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Schafgarbe schmeckt bitter, der Neandertaler hat sie sicher nicht wegen des guten Geschmacks verzehrt. Vermutlich kannte er die heilende Wirkung.
 
Leben 22. Juli 2012

Schon Neandertaler kurierten sich mit Heilpflanzen

Forscher fanden pflanzliche Arzneistoffreste in 50.000 Jahre altem Zahnstein.

 

Die Neandertaler kannten und nutzten möglicherweise bereits die Heilkraft der Natur: Sie verzehrten bittere Heilpflanzen, um Krankheiten zu kurieren oder ihnen vorzubeugen. Zu dieser These kam ein internationales Forscherteam, als es 50.000 Jahre alte Nahrungsreste an den Zähnen von fünf Neandertalern untersuchte. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin "Naturwissenschaften" publiziert.

Schafgarbe und Kamille 

Eingelagert im Zahnstein fanden sich Bestandteile von Stärkekörnern und anderen Pflanzenmaterialien, aber auch Arzneistoffe aus Heilpflanzen wie Schafgarbe und Kamille. Das sei überraschend, denn diese Pflanzen seien nicht sonderlich nahrhaft und schmeckten zudem noch bitter.

Die Neandertaler hätten sie daher vermutlich deshalb gegessen, weil sie die heilende Wirkung solcher Medizinpflanzen bereits kannten, berichten die Forscher. "Die Neandertaler ernährten sich offensichtlich weitaus vielseitiger und komplexer als bisher angenommen", sagt Erstautorin Karen Hardy von der Autonomen Universität Barcelona in Spanien.

Wenig Fleisch 

Für ihre Studie hatten die Forscher zehn Zahnsteinproben von fünf Neandertalern analysiert. Die etwa 47.000 bis 50.600 Jahre alten Relikte waren in der El Sidron-Höhle im Norden Spaniens gefunden worden. In allen Zahnsteinproben fanden die Wissenschafter verschiedene Stärke-Körnchen, die mit Feuer geröstet und so verdaulich gemacht worden waren, sowie Reste von Nüssen, Gräsern und Gemüse. Proteine und Fleischreste fanden sich kaum.

Das deute darauf hin, dass die Neandertaler in dieser Region und zu dieser Zeit eher wenig Fleisch und dafür eine relativ vielseitige Pflanzennahrung zu sich nahmen. Nach Ansicht der Forscher wählten sie Pflanzen bereits gezielt nach ihrem Nährwert oder aber zu medizinischen Zwecken aus.

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