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© Panerai (3)
Arbeiten an den Stahlspanten im Schiffsrumpf.

Die Eilean unter vollen Segeln auf dem Weg über den Atlantik.

Nur mehr bedingt zum Manövrieren tauglich: Der verwitterte Kompass.

 
Leben 27. August 2012

Auf großer Fahrt

Lange war ihr Schicksal ungewiss, jetzt startet die Eilean wieder in die Klassik-Regatta-Saison.

Klassische Segelyachten, an deren Linienführung oftmals sogar ablesbar ist, von welcher Werft sie gebaut wurden, üben eine besondere Faszination aus. Im Fall der Eilean, einer klassischen Bermuda Ketsch, zeichnete William Fife III aus der Bootsbauerdynastie Five, zusammen mit seinem Neffen Robert Baldeton Five, für den Entwurf und die technisch anspruchsvolle Ausführung des eleganten Zweimasters verantwortlich. Kurz nach Ende des II. Weltkrieges, William Five III war 1944 verstorben, schloss die legendäre Werft im schottischen Fairlie für immer ihre Pforten. Fives unverwechselbarer Stil ist nicht nur an der klassischen Linienführung des Rumpfes, sondern in jedem Detail der Eilean erkennbar: Am Bug trägt sie als sichtbare Signatur ihres Erbauers zudem einen stilisierten Drachen. Ursprünglich nicht als Regatta-Yacht konzipiert, sondern als Ocean Cruiser, ging sie über 50 Mal auf große Fahrt.

Nach ihrem Stapellauf hatte die Eilean mehrere Eigner, bis sie in den 1970er-Jahren der Architekt John Shearer erwarb. Zunächst lag sie in St. Thomas, dann in Antigua vor Anker. Shearer wohnte an Bord und vercharterte das Schiff für Fahrten von Insel zu Insel. Insgesamt 14-mal segelte er die Eilean von der Karibik über den Atlantik nach Europa und wieder retour.

Das karibische Klima setzte Boot und Eigner allerdings schwer zu, die notwendigen Maßnahmen zur Instandhaltung überstiegen bald technisch wie finanziell die Möglichkeiten Shearers. Über 20 Jahre hatte er Zeit und Energie in die 22 Meter lange klassische Bermuda Ketsch investiert, aber das feuchtwarme tropische Klima machte vieles davon immer wieder zunichte.

Im Lauf der Jahre hatten zudem Termiten die Innenausstattung nahezu vollständig zerstört. Damit nicht genug hatte die Eilean bei ihrer letzten Atlantiküberquerung einen Mastbruch erlitten und musste die Heimreise mit nur einem Mast antreten. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie ein für ein Segelschiff biblisches Alter erreicht. 1937, im Jahr ihres Stapellaufs, als sie von Lloyds klassifiziert wurde, hatte man ihr eine Seetüchtigkeit von 18 Jahren garantiert. 2006 war davon nicht mehr allzu viel übrig.

Fast wäre dies das traurige Ende dieses eleganten Zweimasters gewesen, hätte nicht Angelo Bonati, CEO der Uhrenmanufaktur Officine Panerai und ein Team passionierter Liebhaber alter Yachten dafür gesorgt, dass die Eilean durch eine Komplettrestaurierung wieder segel- und hochseetauglich wurde.

Rettung in letzter Minute

Angelo Bonati, selbst passionierter Segler, flog 2006 mit einem kleinen Team von Spezialisten nach Antigua, um sich an Ort und Stelle ein Bild vom Zustand der einst stolzen Bermuda Ketsch zu machen. Ein erster Blick auf die mittlerweile als Wohnschiff genutzte wertvolle Ketsch ließ den Entschluss zur Rettung reifen. Nachdem sich Angelo Bonati und John Shearer geeinigt hatten und die Eilean offiziell in den Besitz von Officine Panerai übergegangen war, musste das Problem des Transports nach Europa geklärt werden. Denn aus eigener Kraft hätte sie dies, obwohl noch schwimmfähig, nicht mehr geschafft.

