zur Navigation zum Inhalt
Naomi Feil, Pionierin der Demenzarbeit
 
Leben 16. Oktober 2012

Demenz: Die Verwirrung entschlüsseln

Naomi Feil, Pionierin der Demenzarbeit, kommt nach Wien.


Demenzkranke Menschen nicht um jeden Preis in die Realität zurückholen, sondern ihnen Sicherheit in ihrer durch die Erkrankung geschaffenen neuen Realität geben und so ihre Würde bewahren: Das ist das Grundprinzip der Validation, einer richtungs-weisenden Methode für den Umgang mit Menschen mit Demenzerkrankungen. Anlässlich ihres 80. Geburtstags besucht die US-Amerikanerin Naomi Feil, Gründerin der Methode und Pionierin auf dem Gebiet der Demenzarbeit, nun das Wiener Roten Kreuz.



„Mama?“ „Ich bin doch nicht deine Mama!“ Wenn ein von Alzheimer, Demenz oder einer verwandten Krankheit betroffener Mensch die Realität nicht mehr klar wahrnimmt, ist das für Angehörige und andere betreuende Personen oft schwierig zu akzeptieren. Statt Erkrankte jedoch durch Korrekturen an Tatsachen erinnern zu wollen, die sie nicht mehr behalten können, eröffnet die von Naomi Feil entwickelte Validationsmethode einen neuen Zugang zu den Betroffenen.

"Vergessen lassen, was nicht mehr behalten werden kann"

„Validation bedeutet, sich auf die Gefühlswelt der Klienten einzulassen – also zum Beispiel, sie vergessen zu lassen, was nicht mehr behalten werden kann, und sich nicht auf den verlorenen Realitätsbezug, sondern auf die Gefühle dahinter zu konzentrieren. Was wie eine wirre Aussage erscheint, mag nicht mehr in unserer Realität wurzeln, hat aber trotzdem Bedeutung, die es zu entschlüsseln gilt: Wer zum Beispiel nach seiner Mama ruft, der sucht Sicherheit und Nähe“, erklärt Barbara Pichler, Lehrgangsleiterin für Gerontologie beim Wiener Roten Kreuz.

Pionierarbeit von Naomi Feil


Mit der Entwicklung der Validationsmethode hat Naomi Feil Pionierarbeit im würdevollen Umgang und in der Kommunikation mit demenzkranken Menschen geleistet, die das Wiener Rote Kreuz seit den 1990er Jahren als Teil der Pflegekultur weiterträgt. Anlässlich ihres 80. Geburtstags reist Naomi Feil nun extra aus den Vereinigten Staaten an, um in Wien zu ihrer Arbeit zu sprechen. „Wir freuen uns sehr, als bisherigen Höhepunkt der über Jahrzehnte gewachsenen Verbundenheit des Wiener Roten Kreuzes zu Frau Feil, sie in ihrem Jubiläumsjahr bei uns begrüßen zu dürfen“, so Barbara Pichler.

In die Welt der Demenz einsteigen


Naomi Feils Ansatz, in die „Welt der Demenz einzusteigen“, um so demenzkranken Menschen auf derselben Ebene zu begegnen, läuteten einen Paradigmenwechsel im Umgang mit demenzkranken Menschen ein. Die studierte Sozialarbeiterin Feil entwickelte die Validationsmethode aus der alltäglichen Notwendigkeit ihrer Arbeit mit alten Menschen heraus zwischen 1963 und 1980, um besser mit desorientierten Erkrankten kommunizieren zu können. Auch heute gewinnt die Validation aufgrund demographischer Entwicklungen und
der zunehmenden Akzeptanz nichtmedikamentöser Behandlungsmethoden von Demenz immer noch an Bedeutung: Weltweit arbeiten rund 30.000 Einrichtungen nach Feils Prinzipien, Validation ist längst zur anerkannten Umgangsform mit älteren Menschen mit Alzheimer, Demenz oder verwandten Krankheiten aufgestiegen.


Information
Am 19. und 20. Oktober 2012 gibt Naomi Feil im Ausbildungszentrum des Wiener Roten Kreuzes (Safargasse 4, 1030 Wien) ein Einführungsseminar in die Validationsmethode.

Das Seminar ist für alle offen, weiterführende Informationen gibt es unter http://www.roteskreuz.at/wien/kurse-aus-weiterbildung/gerontologie/validation-nach-naomi-feil/   

 www.wrk.at  

PA Wiener Rotes Kreuz / IS, springermedizin.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben