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Leben 11. November 2012

Schlechte Karrierechancen

Babys, die im Herbst geboren werden, haben später schlechtere Karten für einen erfolgreichen Berufswerdegang.

Wenn es um die bestmöglichen Aufstiegschancen im Job geht, müssen Führungskräfte offenbar mehr mitbringen als Fachkompetenz und eine langjährige Berufserfahrung. Einer aktuellen Untersuchung der Sauder School of Business der University of British Columbia zufolge ist nämlich auch der Geburtsmonat ein entscheidender Faktor für den weiteren Karriereweg.

Einer Untersuchung zufolge sollen es etwa kanadische Babys, die in den Herbstmonaten September, Oktober und November sowie US-amerikanische Babys, die zwischen Juni und August geboren sind, deutlich seltener schaffen, auf der Karriereleiter bis zur Position eines CEO hinaufzuklettern. „Der Gedanke, dass der Geburtsmonat einen direkten Einfluss auf den zukünftigen beruflichen Erfolg einer Person haben kann, ist nicht neu. Neu ist aber, dass wir diesen Zusammenhang nun zum ersten Mal auch mit soliden Daten belegen können“, zitiert die kanadische Tageszeitung „Vancouver Sun“ Studienautor Maurice Levi.

Der Forscher verweist dabei auf zahlreiche Stichprobenanalysen in den Führungsetagen der Top-500 gelisteten Unternehmen von Standard & Poors, von denen nur sechs Prozent in den oben genannten „Unglücksmonaten“ geboren worden sind. Bei Babys, die im März und April geboren wurden, ist der Anteil mehr als doppelt so hoch.

„Solche Studienergebnisse sollten mit besonderer Vorsicht genossen werden“, warnt Clemens Stieger, Geschäftsführer der Gesellschaft für Personalentwicklung (GfP) und Psychologe der auf Psychotherapie, Supervision und Coaching spezialisierten Praxis Entwicklung[s]raum. Denn Karriereperspektiven seien nicht durch einen einzelnen Aspekt erklärbar, sondern ein Resultat des komplexen Zusammenspiels vieler verschiedener Faktoren wie Anlage, spezifisches Umfeld oder Training. „Wenn der pauschale Zusammenhang tatsächlich bestehen würde, was wäre dann die daraus abgeleitete Konsequenz?“, gibt Stieger zu bedenken: „Hieße das, dass Eltern, die ihre Kinder später gerne einmal weiter oben auf der Karriereleiter sehen würden, ihre Sprösslinge dann nur in bestimmten Monaten zeugen bzw. zur Welt bringen dürfen?“

Tipp für „Betroffene“

Trotz der Schwachstellen in Bezug auf die wissenschaftliche Haltbarkeit der Studie und der entsprechenden postulierten Zusammenhänge geben sich die kanadischen Forscher überaus zuversichtlich, mit ihren Analysen richtig zu liegen. Für die Eltern der scheinbar benachteiligten Kinder hat Levi einen Tipp parat: „Der beste Weg, den geburtsbedingten Nachteil wieder wettzumachen, ist, die Sprösslinge für diesen Umstand zu sensibilisieren“, so der Wissenschaftler.

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