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Leben 15. Juni 2009

Im Angesicht des Todes

Galerie Westlicht: „Noch einmal leben. Eine Ausstellung über das Sterben“.

Der Tod findet heute im Verborgenen statt, hinter Mauern, in Institutionen wie den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Der deutsche Fotograf Walter Schels hat unheilbar Kranke mit der Kamera begleitet und sie kurz vor und unmittelbar nach ihrem Tod fotografiert. Seine Porträts werden seit dieser Woche in der Wiener Galerie Westlicht gezeigt.

 

Man sollte meinen, wir hätten uns längst an den Anblick von Toten gewöhnt. Denn Kriegs- oder Katastrophenopfer können gar nicht verstümmelt genug sein, als dass nicht Aufnahmen von ihnen in den Zeitungen veröffentlicht würden. Das Grauen ist alltäglich geworden, einerseits. Andererseits wird das „normale“ Sterben heute geradewegs wie ein Tabuthema behandelt, es ereignet sich nicht mehr wie vor hundert Jahren in der Wohnstube, sondern im Verborgenen, hinter Mauern, in Institutionen wie den Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen.

Gesichter in Großaufnahme

Die Wiener Galerie Westlicht gibt nun dem Tod im wahrsten Sinne ein Gesicht. Sie zeigt Aufnahmen, die Walter Schels (zusammen mit der Spiegel-Reporterin Beate Lakotta) von unheilbar kranken Menschen gemacht hat, kurz vor und unmittelbar nach ihrem Tod. Für diese Serie hatte der deutsche Porträtfotograf über zwei Jahre mehrere deutsche Hospize besucht, jene Orte, wo Schwerstkranke ihr Lebensende so schmerzfrei und bewusst wie möglich verbringen können.

Natürlich fotografierte Schels nur jene Sterbenden, die damit auch einverstanden waren. Und es waren sehr viele, sogar die meisten damit einverstanden, 40- wie auch 80-Jährige, die wussten, dass sie nicht mehr lange leben und auch nicht in ihre Wohnung zurückkehren würden. Schels zeigt in seinen Schwarz-weiß-Fotos ihre Gesichter in Großaufnahme. Er arbeitete also nicht aus sicherer Distanz, sondern begab sich geradewegs auf Tuchfühlung.

Auch wer weiß, dass er bald sterben wird, glaubt noch lange nicht daran, dass das wirklich geschehen wird – so die Erfahrung, die Beate Lakotta in den Hospizen machte. In der Tat: Meistens künden die Gesichter der (noch) Lebenden vom Kampf ums nackte Überleben. Dagegen strahlen die Toten eine wunderbare Ruhe und Friedfertigkeit aus. Die Schlacht ist geschlagen, keine Anspannung mehr. Die Muskeln haben ihre Arbeit beendet. Die Toten haben einen anderen Seinszustand erreicht.

 

WestLicht. Schauplatz für Fotografie: „Noch einmal leben. Eine Ausstellung über das Sterben“. Westbahnstr. 40, 1070 Wien, bis 31. 7. 09

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 24 /2009

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