Die Überquerung des Atlantiks erfolgte diesmal im Container und endete in Viareggio, wo die Werft Del Carlo 2007 mit der umfassenden Restaurierung betraut wurde. Für das auf Vintage-Yachten spezialisierte Unternehmen bedeutete dies eine ungeheure Aufgabe. Die Bestandsaufnahme durch Projektleiter Enrico Zaccagni, der sich der Rettung historischer Holzboote verschrieben hat, zeigte schon bald, dass das tropische Klima der Eilean ganz und gar nicht zuträglich gewesen war. Die Eisenspanten im Teakholz beplankten Rumpf waren korrodiert und mussten ersetzt werden, um Stabilität auch auf hoher See zu gewährleisten. Ebenso hohen Aufwand erforderte die Restaurierung des Teakholzrumpfs, des Decks, der Aufbauten und die weitgehende Rekonstruktion des Interieurs. Soweit möglich, wurden die vorhandenen Bestandteile gereinigt und konserviert, manches musste dennoch ersetzt werden.

Um die notwendigen Restaurierungsmaßnahmen vornehmen zu können, musste das wertvolle Boot nahezu vollständig in seine Einzelteile zerlegt werden. Nur so konnte sich Zaccagni und sein Team einen genauen Überblick über den tatsächlichen Zustand verschaffen. Die bereits beim Bau gewählte Komposit-Bauweise, also Stahlspanten statt der ursprünglich verwendeten Eisenspanten für den Rumpf, kombiniert mit einer Teakholz-Beplankung wurde, ganz im Sinne des Erbauers William Fife III, beibehalten.

Vieles musste in Handarbeit an Ort und Stelle angepasst werden, aber Enrico Zaccagni konnte in diesem Fall auf die Erfahrung und das handwerkliche Geschick der Mitglieder seines Restaurierungs-Teams vertrauen. Einen zeitgemäßen Kompromiss ging man allerdings ein: Statt eines Dieselaggregats sorgen bei Flaute nun zwei Dieselmotoren für genügend Fahrt.

Star der Klassik-Regatta-Saison

Im März 2012 eröffnete die im Auftrag von Panerai restaurierte Bermuda Ketsch Eilean nun in alter Schönheit die Klassik-Regatta-Saison. So kehrte sie erstmals im Rahmen der Antigua Classic Yacht Regatta, der ersten Etappe der Panerai Classic Yachts Challenge 2012 an jenen Ort zurück, an dem sie vor fünf Jahren vor dem sicheren Verfall gerettet wurde. Nach der Antigua Classic Yacht Regatta kam die Panerai Classic Yachts Challenge 2012 und mit ihr die Eilean traditionsgemäß wieder nach Europa. Dort findet der Mediterranean Circuit von Juni bis Ende September mit Rennen in Antibes, Porto Santo Stefano, Mahon/Menorca, Imperia und Cannes statt. Im August und September ist die Eilean zu Gast an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Hier wird der North American Circuit mit elitären Regatten in Marblehead, Nantucket und Newport veranstaltet. Im Rahmen der Segelwettbewerbe der Olympischen Spielen 2012 an der englischen Kanalküste waren historische Yachten wie die Eilean dank der Panerai British Classic Week vom 7. bis 14. Juli ebenfalls zu sehen. Die Regatta vor der Isle of Wight bildet traditionell den Abschluss der internationalen Panerai Classic Yachts Challenge. Somit bietet sich dieses Jahr mehr als nur einmal die Gelegenheit, eine der schönsten Segelyachten aus den 1930er-Jahren in ihrem Element zu erleben. „Wenn es schön ist, ist es richtig“, mit diesen Worten hat ihr Erbauer William Fife III vor 75 Jahren kurz und bündig sein Werk charakterisiert. Wer die Eilean einmal segeln gesehen hat, kann dem eigentlich nur voll und ganz zustimmen.

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