zur Navigation zum Inhalt
Foto: A. Ginzel
Prof. Dr. Herbert Pietschmann war Vorstand des Instituts für theoretische Physik, Uni Wien
 
Leben 3. Juli 2012

Nachgefragt

Herr Professor, wie könnte die Pharmaindustrie ihren schlechten Ruf in der Öffentlichkeit verbessern?

Es ist noch gar nicht so lange her, dass neue Entwicklungen der Pharmaindustrie begrüßt und geschätzt wurden, denken wir nur an die Einführung des Penicillins. Ich war neulich in Hamburg, bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass in der Stadt die letzte große Choleraepidemie gewütet hatte, die Verhältnisse müssen zum Erbarmen gewesen sein. Damals wurde die Pharmaindustrie mit offenen Armen empfangen, ja, man sprach gar von den „Segnungen der Pharmaindustrie“, was heute keiner mehr machen würde. Heute haben viele Menschen das Gefühl – ob zu Recht oder nicht, das möchte ich gar nicht abschätzen – dass die Pharmaindustrie doch sehr auf den eigenen Gewinn schaut. Gewinn machen ist noch nicht von Übel, denn ohne den könnten uns keine Medikamente zur Verfügung gestellt werden. Es ist nur das rechte Maß, das offenbar verloren gegangen ist, und nicht nur in der Pharmaindustrie, sondern überhaupt in unserer Wohlstandsgesellschaft. Bei der Pharmaindustrie erscheint das bloß besonders offenkundig. Was sie tun könnte, um ihren Ruf zu verbessern, ist schwer zu sagen, denn wir haben ja alle noch kein Rezept gefunden , wie wir aus der „Wohlstandsfalle“, wie ich sie nennen möchte, wieder herauskommen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben