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Leben 3. Oktober 2012

Stradivari-Klang mithilfe von Pilzen

Neue biotechnologische Methode könnte schon bald hoch qualitatives Holz für den Geigenbau verfügbar machen.

Dem Holzforscher Prof. Francis W. M. R. Schwarze, St. Gallen, Schweiz, ist es gelungen, das Holz für eine Geige mit Hilfe von besonderen Pilzen so zu verändern, dass der Klang des Instruments einer Stradivari zum Verwechseln ähnlich ist.

Der berühmte Geigenbauer Antonio Stradivari verwendete während des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts ein besonderes Holz, das während einer Kälteperiode zwischen 1645 und 1715 gewachsen war. Durch lange Winter und kühle Sommer wuchs das Holz damals sehr langsam und gleichmäßig, sodass es eine geringe Dichte und hohe Biegefestigkeit aufwies. Von derartigem Klangholz konnten moderne Geigenbauer bislang nur träumen.

Zersetzung von Holz verbessert Klangqualität

Entwicklungen von Prof. Schwarze könnten schon bald ähnlich gutes Holz auch heute für den Geigenbau verfügbar machen. Er hat eine besondere Art von Pilzen (Physisporinus vitreus und Xylaria longipes) entdeckt, die die beiden für den Geigenbau wichtigen Holzsorten Fichte und Ahorn so zersetzen, dass ihre Klangqualitäten verbessert werden. Auch die Biegefestigkeit wird nicht beeinträchtigt, das Holz bleibt also genauso bruchfest wie vor der Pilzbehandlung – ein wichtiges Kriterium für den Geigenbau. Bevor das Holz zur Geige weiterverarbeitet wird, wird es mit dem Gas Ethylenoxid behandelt. So kann garantiert werden, dass in der späteren Geige kein Pilz mehr zu finden ist.

Mit Pilz behandelte Geige im Blindtest bestanden

Gemeinsam mit den Geigenbauern Martin Schleske und Michael Rhonheimer entwickelte Schwarze Geigen aus pilzbehandeltem Holz, die 2009 in einem Blindtest gegen eine echte Stradivari aus dem Jahr 1711 antraten. Gespielt wurden alle Geigen von dem britischen Violinisten Matthew Trusler. Das Ergebnis war für alle Beteiligten überraschend: Sowohl die Fachjury, als auch die Mehrheit des Publikums hielten eine Geige, deren Holz Schwarze neun Monate lang mit Pilzen behandelt hatte, für die echte Stradivari. „Natürlich ist ein solches Verfahren immer subjektiv. Für Wohlklang gibt es eben kein eindeutiges naturwissenschaftliches Messverfahren“, so Schwarze. Der Holzexperte hofft zudem, dass durch seine erfolgreiche Umsetzung der biotechnologischen Methode der Klangholzbehandlung, zukünftig Nachwuchstalenten ermöglicht werden kann, eine Geige mit der Klangqualität einer teuren – und für die meisten unbezahlbaren – Stradivari zu spielen.

Quelle: innovationsreport/Max-Delbrück-Centrum

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