zur Navigation zum Inhalt
© (4) Andreas Rhomberg
„Light“, Pigment-Print in limitierter Auflage

„Falling Sky“, Pigment Print in limitierter Auflage

„The Hall“, Pigment Print in limitierter Auflage

„The Lobby“, Pigment Print in limitierter Auflage

 
Leben 18. Oktober 2012

Vergangene Größe

Aufgegeben und dem öffentlichen Blick entzogen: Andreas Rhomberg dokumentiert in seinen Fotografien Interieurs mit schwer fassbarer Aura.

Vergessene Orte werden zu Stillleben mit eigener Atmosphäre. In HRD-Technik aufgenommen und in Pigment-Prints festgehalten irritieren sie und lösen damit eine ganz besondere Faszination aus.

Romantische Sehnsucht, verbunden mit dem Wissen um die eigene Vergänglichkeit ist eines der Hauptthemen in der Malerei der deutschen Romantik. Die eigentümliche Überzeitlichkeit architektonischer Relikte wird, anders als noch von Giovanni Battista Piranesi im 18. Jahrhundert in Verbindung mit der Antike nicht nur im klassischen Sinn als Ideal wahrgenommen. Ausgehend von der Romantik wird an der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert der Begriff des „Ruinenwertes“ geprägt. Gemeint ist damit die überzeitliche Bedeutung architektonischer Relikte, aber auch Orte, die die eigene Vergangenheit auf besonders konzentrierte Art und Weise idealisieren.

Die Arbeiten von Andreas Rhomberg können – wenn auch nicht in der Form dieser neoromantisch-idealisierten Weiterführung – durchaus in diesem Zusammenhang gesehen werden. Es sind jedoch nicht die architektonisch bedeutenden Zeugen einer ruhmreichen Vergangenheit, die er im Bild festhält. Denn solche Orte sind als Denkmäler akzeptiert, haben oftmals einen besonderen Status, und sind damit weitgehend geschützt. Und doch ist es nicht leicht, sich dem Reiz zu entziehen, den die verlassenen Innenräume ausüben, denen sich Andreas Rhomberg in ihrem mehr oder weniger fortgeschrittenen Verfall widmet. Da schwingt – zumindest für den Betrachter – auch immer etwas Schwermütig-Melancholisches mit. Denn zu ihrer früheren Bestimmung werden viele dieser Orte nicht mehr zurückfinden.

Vergessene Orte

Die Orte, die er mit seiner Kamera aufsucht, genießen diesen Sonderstatus der Denkmäler nicht, ihr „Ruinenwert“ ist gering.

Sie sind im Stadium des endgültigen Verfalls sich selbst überlassen, der dokumentierte Zustand bleibt so nicht erhalten. Andreas Rhomberg hält dieses Zwischenstadium in seinen Momentaufnahmen fest. Durch die Mehrfachbelichtung und die Tiefenschärfe, die durch HRD-Technik möglich ist, erscheinen sie in unwirklichem Zwielicht, wie mit feinem Pinselstrich gemalt, hyperrealistisch. Durch die langen Belichtungszeiten entsteht in einer Art Lichtregie eine diffuse Stimmung, zugleich aber auch eine Detailgenauigkeit die man so – selbst wenn man sich an einem dieser Orte befände – mit eigenen Augen niemals wahrnehmen könnte. Das im Bild Festgehaltene geht dennoch unwiederbringlich verloren. Der Status quo bleibt auch dann nicht erhalten, wenn die Geschichte anders verlaufen sollte und eine Konservierung oder gar eine Restaurierung stattfinden würde. Diese Frage bleibt jedoch offen. An diesen Orten hält sich niemand mehr auf, diese Orte sind kaum zugänglich, eine Exkursion dorthin ist mitunter gefährlich. Für die Öffentlichkeit sind sie zu verbotenen Zonen geworden. Wie vertraut und gleichzeitig fremd das alles wirkt, auch das wird, durch Langzeitbelichtung und durch subtile Nachbearbeitung der Aufnahmen überdeutlich. So entsteht ein Eindruck einer fremd gewordenen Welt, obwohl diese Architektur-Relikte durchaus gegenwärtig und nahe sind.

Andreas Rhomberg ist erforschender Chronist, schlussendlich aber auch Bewahrer – wenigstens im Bild. Dennoch genügt ihm das „Porträtieren“ der Räume allein nicht, das wäre zu banal und hätte nur rein dokumentarischen Wert. Die Faszination entfaltet sich erst durch die Bild-Atmosphäre und ihrem ganz eigentümlichen ästhetischen Reiz. Es sind die Details, die so verstörend wirken – ein herabgestürzter Plafond, noch mit Stuck versehen, der diagonal wie eine beabsichtigte Installation einen Raum teilt, verlassene Schlafzimmer im Zwielicht oder auch jener Raum mit den beiden Klub-Fauteuils vor den Panorama-Fenstern, die den Blick auf das Gebirge freigeben. Dazu kommt die fast schon spürbare Stille. Man soll sich jedoch von der Ästhetik dieser Bilder nicht täuschen lassen, Staub und Moder ist hier in nahezu jeder Ecke zu finden, die illustre Vergangenheit längst passé, die Vergänglichkeit hat sie längst abgelöst.

Verlorene Größe

Der Titel der Ausstellung, die noch bis 27. Oktober in der Galerie art bits in Wien in der Lindengasse 28 zu sehen ist, weist auf diese vergangene, verblasste Größe hin. „Past Grandeur“ ist als eine Art Verzeichnis des stetigen Verlustes und zugleich der Erinnerung zu verstehen. Diese im Bild festgehaltenen Orte lösen Sehnsucht oder auch Abenteuerlust aus, dennoch ist es nicht möglich, sie aufzusuchen.

Andreas Rhomberg gibt sich in dieser Hinsicht äußerst zurückhaltend und verweist nur kurz auf den Umstand, dass manches davon einfach nicht bemerkt, und dadurch glatt übersehen wird. Die ausgestellten Arbeiten helfen, die eigene Aufmerksamkeit zu steigern und zeigen, wie unachtsam der alltägliche Umgang mit kulturellen Relikten stattfindet.

Als Besucher der Ausstellung schaut man zunächst nicht hinauf zur Decke und tappt damit schon in die Unaufmerksamkeitsfalle: Da ist auf drei Bildträgern ein unterteilter Plafond mit reichem, an einer Ecke beschädigtem Stuck zu sehen. Wieder einer dieser Fälle, von denen Andreas Rhomberg zurecht meint, dass auch hier eher Übersehen statt Gesehen wird.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben