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Foto: Amir Kaljikovic-fotolia.com
Fernbedienungen aber auch andere Gegenstände in Hotelzimmern werden nicht immer vom Reinigungspersonal berücksichtigt.
 
Leben 4. Juli 2012

Fernbedienung in Hotels ist Paradies für Krankheitserreger

Laut einer Studie hält kein Zimmer normalen Standards stand.

Die TV-Fernbedienung sowie der Ausschaltknopf der Nachttischlampen gehören zu den Stellen in Hotelzimmern, an denen sich Keime am leichtesten einnisten. Das berichten US-Forscher auf dem Jahrestreffen der American Society for Microbiology in San Francisco.

 

Die Wissenschafter haben verschiedenste Flächen von Hotelzimmern aus drei Bundesstaaten der USA auf Keime überprüft. Laut dem deutschen Hygieneexperten und Hoteltester Horst Veith soll so gut wie kein Hotel den normalen Hygienestandards entsprochen haben. „Das Zimmerpersonal reinigt in acht Arbeitsstunden 14 bis 16 Räume, wobei 30 Minuten pro Hotelzimmer bleiben“, schildert Studienautorin Katie Kirsch von der University of Houston die Ausgangslage. Es sei nützlich, jene Gegenstände in den Zimmern zu kennen, die man nicht übersehen und in Putzplänen berücksichtigen sollte, argumentiert die Forscherin.Das Problem dabei: Standardisierungen fehlen in der Hotelreinigung noch weitgehend, und zur Beurteilung der Sauberkeit achtet man auf sauberes Aussehen statt auf Hygiene.

Das Team um Kirsch verglich die Zahl aerober und Fäkalbakterien an 19 kritischen Stellen in Hotelzimmern. Überraschend sauber waren die Kopfenden von Betten oder die Türklinke des Badezimmers, während übliche Verdächtige wie Waschbecken und Toilette, jedoch auch TV-Fernbedienung und der Lichtknopf der Nachttischlampe schlecht abschnitten. Als Bakterienschleuder erwiesen sich aber auch Schwämme und Lappen, die per Putzwagen von Zimmer zu Zimmer reisen und dabei Erreger übertragen könnten, warnen die Forscher.

Knappe Reinigungszeit

„Die Zimmerreinigung konzentriert sich meist auf Bad und Toilette. Was vernachlässigt wird, sind vor allem die Textilien“, erklärt Veith. Teppichböden und Fußvorleger gehören etwa dazu, die statt gereinigt nur gesaugt werden, Matratzen als Hausstaubmilben-Paradiese sowie besonders auch Tagesdecken und Sofas: Sie kommen ständig mit Straßenkleidung, Schuhen und Reisegepäck in Kontakt, werden jedoch nicht gewaschen.

Statt ihre Rückstände aufzuholen, verschlechtert sich die Hotelhygiene eher, so die Wahrnehmug Veiths. „Hotels lagern die Reinigung zunehmend an Zeitpersonal aus. In den zwölf Minuten pro Zimmer, die oft nur noch bleiben, ist eine hygienisch einwandfreie Reinigung unmöglich.“ Das Problem dabei: Die Ansprüche der Gäste sind hoch. „Zwar reklamiert niemand, wenn sich etwa die Knöpfe der Fernbedienung klebrig anfühlen. Doch man sucht beim nächsten Mal ein anderes Hotel“, sagt der Experte. Nachhaltig sei es deshalb, hygienisch mehr als üblich zu bieten – wozu etwa Hygienebeauftragte einen Beitrag liefern könnten.

 

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