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© (4) Kahler, Sailer, Singer
Les Abeilles in Sablet: ein Treffpunkt für Gourmets.

Johannes und Marlies Sailer, Inhaber des Restaurants „Les Abeilles“.

Die mechanischen Pressen der alten Ölmühle in Baume de Venise.

Idylle am Abend: Gasse in der Altstadt von Vaison-la-Romaine.

 
Leben 27. August 2012

Impressionen aus der Provence

Es gibt viele Arten, sich der Provence zu nähern. Am besten fängt man an einer Ecke an.

Sablet, Baume de Venise, Vaison-la-Romaine: drei Orte, an denen die Annäherung an die Provence, ganz unkompliziert, auf kulinarische Art und Weise glückt.

Der Weg nach Sablet führt durch den fruchtbaren Landstrich entlang der Rhone und ist gesäumt von Obstplantagen und Gemüsefeldern – und natürlich den Côte du Rhone-Lagen, deren Rebstöcke geduckt auf den lemig-kalkhaltigen, teils auch steinigen Böden wachsen. Für geräuschvollen Empfang und Begleitung in südfranzösischen Gefilden sorgen während des Sommers die Zikaden, ohne ihr Zirpen würde dem Midi etwas Wesentliches fehlen. Mächtige Hecken mindern die Wucht des Mistral, der hier oft tagelang ungestüm wütet, doch den nieder gezogenen Weinstöcken kaum etwas anhaben kann. Die bedeutenden Weinanbaugebiete von Chateauneuf-du-Pape sind nicht weit entfernt, die Orte Gigondas und Vacqueras, die zu den Côte du Rhone Villages mit Namensbezeichnung gehören, ebenso.

Besuch beim Meister

Seit über dreißig Jahren leben Marlies und Johannes Sailer schon im Süden Frankreichs. In Sablet, zwischen Carpentras und Vaison-la-Romaine gelegen, haben sie mit ihrem Restaurant „Les Abeilles“ einen Treffpunkt für Gourmets aus der Region und Gäste aus dem Ausland geschaffen. Wer will, kann auch länger als nur zu einem feinen Essen bleiben, für Gäste stehen fünf angenehme Zimmer zur Verfügung. Stilvoll gespeist wird im Sommer – und falls der Mistral nicht zu sehr wütet – im Gastgarten, der von drei über hundertjährigen Platanen beschattet wird.

Ein Blick in die Karte verrät bereits, dass nur regionale Produkte bester Qualität ihren Weg in die Küche finden. Authentisch und unverfälscht bereitet Küchenchef Johannes Sailer aus dem saisonalen Angebot an Fisch, Fleisch und Gemüse, exzellente Gerichte. Als Avant Propos, also Vorspeise, sei stellvertretend die Gänseleber mit Toast und einem selbst gemachten Rosen-Pfeffer Sorbet erwähnt. Beim Blick in die Karte fällt die Wahl oft schwer: Soll man den vom Chef des Hauses empfohlenen Heilbutt wählen, oder vielleicht doch Daube provençale, also Perlhuhn? Auch das famose Gigot d`Agneau, die Lammkeule, sollte man versuchen. Auf den Punkt gegarte, bissfeste Karotten oder Fisolen, die nichts von ihrer Frische und ihrem Geschmack verloren haben, runden den mehr als erfreulichen Eindruck ab. Als Dessert gibt der Patron Baba au Rhum den Vorzug: Kleine, mit erstklassigem alten Rum getränkte Hefekuchen werden mit Schlagobers, geziert von einer Vanilleschote, gereicht.

Aber auch die Käseauswahl lässt nichts zu wünschen übrig, vertreten sind Ziegenrohmilchsorten aus der Region, aber natürlich auch eine Auswahl überregionaler Sorten, wie es der reichen französischen Käse-Tradition gebührt.

