zur Navigation zum Inhalt
 
Leben 24. September 2012

The Naked Doc

Wie bringt man medizinische Informationen über Bücher oder TV-Sendungen am besten an die Bevölkerung? Die Koch-Branche zeigt, wie es geht.

Mit einer gewissen Beunruhigung beobachte ich die Entwicklung am Sachbuchmarkt. Hatten nicht früher medizinische Ratgeber die Nase vorne? Gingen nicht Bücher wie „Der Sprechstunden-Knigge“, „Die hundert schönsten Diagnosen“ oder „Gallenblase – rasch selbst entfernt“ wie die warmen Semmeln über die Ladentische?

Heute finden sich in den Top- 10 der Sachbuch-Bestseller gefühlte zwölf Kochbücher. Vor Kurzem hoch im Kurs Werke wie „Jamie Oliver cooks back“, „Kochen mit Spaß und mit Jamie Oliver“ oder „Einmal nicht so kochen, wie Jamie Oliver mit Jamie Oliver“. Heute veröffentlicht bereits jeder zweite Kantinenkoch ein Werk wie „Freude an der Einbrennsuppe“. Es geht um „Einfach Molekularkochen für Vorschulkinder“ und eine innovative Schwarte, in schlichtem Weiß gehalten mit ei-nem auf dem Umschlag fett gedruckten Imperativ „Koch!“.

Wo sind die schönen und wertvollen medizinischen Ratgeber hin? Warum sind sie nicht mehr so beliebt, wie früher? Die vereinzelten Werke zur Gesundheit finden höchstens wieder über das Kochen in die Bestsellerlisten: „Der Schmalz-Index – Glücklich ohne Eiweiß und Kohlenhydrate“ oder „Gesund mit der Montezuma-Diät: Mit Reisediarrhö zur Traumfigur“.

Wenn die Leser so einfach gestrickt sind und man sie vor allem über den Genuss erreicht, sollten auch wir Ärzte diesen Kanal bedienen. Ein Buch zum Thema „Diabetes – warum nicht?“ ist gerade mal für Betroffene von Interesse. Aber um die breite Masse zu erreichen, müssen wir Werke schaffen wie „Tibetanisch Wok-Kochen ohne Zucker“ oder „Die diabetische Fusion-Küche“.

Auch Medizinsendungen im Fernsehen hinken den überaus beliebten Kochshows nach. Warum also nicht eine Live-Operation vor Publikum? Ein Promi operiert mit einem Profi: „Das Spenderorgan hab ich schon vor der Sendung vorbereitet und warm gestellt .…“ Grundtenor: Medizin macht Spaß! Und erst wenn Dr. med. Jamie Oliver als „The Naked Doc“ mit dem Roller zu seinen Patienten fährt, schnellen die Einschaltquoten in die Höhe.

In diesem Sinne hoffe ich, dass wir bald schon in den Top-Sellern das eine oder andere medizinische Werk finden. Mein Vorschlag: „Diagnostische und therapeutische Interventionen der atherosklerotischen Veränderungen an den Koronarien – mit Jamie Oliver“.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben