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© (3) Stift Altenburg/Schewig Fotodesign
Stiftskirche mit Deckenfresken von Paul Troger

Deckenfresko der Kaiserstiege: „Der Bund von Religion und Wissenschaft“

Die Westseite der Hauptkuppel: „Verfolgung der Frau durch den Drachen und Lobpreis der 24 Ältesten“

 
Leben 4. Oktober 2012

Troger: blau ist keine Kunst

Paul Troger hat mit den Fresken in Stift Altenburg ein eindrucksvolles Zeugnis seiner Kunst hinterlassen. Die Sonderausstellung zu seinem 250. Todestag schafft vertiefende Einblicke.

Manche Künstler sprechen durch ihre Werke mehr als durch Worte oder schriftliche Zeugnisse. Dies ist etwa bei Paul Troger und seinem Bild-Kosmos aus Farbe und Licht der Fall.

Am Anfang seiner Laufbahn stand der gebürtige Tiroler Paul Troger als Diener im Dienst des Freiherrn Franz Alphons von Firmian. Die künstlerischen Grundlagen erlernte er bei Giuseppe Alberti in Cavalese. Der Gurker Fürstbischof Jakob Maximilian Graf von Thun, auf das künstlerische Talent Trogers aufmerksam geworden, ermöglichte ihm durch ein Stipendium eine dreijährige Studienreise nach Italien: Rom, Neapel und Bologna waren die wichtigsten Stationen. Schon bald zeigte sich das Charakteristische an Trogers Malerei: Einzelfiguren und Figurengruppen bilden die tragenden Elemente der Komposition, die Lichtführung nimmt im Bildaufbau eine nicht zu unterschätzende, wesentliche Rolle ein.

Wie sich dem reich bebilderten Katalog zur Ausstellung im Stift Altenburg entnehmen lässt, ist der Bologneser Maler Marcantonio Franceschini für Troger von Bedeutung. So findet sich das Motiv des Gewölbemosaiks „Gottvater“ von Franceschini in der Capella del Coro im Petersdom in Rom als Zitat Trogers im Fresko der großen Kuppel der Stiftskirche Altenburg wieder. Die Dramatik des Bildaufbaus lebt jedoch nicht allein von der szenischen Komposition. Die körpermodellierende Lichtführung, das spannungsreiche Verhältnis zwischen dem berühmten Troger-Blau und weißlich-gelbem Licht ist nicht nur für das zentrale Fresko prägend.

Große Werke

Bevor Paul Troger 1733 nach Altenburg kam, eilte ihm bereits der Ruf des Neuerers voraus. In den Jahren 1727 bis 1728 hatte er das Kuppelfresko und Hauptaltarbild der Kajetanerkirche in Salzburg für seinen Gönner, den Fürstbischof von Gurk, Jakob Maximilian Graf von Thun, gestaltet. In Salzburg hatte er die Werke von Johann Michael Rottmayer eingehend studieren können. In Wien bot das Werk Daniel Grans Gelegenheit zur künstlerischen Auseinandersetzung. Für Paul Troger bedeutete der Aufenthalt in der Residenzstadt die Möglichkeit weiterführende Kontakte zu pflegen. 1731 arbeitete er am Deckenfresko des Marmorsaals von Stift Melk, ein Jahr später begann er mit dem Fresko der Hauptkuppel der Altenburger Stiftskirche.

Glückliche Fügung

Nicht alles im Leben ist planbar, und günstige Entwicklungen sind selten vorhersehbar. Eine besonders glückliche Fügung war, dass Paul Troger in Stift Altenburg auf den Bauabt Placidus Much traf. Im Lauf der 1730er Jahre wurde unter diesem das Gesamtbild der frühbarocken Anlage mit mittelalterlichem Ursprung grundlegend verändert.

Am Anfang stand die Umgestaltung der Stiftskirche und der Sakristei durch den St. Pöltner Baumeister Joseph Mungenast. Den heutigen Betrachter überrascht die komplexe Konzeption der in den Fresken der Hauptkuppel sichtbaren Szenen aus der Johannes-Apokalypse. Die Anbetung des Lammes in einem Fresko über dem Presbyterium, sowie das Fresko „Überführung der Bundeslade“ über der Orgelempore deuten bereits auf einen wesentlichen Punkt, auf den in der Ausstellung hingewiesen wird. Damals wie heute war dem Betrachter nämlich niemals die Zusammenschau der Gesamtkomposition möglich. Es blieb, und daraus ergibt sich die historisch korrekte Herangehensweise, bei unterschiedlichen Blickrichtungen. Diese Vorgabe von Abt Placidus Much hat Troger in der thematischen Abfolge der vorgesehenen Inszenierung umgesetzt. „Nicht jeder sieht alles“, so kann man das Ergebnis in Worte fassen. Für die Besucher des Gottesdienstes ergab sich ein anderer Blickwinkel als für die Mönche im Presbyterium. Hochrangige Gäste gewannen, ausgehend von den Fresken der Oratorien im Westteil der Kirche, wiederum einen anderen Eindruck. Und dem Priester am Hochaltar erschließt sich auch heute noch in der Apsiskuppel im „Triumph der Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung und Demut“ ein ganz besonderer mehrschichtiger Zugang, welcher der am Gottesdienst teilnehmenden Gemeinde verwehrt bleibt. Den programmatischen Abschluss bildet dort zudem das monumentale Hochaltarbild „Aufnahme Mariens in den Himmel“.

Umfassendes Programm

In der großen Kuppel der Stiftskirche hat Troger die Menschwerdung des Messias aus der Jungfrau und den Sturz Satans, das Gebet der 24 Ältesten vor Gottes Thron und die Verfolgung der Frau durch den Drachen verwirklicht. Mit der Arbeit an den Fresken für die Bibliothekskuppeln des Stifts endete 1742 Trogers Tätigkeit im Stift Altenburg, die sich an zahlreichen weiteren dort erhaltenen Werken eindrucksvoll ablesen lässt. In der Hauptkuppel ist als Thema der Besuch der Königin von Saba bei König Salomon zu sehen, das Fresko der Eingangskuppel zeigt die Fakultäten der Theologie und Jurisprudenz. Die dritte Kuppel ist der Medizin und Philosophie gewidmet. Als letztes noch erhaltenes Fresko stellte Paul Troger im Auftrag des Stiftes Altenburg 1752 das Deckenfresko der Kuppel in Maria Dreieichen fertig. Der szenische Reichtum, das komplexe zugrunde liegende Programm und dessen meisterhafte malerische Umsetzung faszinieren noch heute.

Auf die vertiefende Spurensuche in der Bildwelt Paul Trogers kann man sich, durch wertvolle Erläuterungen erschlossen, noch bis 26. Oktober 2012 im Rahmen der Sonderausstellung im Stift Altenburg, Niederösterreich, begeben.

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