Zudem bietet die Weinkarte einen qualitativ eindrucksvollen Querschnitt des Angebots namhafter Domänen aus der näheren Umgebung Sablets. Wahlweise bilden selbst hergestelltes Gefrorenes und Sorbets den krönenden Abschluss. Da lohnt es, mehr als nur einen Tag zu bleiben und sich von Marlies und Johannes Sailer verwöhnen zu lassen. Das hohe Niveau, auf dem hier – übrigens preislich durchaus leistbar – gekocht wird, hat 2012 der Gault Millau mit zwei Hauben und der Guide Michelin mit zwei Gabeln erneut gewürdigt.

Öl aus der Mühle

Hält man bei seinen Streifzügen durch das Umland die Augen offen, so fallen immer wieder kleine Schilder am Straßenrand auf, die auf den Verkauf von Olivenöl hinweisen. Nichts spricht dagegen, eine Desgustationspause einzulegen. Jedes dieser rein mechanisch, nativen kalt gepressten Öle hat seinen eigenen, unverkennbaren Charakter. Für die Qualität und Güte bürgt zudem die AOC-Auszeichnung. Sie garantiert, dass nur Oliven aus der unmittelbaren Region Verwendung finden. Der Geschmack des Öls ändert sich mit zunehmender Reife: Einige Sorten aus der Ölmühle „La Balméenne“ in Baume de Venise haben jung, einen Geschmack nach Artischocken, mit zunehmender Reife wird dieser Geschmack intensiver und erinnert an Trockenfrüchte.

Im Geschäft der Kooperative, mit der historischen Ölmühle, werden auch Seifen aus Manufakturproduktion und eine Reihe unterschiedlicher Putz- und Pflegemitteln auf Olivenöl- oder Lavendelölbasis angeboten. Auf die Frage, ob das „Eau de Toilette au Lavande“ nun eher für Damen oder Herren geeignet wäre, zögerten zwei hilfreiche Damen nicht lange: „Natürlich für Herren“ lautete die prompte Antwort, „denn die schätzen die herbe Note des Lavendel.“ Und das schätzen wohl auch die Damen an den Herren.

Zum Markt nach Vaison-la-Romaine

Näher als Carpentras ist von Sablet aus, an der Ouvèze gelegen, das Städtchen Vaison-la-Romaine. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine einstmals bedeutende römische Siedlung. Das belegen auch die zahlreichen Ausgrabungen eindrucksvoll. Davon kündet die römische Brücke, die über die Ouvèze führend, Alt- und Neustadt miteinander verbindet.

Am Dienstag ist Markttag und damit einer der Höhepunkte der Woche, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Allerdings ist es ratsam, schon früh auf den Beinen zu sein, denn der Andrang ist enorm. Der Markttag ist ein Fest für alle Sinne und eines für Genießer, steht er doch ganz im Zeichen regionaler Produkte. Saisonales Obst und Gemüse erfreut ebenso durch seine Frische wie auch Fisch und Fleisch. Es duftet nach Safran beim Zubereiten der auch im Süden Frankreichs geschätzten Paella. Würste aus dem Ardèche-Gebiet, Wildschweinschinken, Ziegenkäse aus regionaler Produktion in unterschiedlichen Reifegraden, eingelegte Oliven und Olivenöl sorgen für Abwechslung beim Schlendern über den Markt.

Zur Stärkung sei ein Besuch der Boulangerie Artisanal links am Eck der Place Monfort empfohlen. Dort kann man sich mit einem pain au raisin oder auch köstlichen Croissants stärken. Von der Fülle der unterschiedlichen Brotsorten gar nicht zu reden. Der ältere Teil von Vaison-la-Romaine, mit seinen malerischen Häusern und der Burg, thront hoch über der Neustadt. Ein Besuch der Altstadt ist nur früh morgens oder gegen Abend empfehlenswert, wenn die Besucherscharen entweder noch nicht munter sind oder gerade beim Abendessen sitzen. Dann hat man die engen Gassen in aller Stille ganz für sich.

Welchen Preis man dafür zu zahlen hat, wollte man ganzjährig hier wohnen, zeigen die Angebote der Immobilienmakler in der Neustadt. Deutlich weniger kostspielig ist es hingegen wieder zu kommen, um die Entdeckungsreise in der näheren Umgebung fort zu setzen.

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