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Leben 26. November 2012

Dänisches Fett

In Dänemark wurden ungesunde Lebensmittel besteuert. Damit haben eher die Gesundheitsbehörden ihr Fett abgekriegt.

Diese Meldung hat es in sich: Dänemark streicht Fettsteuer! Das ist ein Hammer. Zumal die meisten gar nicht gewusst haben, dass Dänemark überhaupt einmal eine Fettsteuer eingeführt hat bzw. was genau das überhaupt sein soll. Als halbwegs denkender Leser geht man nicht davon aus, dass es sich beim Begriff „Fettsteuer“ um ein mit Ölsardinen beschmiertes Lenkrad handelt.

Konkret wurden pro Kilogramm gesättigter Fettsäuren in Lebensmittel 16 Kronen, also umgerechnet etwas mehr als 2,– Euro, draufgeschlagen. Dadurch verteuerte sich ein Viertel Kilogramm Butter um knappe 30 Cent. Die Konsumenten sollten mit dieser Maßnahme davon abgehalten werden, sich dicke Butterschichten auf die Knäckebrote zu streichen und das Gesundheitsministerium freute sich bereits auf die von den Dänen nunmehr butterlos zubereiteten Torten, die zwar bei den Ohren rausstauben, jedoch sehr gesund sind (sog. Knäcke-Torten).

Doch die Genusssucht scheint bei den Dänen stärker ausgeprägt zu sein als der Geiz. Die Kampagne ging kräftig in die Hose und die Steuer wurde nach nur einem Jahr wieder fallen gelassen. Endlich können wir wieder nach Kopenhagen fahren und dort nach Herzenslust billige Cremetörtchen und Mayonnaise-Eier verspeisen. Ob dieses Negativ-Beispiel aus dem Norden hierzulande nachgeahmt wird, darf daher bezweifelt werden. Wobei die Idee, Dinge, die der Gesundheit der Gemeinschaft abträglich sind, unattraktiv zu machen, indem man die Preise erhöht, nicht ganz neu ist. Da gibt es Umweltsteuern auf Treibstoff, Steuern auf Zigaretten und Alkohol, und auch das Vergnügen wird besteuert. Zuviel Spaß ist schließlich auch ungesund.

Doch sind die „Fettsüchtigen“, denen man hier die Quelle abdrehen wollte, tatsächlich die einzigen „Unbelehrbaren“? Was ist mit den mindestens ebenso zahlreich vorhandenen Workaholics, die sich durch das Arbeitsleben peitschen und jede Menge Stresshormone produzieren. Pro Überstunde sollte daher ein Strafzoll gelöhnt werden. Für jede Stunde auf der Fernsehcouch ebenfalls. Und auch für jeden Zentimeter, den man zu Fuß ohne Schutzhelm und Ellbogenschützer unterwegs ist.

Dass Patienten nicht gerne reglementiert werden, hat sich in Dänemark gezeigt. Ich denke sogar, dass sich viele Dänen aus Trotz einen ganzen Butterblock zwischen die Zähne geschoben haben. Wenn wir etwas für die Gesundheit unserer Patienten tun wollen, sind Kontrolle und Vorschriften kontraproduktiv. Sie tun ohnehin, was sie tun wollen, nur erzählen sie uns nichts davon.

Vertrauen in den gesunden Menschenverstand und Respekt vor der Autonomie des Individuums haben sich hingegen bewährt. Denn dann, und nur dann, können wir Ärzte davon ausgehen, dass uns unsere Patienten die Wahrheit sagen. Das gilt auch für die Menschen in Skandinavien. Schon der berühmte deutsche Lyriker Otto Waalkes hat so schön gedichtet: „Dänen lügen nicht!“

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