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David Murray, 2012, Mischtechnik, Papier auf Leinen,93 x 80 cm

Woody Hermann, 2012, Mischtechnik, Papier auf Leinen, 96 x 76 cm

Jimmy Dorsey, 2011, Mischtechnik, Papier auf Leinen,100 x 76 cm

© (4) Robert Weber

Dinah Washington, 2012, Metall, Acryl, 77 x 26 x 23 cm

 
Leben 12. November 2012

Vom Orphismus zum Individuum

Die Vernissage der Ausstellung von Robert Weber findet im Kunstraum Dr. David am 30. November 2012 statt.

Der in Wien geborene und zuerst zum Grafiker ausgebildete Künstler Robert Weber präsentiert seine neuen Werken – im Vordergrund stehen Jazzmusiker als Personen. Die Eröffnung wird mit passenden Klängen umrahmt.

In den letzten Ausstellungen von Robert Weber waren noch die prinzipielle Beschäftigung mit Klang und Dynamik, mit Wahrnehmungen und emotionalen Reaktionen, mit dem Einklang und dem Mitschwingen im Zentrum seines darstellerischen Interesses. Strich und Farbe, Konzept und Auflösung waren seine Themen.

In der „Orphismus“ genannten Kunstströmung versuchte Delaunay, der „reinen Musik“ die „reine Malerei“ gegenüberzustellen, die aufgelöst vom Gegenständlichen eine rhythmische Farbharmonie darstellen sollte. Gestaltungsmittel sind die dynamischen Kräfte der Farbe, somit ist Farbe und ihre räumliche Wirkung wesentliches Kompositionselement. Licht ruft nicht nur Farbe hervor, sondern ist selbst Farbe. Das macht irgendetwas mit den betrachtenden Menschen, lässt aber die ganzheitliche Begegnung hinter das Primat des Auges zurücktreten.

Ähnliche Tendenzen müssen wir immer wieder in der verwalteten Medizin erkennen, die Modularisierung und Zerstückelung der Zugänge zu den Patienten vor die ganzheitliche Beziehung stellt. In den diagnosebezogenen Strukturierungen von Medizinsystemen mit Vorgaben von erlaubten Behandlungsdauern und -kosten finden diese Bestrebungen auch Distanz zu den Menschen und zur Prozesshaftigkeit des Lebens.

Weber geht über diese fast in Beliebigkeit versinkende Sinngebung hinaus: Ihm geht es jetzt nicht mehr um das Allgemeine, sondern um das Persönliche, wie ja auch im Jazz die Individualität der einzelnen Musiker sich in den Soli, ja sogar schon in der Wahl ihres Instruments verwirklicht. Nur durch das aufeinander Eingehen von Personen, die Begegnung des Ich mit dem Du entsteht Beziehung im Sinne von Martin Buber.

Jazzmusiker als Personen im Vordergrund

In seinen neuen Werken stehen nun Jazzmusiker als Personen im Vordergrund. Er bringt sie aber nicht in Porträts, sondern lässt die jeweilige Persönlichkeit über ihr Instrument und ihre Musik zur Geltung kommen. Er begibt sich damit auf den Grenzgang zwischen Sensitivität (ein Sammelbegriff für die Fähigkeit, neben dem rationalen Denken und Lernen, unmittelbares Wissen über verschiedene Kanäle zu erlangen) und Synästhesie (die Kopplung von getrennten Bereichen der Wahrnehmung). Grenzgang deswegen, weil beide Phänomene sowohl Erweiterungen des bewussten Erlebens als auch Symptome psychischer Erkrankung sein können. Aber wohlgemerkt: Ein Symptom ist keine Krankheit, sondern ein Phänomen. Wenn Robert Weber von sich selbst sagt: „Ich höre den Jazz nicht, ich sehe ihn“ spannt sich ein Bogen von ihm zu Mussorgski, der durch seine Komposition eine ganze Galerie sichtbar machte.

Der in Wien geborene und zuerst zum Grafiker ausgebildete Künstler geht vom spontanen Strich aus, der wie ein „riff“ (Jelly Roll Morton) vorgibt, also ein neues Thema, über das sich dann durch Improvisation und spielerische Beschäftigung ein teils darum herum, teils darüber gelegtes, unterstreichendes, verbergendes, verstärkendes Bild entwickelt, so wie ein Solo von der Band aufgegriffen, verstärkt, verändert und doch harmonisch mitschwingend zum Glänzen gebracht wird.

Robert Weber gelingt es also, indem er uns die Person des Jazzmusikers gegenüberstellt, uns durch die Dynamik seines Strichs, die Ausdruckskraft seiner Färbung dessen Musik erahnen lässt, eine Beziehung zu Bild und Musik aufzubauen. Dass das eigentlich ganz einfach ist (Uzzi Förster hat gesagt: „Jazz muss laut und lustig sein), ein lustvolles Erleben und eine fröhliche Begegnung, das ist bei jeder Ausstellung und auch bei der nun kommenden zu erfahren. Wenn dann noch der Sohn des Künstlers als Jazzmusiker die Eröffnung mit den passenden Klängen umrahmt, steht einem abgerundeten Kunstgenuss nichts im Wege.

Vernissage

Die Vernissage Ausstellung im Kunstraum Dr. David in 1130, Jagdschloßgasse 6 findet am 30. November statt. Einführende Worte von DDr. Leopold Kogler und die Musik von bass2voice sowie eine Weinpräsentation von Heinz Bauer/Kollnbrunn umrahmen die Veranstaltung.

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