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„PolkaPots“, Entwurf für Riess
© POLKA designstudio (5)

POLKA designstudio: Monica Singer und Marie Rahm

„Drop“, Vasenserie für J. & L. Lobmeyr

„Schiffe“, Entwurf für Zinnmanufaktur Chlada

Service „Apollo Écaille“ für Porzellanmanufaktur Herend

 
Leben 29. Oktober 2012

Subtile Formen

Maßnahmen zur Verbesserung des Alltags: das in Wien beheimatete „POLKA designstudio“, bestehend aus Marie Rahm und Monica Singer, liefert zeitlos gültige Wohn- und Gebrauchsaccessoires.

Sich damit abzufinden, dass die Dinge so sind, wie sie sind, liegt den beiden Produkt-Designerinnen nicht: Veränderte Sichtweisen und ein neuer, frischer Zugang liefern die nötige Inspiration bei der Gestaltung.

Kennengelernt haben sich Marie Rahm und Monica Singer während des Studiums für Produktdesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien. In weiterer Folge wurde 2004 das „POLKA designstudio“ gegründet. Warum aber gerade der Name „POLKA“? Die Erklärung der beiden ist klar und schlüssig: Gesucht wurde ein Begriff, der keiner bestimmten stilistischen Richtung zuordenbar ist. Eine Polka tanzt man zu zweit, darin liegt Lebensfreude, aber auch Leidenschaft, Sinn für Tradition und ein großer Variantenreichtum. Und damit ist auch bereits der Bezug zum Design-Duo und dessen enger Zusammenarbeit hergestellt. Außerdem ist der Name neutral und auch international verständlich.

Design mit Anspruch

Design ist das, was man daraus macht. Die Annäherung kann spielerisch oder aber auch systematisch-konstruktiv erfolgen. Das eine schließt das andere nicht aus. Und so durchforsten Marie Rahm und Monica Singer ihren Alltag nach Gegenständen des täglichen Gebrauchs, um sie stilvoll neu zu interpretieren. Als Resultat bekommt Vertrautes neue, überraschende Akzente. Und genau darin besteht die besondere Qualität der gemeinsamen Entwürfe. So entsteht in der Verbindung von klassischen Elementen und der „POLKA“-eigenen Geradlinigkeit zeitgenössisch-zeitloses Design. Dass manchmal Witz und Ironie mit hineinspielen, ist zwar nicht von vorneherein beabsichtigt, aber dennoch ein nicht unwichtiger Teil des Entwurfsprozesses. Auch das macht unter anderem den Reiz der Kreationen aus.

Subtile Formensprache

„POLKA“-Entwürfe sind immer eine deutliche Neuinterpretation und keinesfalls Retro-Design. Natürlich werden bestehende Kollektionen mit ihrer Formensprache und ihren Dekors als Grundlage herangezogen. Aber es geht in erster Linie darum, heraus zu kristallisieren, was entsprechend den heutigen Bedürfnissen passt. Dennoch fühlen sich Marie Rahm und Monica Singer nicht als Repräsentantinnen zeitgenössischen österreichischen Designs. Als Begriff oder Zuordnung erscheint dies beiden nicht passend. Obgleich die Kultur und das Umfeld, in dem man lebt, auch für die eigene Arbeit prägend ist, wäre der Bezug darauf allein zu beschränkend. Auch bestimmte Personen als Vorbilder zu nennen, ist in diesem Zusammenhang nicht einfach. Am ehesten fühlen sich die beiden im zeitgenössischen Design Konstantin Grcic nahe, dessen Kreationen zu einer Entwicklung neuer Typologien führen.

Durch den direkten Bezug zu Wiener Traditionsunternehmen hat die Wiener Werkstätte als historische Referenz für „POLKA“ eine besondere Bedeutung. Außerdem haben beide zum handwerklichen Anspruch in Verbindung mit dem Manufakturgedanken einen starken Bezug. Für das Wiener Traditionshaus J.& L. Lobmeyr wurde beispielsweise eine behutsame Neuinterpretation bestehender Glas-Kollektionen vorgenommen. Besonders auf Monica Singer übt hochwertiges Glas durch seinen Entstehungsprozess eine besondere Faszination aus. Der Weg vom Quarzsand über den Prozess des Erhitzens und die Transformation des Materials in einen flüssigen Zustand, der durch Atemluft wieder fest und beständig wird, trägt mit Erde, Feuer und Luft drei der wesentlichen Elemente in sich. Ein stilvolles Beispiel dafür ist die für J.& L. Lobmeyr 2011 entworfene Vasenserie „Drop“. Sie ist von der Form eines Wassertropfens genauso inspiriert wie von flüssigem Glas während des Herstellungsprozesses. Marie Rahm widmet sich auf andere Weise der Materialkunde: Sie lotet – auch unter ästhetischen Gesichtspunkten – aus, wo fertigungstechnische Grenzen der verwendeten Materialien liegen.

Das Unerwartete erwarten

Das Spiel mit einem bestimmten Formenrepertoire führt immer wieder zu Überraschendem. Gewohntes erhält einen neuen Charakter, die subtile Veränderung verblüfft und fasziniert. Reine Funktionalität steht dabei nicht immer zwingend im Vordergrund. In der für Riess ent worfenen Serie mit Objektcharakter wurde etwa ein typisch österreichisches Produkt, nämlich schwarze Email-Kochtöpfe, völlig neu interpretiert. Die Entwürfe für Backhausen, Wittmann oder auch jüngst für Herend zeigen eine weitere charakteristische Eigenheit des Duos Rahm/Singer. Denn da geht es ebenfalls um Variationen zu einem Thema, sei es ein bestimmtes Muster oder ein Dekor, durch dessen radikale Vereinfachung eine umso effektvollere Wirkung erzielt wird. Wie sich dies praktisch umsetzen lässt, zeigt das jüngst entstandene Herend-Service „Apollo Écaille“. Das Motiv der traditionellen Schuppenmalerei der Porzellanmanufaktur wurde gestalterisch aufgegriffen, variiert und – aus Gründen der Alltagstauglichkeit – erstmals in blauer Inglasurfarbe aufgebracht. Aber auch ganz andere Materialien dienen als Quelle der Inspiration: für die Manufaktur Chlada wurden Tischobjekte entworfen, die der Form nach an Papierschiffe erinnern. In Handarbeit aus Zinn gegossen und anschließend poliert, können die einzelnen Objekte als „Schiffsflotte“ bei Tisch als Kerzenständer oder als Schalen für Salz und Pfeffer dienen.

Die Leidenschaft, die Marie Rahm und Monica Singer in die Entwicklung ihrer Kreationen gelegt haben, soll die Basis bilden für eine lange Beziehung zwischen den Menschen und den Objekten, mit denen sie leben.

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