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Leben 21. Juni 2012

Freizeit

In der warmen Jahreszeit haben auch Ärzte unter ihren Kitteln weniger an.

Lacht die Sonne und frohlocken die freundlichen Temperaturen zum draußen flanieren, so räumen selbst die passionierten Autofahrer unter den Krankenhausangestellten die Fahrräder, Inlineskates und Tretroller aus den Kellern, um sich mit Kraft ihrer eigenen Muskeln fortzubewegen. Natürlich gibt es auch jene Mediziner, die selbst im Winter bei gefühlten minus 42o Celsius im Laufdress oder gelben Radtrikot verschwitzt, aber dadurch umso intensiver das schlechte Gewissen der faulen Kollegen schürend, das Krankenhaus betreten. Diese Gruppierung ist jedoch gesondert zu behandeln und eher der Disziplin der Sportpsychopathologie zuzuordnen.

Nun, da es ein vermehrtes Aufkommen einer nicht motorisierten Belegschaft gibt, existieren zwar mehr verfügbare Parkplätze, die Mountainbikes und Rennräder stapeln sich jedoch auf den abgestellten Rollatoren und fahrbaren Sitzgelegenheiten unserer Patienten. Das „Arzt im Dienst“-Schild lässig um den Sattel gehängt blockiert das Sportgerät den Haupteingang.

Die Sportkluft bleibt an, rasch wird dann noch der weiße Mantel umgehängt und so mancher Patient ist beim Anblick bloßer Waden geneigt, den Arzt des Vertrauens nackt unter seinem Kittel zu vermuten. Das ist an sich nichts Schlimmes und untergräbt die ärztliche Autorität nur ein ganz klein wenig. Übertreiben sollte man es allerdings auch nicht. Und auch wenn die Angst vor Diebstahl zum Mitnehmen des Drahtesels auf die Abteilung verlockt, sollte dies tunlichst unterlassen werden. Denn wenn das teure Rennrad während der Visite geschultert und auf das Patientenbett gelegt wird, kann das mitunter als Respektlosigkeit gewertet werden.

Viele Ärzte lieben ihr Fahrrad mit dem geilen Carbon-Rahmen und den erotischen Scheibenbremsen jedoch mehr, als ihr Augenlicht und können sich gar nicht trennen. Daher sollte für Notfälle ein eigener Sterilisator für das Bike bereitstehen, damit es auch in den Operationssaal mitgenommen werden kann.

Freizeitlook vermittelt im Krankenhaus aber auch eine gewisse Sicherheit. Es kann beruhigend für die Patienten sein, dass die Ärzte beim Anblick der Befunde nicht in Panik geraten, sondern höchst relaxt an die Sache rangehen, kleine Witzchen reißen und ein Oberarzt auch mal aus dem Fenster blickt. Was die Patienten zum Glück nicht wissen ist, dass sein Blick stets auf den Windsack am Hubschrauberlandeplatz gerichtet ist, um den besten Zeitpunkt zum Kite-Surfen zu eruieren. Auch die Gedanken der Physiotherapeuten sind längst nicht mehr beim Bewegungsapparat. Zumindest nicht bei dem der Patienten.

Steigt das Thermometer über 30o Celsius und strahlt der blaue Himmel in die weißen Krankenzimmer, so werden gerne mal Behandlungen vertagt und die Wichtigkeit der unbedingt notwendigen Befunde herabgestuft. So möge noch einmal einer behaupten, dass das Wetter nicht unsere Gesundheit mitbestimmt.

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