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© Ensemble Wild, Pia Bimashofer
Ensemble Wild im Studio. (3)

Eindrucksvolle Bühnenpräsenz: das Quartett Wild gemeinsam mit Frank Hoffmann.

Frank Hoffmann liest Gedichte von Heinrich Heine.

 
Leben 25. Oktober 2012

Vierfach vergnüglich

Ein Damen-Quartett mit einer Neigung zur Wiener Salonmusik: Das Ensemble Wild hat sich darüber hinaus musikalischer Vielfalt verschrieben.

Ob Strauß-Walzer voll federleichter Eleganz, melancholische Tangos oder große Gefühle in Filmmusik verpackt: Die drei Schwestern Andrea, Angelika und Michaela Wild haben sich, zusammen mit Angelika Ortner, ihr eigenes musikalisch vielfältiges Musik-Universum geschaffen.

Man darf ruhig den Begriff Vollblut-Musikerinnen gebrauchen, um diesen Vieren gerecht zu werden. Denn „Damenkapelle“ wäre mehr als nur unpassend, schließlich spielen sie in der Besetzung Flöte, Violine, Violoncello und Klavier keine süßlichen Schnulzen um ihr Publikum zu erfreuen. Gefühlvoll darf es bei Bedarf aber schon sein. Der musikalische Horizont ist weit, manchmal sogar etwas ausufernd. Berührungsängste zwischen unterhaltenden und ernsten Stücken gibt es keine. Aber warum auch ? Wenn es auf diese Weise gelingt – und noch dazu auf sehr hohem musikalischem Niveau – für anhaltende Begeisterung beim Publikum zu sorgen, so ist dies doch schlichtweg erfreulich. Dabei kommen die Spielfreude und die musikalische Neugier keinesfalls zu kurz. Das Repertoire ist vielseitig und ambitioniert, das verleiht dem Salonmusik-Ensemble eine Frische, die auch nach mehrmaligem Hören erhalten bleibt. Bei Konzerten führen Angelika Wild und Angelika Ortner charmant durch das jeweilige Programm. Mit Erläuterungen und Anekdoten rund um die Komponisten und ihre Musikstücke geben sie dem jeweiligen Programm eine besondere Note.

Nicht nur klassisch

Was so unkompliziert klingt, ist jedoch gar kein leichtes Unterfangen. Um in dieser Besetzung auftreten zu können, ist es notwendig, Stücke neu zu arrangieren und ihnen damit eine etwas andere als die schon gewohnte Charakteristik zu verleihen. Klassisches präsentiert sich also im neuen Gewand, Ausflüge in andere musikalische Genres werden als weiterer wichtiger Schritt gewagt. Das Repertoire ist dementsprechend weit gespannt und reicht von Strauß-Walzern über den gefühlvollen Tango Nuevo Astor Piazzolas bis hin zum Swing Jazz der 1930er Jahre, wie er von Django Reinhard unnachahmlich geprägt wurde. Nicht eines, sondern viele Genres sorgen für die nötige Inspiration und dieses außerordentlich breite Repertoire. Darum ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn mit derselben Spielfreude von den Vieren Werke Wolfgang Amadeus Mozarts ähnlich virtuos dargeboten werden wie etwa ein Filmmusik-Klassiker aus der Feder Ennio Morricones.

Musikalische Weite

Um die Zuhörer nicht durch die verschiedenen Stilrichtungen zu sehr zu verwirren, wurden über die Jahre unterschiedliche Programme zusammengestellt. In „World Wide Wild“ etwa werden Auftragskompositionen moderner harmonischer Musik von jungen Komponisten vorgestellt, um auf diese Weise mit dem weitverbreiteten Vorurteil aufzuräumen, neue Musik sei schwer zugänglich. Die vier Damen des Ensembles sind auch auf diesem Gebiet äußerst versierte Führerinnen. Getrost darf man ihnen Vertrauen schenken und wird dafür mit Arrangements belohnt, die den Zugang zu diesen neuen Kompositionen wesentlich erleichtern.

Vor einigen Jahren ging man zudem einen Schritt in eine weitere Richtung: „Trailer live“ hieß das Programm, das an die legendäre Filmsendung im ORF mit Moderator Frank Hoffmann erinnerte. „Birds Lament“, ein Stück der amerikanischen Musiker-Legende Moondog und Kennmelodie der Filmsendung „Trailer“ wurde zum fixen Bestandteil dieses Programms.

Fallweise ein Quintett

Was schließlich zur Abrundung fehlte, war der Moderator dieser legendären Sendung. „Wir hatten bei einer Ehrung für Caspar Richter, dem musikalischen Leiter der Vereinigten Bühnen Wien, im Bundeskanzleramt gespielt, und Frank Hoffmann war dort als Gast,“ erinnert sich die Pianistin des Ensembles Wild, Angelika Ortner. „Ich hatte unser Filmprogramm dabei, habe ihn angesprochen und gefragt, ob er für dieses Programm die Moderation übernehmen würde. Nach einem weiteren Kontakt per e-mail und einem Treffen im Café Dommayer hat sich Frank Hoffmann schließlich bereit erklärt, als Moderator für unser „Trailer“-Programm zur Verfügung zu stehen.“ Dabei blieb es jedoch nicht. Die Zusammenarbeit erstreckte sich schon bald auch auf andere Programme. Auch bei „World Wide Wild“ führt Frank Hoffmann als kongenialer Partner des Ensembles Wild mit Erläuterungen zu den einzelnen Stücken durch den Abend. Im Programm „Der Tag ist in die Nacht verliebt“ mit der Rezitation von Gedichten Heinrich Heines bilden die verbindenden Musikstücke gleichsam die gefühl- und taktvolle Umrahmung der gelesenen Gedichte.

Bei „Wild im Kino“, so der neu gewählte Name des vormaligen „Trailer“-Programms, kommt die passende originale Filmmusik zu ausgewählten Szenen zum Einsatz: Beim Thema der Miss Marple Filme mit der unvergesslichen Margaret Rutherford oder den Schlüsselszenen aus dem Film „Goldrausch“ mit Charlie Chaplin gerät man unweigerlich in den Bann der durch die live dargebotene Filmmusik erzeugten Atmosphäre. Und wenn Frank Hoffmann als Moderator dieses Programms seinen Auftritt hat, erklingt als Hommage und Reminiszenz an seine Filmsendung „Trailer“ noch einmal Moondogs „Birds Lament“.

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