichten die Neugier des Königs stets aufs Neue zu wecken und Macht ihrer unerschöpflichen Fantasie ihr Leben zu retten.

Opulent ausgeschmückt wird auch der 21. Life Ball in eine faszinierende Welt der Poesie und Märchen, der Fabeltiere und Dschinns, der lustvollen Gedichte und lehrreichen Gleichnisse entführen, um mit Fantasie HIV-positiven und AIDS-kranken Menschen zu helfen.

„Eine Herausforderung wird sein, die entschleunigte Lebensweise des Orients mit dem Tempo des Life Ball zu kombinieren. Die Verbindung liegt aber da wie dort im Genuss, der zelebriert und ausgekostet wird: Ob es Sinnlichkeit und Erotik sind, Musik, Tanz, anregende Gerüche oder strahlende Farbenpracht“, so Life Ball Organisator Gery Keszler über seine Philosophie der 21. Life Ball-Nacht.

Im Festsaal des Rathauses werden die VIP-Gäste des Life Ball vom „
Aux Gazelles“ – dem Wiener Experten für Oriental Lifestyle – mit Gastfreundlichkeit und kulinarischen Genüssen aus „1001“ Nacht verwöhnt.

Nach einem alten arabischen Sprichwort lautet das Motto des Life Ball 2013: „Es braucht die Nacht, um die Sterne zu sehen“ – für eine Zukunft ohne HIV und AIDS. Dass diese Zukunft möglich ist, war Tenor der Welt-AIDS-Konferenz 2012 in Washington D.C., bei der sich Vertreter renommierter AIDS-Hilfsorganisationen einig waren: „Together we can end AIDS“.

Der allgemeine Kartenverkauf startet im Frühjahr 2013 – Vorbestellungen für VIP-Tische werden bereits jetzt entgegen genommen.

Alle Informationen auf www.lifeball.org 

PA Life Ball/IS, springermedizin.at

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