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Leben 23. August 2012

Die Basisleistungen und das gewisse Extra

Neben der medizinischen Grundversorgung kann jeder Patient seinen Status im Gesundheitssystem ein wenig upgraden.

Die Diskussion, ob es in Österreich eine Zwei-, Drei- oder Mehrklassenmedizin gibt, erübrigt sich, wenn man sich näher mit der Spezies Mensch auseinandersetzt: Alle Patienten werden gleichbehandelt und einige eben etwas gleicher. Das liegt u. a. auch an persönlichen Kontakten. Denn wer das Glück hat, einen Arzt in der Verwandtschaft oder im Freundeskreis zu haben, der kommt früher dran oder bekommt ein ausführliches Arztgespräch plus einen Schnaps dazu. Manche sorgen für die Zukunft vor und züchten sich eigene Ärzteclans, indem sie den Nachwuchs durch das Medizinstudium schleifen.

Sollte man sozial nicht so mit Medizinern gesegnet sein, so kann man sich auch mit etwas Bargeld Freundlichkeit erkaufen. Oder man ist ordentlich privat versichert. Die anderen müssen nehmen, was kommt, je nachdem bei welcher der gefühlten 200 Krankenversicherungen, die es in unserem großen Land gibt, sie versichert sind. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, denn nicht nur im Gesundheitswesen gibt es Basisleistungen, die man mit einer Aufzahlung upgraden kann. Vielleicht gibt es sogar zu wenige Upgrade-Möglichkeiten. Es wäre zumindest einmal anzudenken, das Angebot zu erweitern, um die maroden Kassen etwas aus der finanziellen Krise zu helfen. Denn die Welt ist voll mit Aufzahlungsmöglichkeiten. Mittlerweile kann man nicht einmal in einer Tankstelle das stille Örtchen aufsuchen, ohne sich mit 50 Cent körperliche Erleichterung verschaffen zu dürfen; oder man fliegt in ein fernes Land, Essen, Trinken und eine eigene Sauerstoffmaske erhält man nur in der Businessclass; man kann ins Theater gehen, der Vorhang geht aber nur auf, wenn man aufzahlt. All dies sind gelebte Sparmaßnahmen, die den Unternehmen das Überleben sichern.

Und so könnte man auch im Spital die normale Basisversorgung mit einem finanziellen Obolus auf ein besseres Betreuungsniveau heben. Die Patienten dürften sich dann freiwillig und selbstbestimmt, wie sie es immer fordern, für ein Upgrade entscheiden. Was bei Zahnärzten schon etabliert ist, sich gegen Bares eine Schmerzinjektion verabreichen zu lassen, sollte sich langsam auch bei den Krankenstationen herumsprechen. Im Basispaket ist nur das Liegen im Krankenbett enthalten inkludiert mit einem Heißgetränk täglich und ein Arztbesuch pro Woche. Der Rest gilt als Sonderleistung und muss extra bezahlt werden. So werden es sich die Patienten dreimal überlegen, ob sie tatsächlich eine Leibschüssel brauchen oder sich das Geld für die Vollnarkose bei der Operation sparen wollen. – Die Marktwirtschaft ist im Krankenzimmer angelangt, das Gesundheitssystem wird rasch wieder genesen – im Gegensatz zu den Patienten ... 

Dr. Ronny Tekal-Teutscher , Ärzte Woche 34/2012

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