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© Odo Rizzi
Schloss Mattighofen: Ausstellungssaal Koalitionskriege.
© Österreichisches Staatsarchiv, Haus,- Hof- und Staatsarchiv Wien

Kloster Ranshofen: Bayern und Österreich im Zeitalter des Barock.

© Burghauser Touristik GmbH

Stadtansicht Burghausen

© Flying Pictures C. Berghammer

Eine der berühmtesten und folgenreichsten Fälschungen des Mittelalters: das Privilegium Maius Pergament, 1358/59.

 
Leben 14. September 2012

Löwe und Adler

Verbündet – verfeindet – verschwägert: Bayern und Österreich im unruhigen Lauf der Geschichte.

Sehenswertes auf der Burg Burghausen, im Kloster Ranshofen und dem Schloss Mattighofen: Die länderübergreifende Landesausstellung beleuchtet über die Jahrhunderte hinweg wesentliche Kapitel bayerisch-österreichischer Beziehungen.

Die wechselvolle Geschichte Bayerns und Österreichs beginnt mit einem Dokument aus dem Jahr 996: es ist dies die berühmte Ostarîchi-Urkunde, in der Kaiser Otto III., durch Schenkung an Bischof Gottschalk von Freising den Königshof in Neuhofen an der Ybbs, dazu 30 große landwirtschaftliche Anwesen samt Wald und Äckern, übertrug. In dieser Urkunde wurde erstmals der östliche Teil des Herzogtum Bayerns, als Ostarîchi bezeichnet, schriftlich festgehalten. Ober- und Niederösterreich blieben Teile des Herzogtum Bayerns, bis sich 1156 die Einflusssphären zu verschieben begannen.

Ausstellungs-Dreieck

Im bayerischen Burghausen geht es thematisch um die bayerisch-österreichischen Beziehungen im Mittelalter. Das Haus der Bayerischen Geschichte steuert dazu wertvolle Exponate, darunter eben jene Ostarîchi-Urkunde, bei. In Burghausen herrschte im 11. und 12. Jahrhundert das bayerische Geschlecht der Sighardinger auch über die heute österreichischen Gebiete. Den Sighardingern folgten die Wittelsbacher nach, sie erweiterten die Burg zu Burghausen zur flächenmäßig weltweit größten, noch bestehenden Burganlage. Das „bayerische“ Innviertel fiel erst spät, nämlich 1779, an Österreich. Die Burg dokumentiert gleichsam symbolisch die wechselvolle Geschichte an Salzach und Inn. Die beiden weiteren Stationen des Ausstellungsdreiecks, Ranshofen und Mattighofen, sind etwas über 20 Kilometer von Burghausen entfernt.

Per Fälschung zum Recht

Eines der wichtigsten Exponate, das schon früh habsburgische Ansprüche im Rahmen dynastischer Nachfolge regeln sollte, ist ein Exemplar aus dem bemerkenswerten Dokumenten-Komplex des Privilegium Maius. Das sogenannte Henricianum, in dem König Heinrich IV. dem Marktgraf Ernst die Privilegien der Kaiser Julius Cäsar und Nero bestätigt, ist im Zuge des Exponatetauschs seit August in Burghausen zu sehen. Über Jahrhunderte hinweg fungierten die Skriptorien in den Klöstern auch als Notariate, in denen tradierte Herrschaftsrechte und Besitzstand präzise festgehalten wurden. Um der eigenen Partei Rechte einzuräumen, war man in der Wahl der Mittel nicht wählerisch: So zählt das Privilegium Maius aus dem Jahr 1359, eine mit weitreichenden dynastischen Ansprüchen versehene Urkunde, zu den wichtigsten Fälschungen aus der Zeit des Mittelalters. Es sollte den Einfluss des Habsburger Herzog Rudolf IV. von Österreich stärken. Dessen Grundlage, das 200 Jahre ältere Privilegium Minus von 1156, indem die Trennung von Österreich und Bayern als Herzogtum festgelegt worden war, wurde vernichtet, die kaiserliche Goldbulle zierte als Siegel fortan den gefälschten Urkunden-Komplex. Dies hatte weitreichende Folgen: In der „Goldenen Bulle“ als wichtigstem Verfassungsdokument war von Kaiser IV. im Jahr 1356 die Wahl und die Krönung der römisch-deutschen Könige durch die Kurfürsten klar und unumstößlich festgelegt worden.

Die angestrebte habsburgische Sonderstellung wurde schließlich – wenn auch später - doch erreicht.

Barockes Lebensgefühl

Der Ausstellungsteil im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen ist dem Zeitalter des Barock gewidmet. Unter habsburgischer wie auch wittelsbachischer Herrschaft bildeten bedeutende prunkvolle Sakral- und Schlossbauten dessen Höhepunkt. In Bayern wie Österreich findet der nach der Gegenreformation erstarkte Katholizismus darin seinen künstlerischen Ausdruck. Das höfische Leben ist in Ranshofen aber auch dokumentiert: Trotz strengem Zeremoniell gab es vielfältigen Zeitvertreib, Kammermusik und festliche Schauspiele gehörten, wie auch die Jagd, zu den höfischen Vergnügungen des Barock. Die Rolle der Kirche und ihr Machteinfluss im Dienst der beiden Dynastien ist eines der zentralen Themen in Ranshofen. Die berühmte Kaisermonstranz Kaiser Karls VI. weist als wichtigstes Ausstellungsstück auf die enge Verbindung von Kirche und Staat hin. Der prunkvolle Katholizismus fand, trotz Aufklärung und Säkularisierung, im regionalen Brauchtum einen starken Widerhall: Die Entstehung künstlerisch großartiger Hauskrippen und das Aufkommen von Wallfahrten im 18. Jahrhundert weisen auf die, ebenfalls in der Ausstellung festgehaltene, enge Verbindung von tiefer Religiosität und Alltags-Leben hin.

Konfliktpotenzial

Der Schiffstransport auf Inn, Salzach – speziell der Salzhandel – war einträglich und begründete den Wohlstand der am Fluss gelegenen Städte. Aber nicht nur daran entzündeten sich regelmäßig Konflikte, die immer wieder aufs Neue beigelegt werden mussten. Die am dritten Ort der Landesausstellung, im Schloss Mattighofen thematisierten Konflikte, die Bayern und Österreich im 18. Jahrhundert zu bewältigen hatten, waren weit umfassender. Obwohl dynastisch eng miteinander verbunden, standen das Haus Habsburg und Wittelsbach weder im Spanischen Erbfolgekrieg noch in den Koalitionskriegen als verbündete Seite an Seite. Das Ringen um den Erhalt Österreichs fand erst 1806 durch Franz den II., dem letzten Kaiser des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation, ein Ende. Von 1814 bis 1815 sorgte schließlich der Wiener Kongress für eine grundsätzliche Neuordnung Europas. Und damit findet die anspruchsvoll-informative Reise durch mehrere Jahrhunderte wechselvoller gemeinsamer Geschichte Bayerns und Österreichs in Mattighofen ihren Abschluss.

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