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Leben 22. Oktober 2012

Jungunternehmerin mit 80 Jahren

Tatkräftig. Wenige Tage vor dem 81. Geburtstag erfüllt sich Margot Opferkuch ihren Traum von der eigenen Apotheke.

Am Mittwoch wird eröffnet.

Viele Jahre hat Margot Opferkuch auf diesen Moment gewartet. Die Geduld hat sich gelohnt. Am Mittwoch eröffnet die 80-Jährige die Apotheke Zur Sonne in der Bahnhofstraße in Salzburg-Itzling, wie die Salzburger Nachrichten am Samstag, berichteten.

Als erste Pharmazeutin in der Stadt Salzburg wird Opferkuch einen Shop-in-Shop mit dem Sanitätshaus Tappe betreiben. "Ich habe schon vor 13 Jahren die Konzession beantragt, da war ich noch jünger", sagt die gebürtige Tirolerin. Sie habe nie in Erwägung gezogen, in Pension zu gehen. "Ich bin glücklich, dass ich arbeiten kann." In den vergangenen zwölf Jahren tat sie das als Angestellte in der Salvator-Apotheke am Mirabellplatz in der Stadt Salzburg. Davor war sie angestellte Apothekerin in Neumarkt und Salzburg-Aigen.


Reizende Damen und Herren, vor allem solche fortgeschrittenen Alters, habe sie stets als Stammkunden betreuen dürfen, sagt Opferkuch. "Ich mag diesen Beruf deshalb so gern, weil ich die Menschen liebe", erklärt sie. Und deshalb liebe sie auch die Pharmazie. Beratung geht bei ihr weit über das Übliche hinaus. "Zu mir kommen die Menschen auch mit ihren seelischen Nöten."


Die Liebe war auch der Grund dafür, dass Opferkuch nach dem Pharmaziestudium in Innsbruck nach Salzburg zurückkehrte. Hier hatte sie als Mittelschülerin beim Tanzkurs ihren späteren Mann Heinz Opferkuch aus der bekannten Textilunternehmerfamilie kennengelernt. 1957 läuteten die Hochzeitsglocken. Nach dem Tod ihrer Schwiegereltern übernahm Opferkuch in der Firma die Personalangelegenheiten. "Wir hatten hundert Mitarbeiter und waren die ersten in Salzburg mit einem Betriebskindergarten." Doch niemand habe das "Spatzennest" in Anspruch nehmen wollen. "Wir waren zu früh dran."

Kampf für Frauenrechte



Sie habe schon immer für die Rechte der Frauen gekämpft, sagt die vierfache Mutter und fügt an: "Ich bin Feministin." Opferkuch war Gründungsmitglied des Salzburger Clubsder "Business and Professional Women", einer der größten Vereinigungen berufstätiger Frauen. Zur Freundin wurde ihr die Frau, die ihr 30 Jahre nach dem Studium den Wiedereinstieg in den Apothekerberuf ermöglichte: Helga Höggerl. Sie ist 70 und leitet die Apotheke in Bergheim.

Seniorenbund gratuliert der Jungunternehmerin

In einer Aussendung gratuliert der Seniorenbund der Jungunternehmerin. Wenn Menschen arbeiten wollen, dann sollten sie dürfen. Das Alter sei nicht entscheidend. 


"Seitens des Österreichischen Seniorenbundes gratulieren wir Ihnen dazu herzlich. Erfolg und Gesundheit mögen ihre kommenden Lebensjahre begleiten", erklären LAbg. Ingrid Korosec, Bundesobmann-Stellvertreterin des Österreichischen Seniorenbundes und Vorsitzende des Wiener Seniorenbundes, Mag. Gertrude Aubauer, Bundesobmann-Stellvertreterin und ÖVP-Seniorensprecherin im Nationalrat, sowie Susanne Walpitscheker, stellvertretende Generalsekretärin des Seniorenbundes zu den heutigen Medienberichten.

Wermuttropfen lange Wartzeit auf Genehmigung für Seniorin


"Dass Frau Opferkuch 13 Jahre auf die Genehmigung warten musste,
ist freilich ein Wehrmutstropfen. Vielleicht könnte man darüber
nachdenken, dass man Anträge von über 65jährigen leistungswilligen
Senioren etwas vorreihen kann. Solche Anträge werden ja ohnedies
nicht besonders oft vorkommen. Im Übrigen gibt es seit kurzem eine
neue 'Jungunternehmerförderung', bei der zu Recht das Alter keine
Rolle spielt. Voraussetzung ist lediglich, dass man zum ersten Mal
als Selbständige/r tätig ist - wie wir schon bei der Präsentation der
Förderung festgestellt haben", betont Korosec.


"Uns ist klar, dass Frau Opferkuch eine Ausnahme darstellt,
niemand von uns verlangt, dass jetzt alle 80jährigen des Landes sich
einen Job suchen. Allerdings begegnen uns immer häufiger höchst
aktive Menschen, die jegliche Klischees über Menschen dieses Alters
Lügen strafen. Daher bleiben wir dabei: Wenn Menschen arbeiten
wollen, sollen sie dürfen. In jedem Alter und in jedem Beruf", hält
Aubauer fest.


"Wir freuen uns, dass Frau Opferkuch ihren gewünschten Job ausüben
kann. Doch in unseren Büros langen nahezu täglich Berichte von
Menschen ein, die gerne länger arbeiten würden, denen man jedoch
diverse Hürden in den Weg stellt - sei es durch Gesetze, durch
bürokratische Strukturen oder durch uneinsichtige Arbeitgeber. Wir
vom Seniorenbund werden weiter daran arbeiten, diese Hürden zu
beseitigen", betont Walpitscheker abschließend den Arbeitsauftrag des
Seniorenbundes.

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