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Leben 27. September 2012

ESMO 2012: Krebs im Kino

Studie zeigt: Krebs wird im Spielfilm viel zu negativ dargestellt.

Das Thema Krebs wird in Spielfilmen häufig viel zu negativ präsentiert, nur selten werden auch die Chancen eines Patienten realistisch dargestellt, die Krankheit zu überleben. Das ist das Ergebnis einer Studie von Dr. Luciano De Fiore (Sapienza Univeristät, Rom), die 82 Filme zum Thema Krebs analysiert hat und auf dem europäischen Krebskongress ESMO 2012 diskutiert wird. Dort kommen mehr als 16.000 Spezialisten aus über 120 Länder zusammen.


Sehr oft überlebt in Kinofilmen die kranke Person ihre Krebskrankheit nicht, und ihr Tod ist bedeutsam für die Handlung und für den Ausgang des Films. Dieses Handlungsmuster sei traditionell derart stark verankert, dass es trotz der sehr positiven Entwicklung von Krebstherapien weiter besteht, konstatiert Dr. De Fiore: „Die Vorstellungen und Konzepte von Krebs, wie sie in Filmen dargestellt werden, hinken hinter den heutigen therapeutischen Möglichkeiten nach. Im Kino überlebt der Krebspatient nur sehr selten wegen der Therapie, im wirklichen Leben ist das glücklicher Weise in sehr vielen Fällen nicht mehr so.“

Seltene Krebsformen - häufig im Kino


Erstaunlicherweise spielen die gefährlichsten Krebsformen mit der Ausnahme von Lungenkrebs im Kino keine wesentliche Rolle, diagnostizieren die Studienautoren. „ Obwohl Brustkrebs einen starken Einfluss auf Frauen hat, ist er in Spielfilmen kaum repräsentiert, stattdessen dominieren relativ seltene Krebsformen wir Leukämie, Lymphome und Gehirntumore“, so Dr. De Fiore. Er wünscht sich, dass Filme zum Thema Krebs eine positive Auswirkung haben, z.B. indem sie Bewusstsein dafür schaffen, wie bedeutsam das Thema Krebs ist und welche neuen Therapien verfügbar sind.

Dramatik bevorzugt


„Wenn Filme vom Thema Krebs handeln, werden offensichtlich lieber die ‚dramatischen‘ Formen dargestellt, weil sich damit schicksalhafte Entwicklungen von Patienten und ihrer Umgebung darstellen lassen. In Wirklichkeit geht es heute im Leben von Krebspatienten viel mehr darum, mit Krebs zu leben, eine entsprechende Diagnose zu bekommen, behandelt zu werden, und schließlich zu überleben“, kommentiert Prof. Dr. Christoph Zielinski (MedUniWien), lokaler Gastgeber des ESMO 2012. „Die Prognose wurde bei der große Mehrheit der Krebsformen über die Jahre wesentlich besser oder verbesserte sich zumindest. Diese guten Nachrichten sind allerdings in einem Drama wesentlich schwieriger darzustellen, wie diese interessante Forschungsarbeit zeigt.“

Die Analyse

Einige Ergebnisse der Analyse der insgesamt 82 Filme im Detail:

  • 40 Personen mit Krebs waren Frauen, 35 Männer.
  • In 21 Filmen wurde die Krebsart, um die es ging, nicht genannt.
  • Spezielle Symptome wurden in 72 Prozent der Filme berücksichtigt.
  • Diagnostische Tests in 65 Prozent erwähnt.
  • Die am meisten erwähnten Behandlungen waren Chemotherapien, gefolgt von Schmerztherapie.
  • Der Tod spielte in 63 Prozent aller Filme eine Rolle.

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