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Badener Lido: Sandstrand mit Strandkorb
© (4) Meder, Schuller, Rollettmuseum/Stadtarchiv Baden

Das Badener Thermalstrandbad 1926: Gemälde von Arthur Polzer-Hoditz Baden.

Mondänes Ambiente: Schwimm- und Thermalbecken

Behutsam restauriert: Kleiderkästchen für die Badegäste

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Metroverlag
 
Leben 7. September 2012

Baden in Baden

Das Badener Thermalstrandbad ist eine Oase der Erholung. Als Architektur-Juwel ist es in Österreich einmalig.

Grado bei Wien: Die Träume vom Badevergnügen mit südlichem Flair konnten dank der großzügigen Anlage des Thermalstrandbades Baden schon Mitte der 1920er Jahre verwirklicht werden.

Der Entschluss, Mitte der 1920er Jahre ein groß angelegtes Freibad-Projekt wie jenes in Baden bei Wien zu verwirklichen, kam nicht von ungefähr. Die wohltuende Anwendung des schwefelhaltigen Thermalwassers hatte man schon vor der Wende zum 20. Jahrhundert erkannt. In Baden wie auch in Bad Vöslau und Bad Fischau entstanden deshalb wichtige Kurzentren der k.u.k. Monarchie.

Seit dem Bau der Südbahn galt der Süden Wiens bis hin zum Semmering als Wiener Naherholungsgebiet: Er zog aber auch internationale Gäste an. Nach dem Ersten Weltkrieg lagen durch das Ende der Habsburger Monarchie und durch den Verlust der Kronländer, Abbazia und Grado, zwei der wichtigsten alt-österreicghischen Badeorte, nun außer Reichweite. So blieb den Badenern nur eins – trotz des erheblichen finanziellen Aufwands das Thermalbad-Projekt in Angriff zu nehmen, um den internationalen Ruf als Kurort nicht zu verlieren.

Die Summe von 2,5 Millionen Schilling diente zum Ankauf des Areals, auf dem sich der Sommersitz des Grafen von Aichenburg befand. Damit sollte außerdem den Bau der gesamten Anlage finanziert werden. Das war nur mittels eines Darlehens durch die Badener Sparkasse möglich. Der nicht unerhebliche Rest der benötigten Summe wurde schließlich durch eine auf zehn Jahre rückzahlbare Anleihe von 3 Millionen Schweizer Franken aufgebracht.

Mondänes Ambiente

Architektonisch war die Zwischenkriegszeit in Österreich von unterschiedlichen Strömungen geprägt. Einerseits drängte der Heimatstil verstärkt in den Vordergrund, andererseits waren die dem Jugendstil nachfolgenden Baustile wie Funktionalismus, Neue Sachlichkeit oder auch Neoklassizismus für die 1920er Jahre prägend. Der Entwurf des Baumeisters Alois Bohn ging als Siegerprojekt aus dem ausgeschriebenen Wettbewerb, zu dem 14 Entwürfe von Badener Baumeistern und Architekten eingereicht worden waren. Bohn plante die imposante Anlage mit ihrem Haupttrakt, akzentuiert mit monumentalen Säulen und einem Dreiecksgiebel. Diesen repräsentativen Mittelteil flankieren beidseitig zweigeschossige bogenförmige Flügel. Mit einer imposanten Länge von über 160 m wurde das Bauwerk in einer äußerst knapp bemessenen Bauzeit errichtet: Von April bis Mitte Juli 1926 waren bis zu 2500 Arbeiter und über 100 Gewerbe an diesem für die damaligen Verhältnisse nicht nur kostspieligen, sondern auch repräsentativen Großprojekt beschäftigt.

Am 24. Juli 1926 konnte das Thermalstrandbad schließlich feierlich durch den damaligen Vizekanzler Leopold Waber eingeweiht werden. Der echte Sandstrand, mit dem geworben wurde, war eine der Hauptattraktionen. Zwar kam der Sand nicht, wie immer wieder behauptet wurde, mittels Eisenbahnwaggons von der Adria über den Semmering, sondern war von der Donau herbeigeschafft worden.

Was den Besucherandrang anging, so hatte man vorsorglich nicht zu knapp kalkuliert: Auf den ausgedehnten Flächen sollten 2.000 Besucher Platz finden, Kabinen und Garderoben waren in gleicher Anzahl vorhanden.

Baden mit Ordnung

Das Badevergnügen wurde durch eine eigene Badeordnung reglementiert. Nach hitzigen Diskussionen war es schließlich gestattet, dass Männer und Frauen gemeinsam in dem damals noch existierenden 100 Meter Becken schwimmen durften. Die großzügige und angenehme Atmosphäre des neuen Thermalstrandbads mit seinen beiden zusätzlichen, von der Marienquelle gespeisten Schwefelwasserbecken, wussten nicht nur die Badener während der Sommermonate zu schätzen. Auch Wiener Badegäste kamen zu Beginn der 1930er Jahre zunächst noch per Straßenbahn und später mit dem Autobus. Nach dem deutschen Einmarsch, zu Beginn der Badesaison 1938, blieb den jüdischen Mitbürgern der Zugang zum Thermalstrandbad verwehrt. Ab Kriegsende stand das Bad exklusiv den Angehörigen der Sowjetarmee zur Verfügung, da sich der Sitz des sowjetischen Oberkommandos ab April 1945 in Baden befand. Erst Mitte 1947 war das Thermalstrandbad wieder für die Allgemeinheit öffentlich zugänglich.

Das Thermalbad als Erlebnisbad

Nach einer umfangreichen Restaurierung und Modernisierung Mitte der 1990er Jahre verfügt das über 42.000 Quadratmeter große Areal nun über zwei 50 Meter Schwimmbecken, zwei Schwefelbecken, Massagedüsen in verschiedenen Höhen, einen Strömungskanal, Bodengeysire, Massageliegen auf der neu geschaffenen Palmeninsel, verschieden Wasserrutschen sowie einen Sprungturm. Der ursprüngliche Charakter der Anlage samt historischer Innenausstattung, den dekorativen Glasfenstern und der bauplastischen Gestaltung wurde behutsam renoviert und blieb so bewahrt. Der große Sandstrand direkt neben den Schwimmbecken und die Ruhezonen im Park prägen das erholsame Ambiente. Außer den zahlreichen Kabinen und Kästchen stehen den Badegästen 297 Kabanen zur Verfügung, um das Badevergnügen in Baden zu genießen. Bis 30. September 2012 ist der Bade-Ausflug dorthin noch möglich, dann ist Badeschluss bis zum Beginn der neuen Badesaison 2013.

Literatur

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Eine Reise zu den außergewöhnlichsten Bädern in Mitteleuropa
Zusammen mit der Fotografin Monika Schuller hat Architekturhistorikerin und -autorin über 120 Thermal- und Hallenbäder besucht. Dabei handelt es sich sowohl um erhalten gebliebene Anlagen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert als auch neu gestaltete Schwimmbäder und Thermen, die fundiert und informativ in diesem Bäderreiseführer beschrieben werden.

192 Seiten, 16,5 x 21 cm
Durchgehend vierfarbig
Gebunden mit Schutzumschlag, € 25,-
ISBN: 978-3-99300-051-6

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