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Foto: A. Ginzel
Prof. Dr. Herbert Pietschmann war Vorstand des Instituts für theoretische Physik, Uni Wien
 
Leben 21. Juni 2012

Nachgefragt: Zukunft?

Herr Professor, was wissen wir über die Zukunft?

Wie lange etwa ein Gebäude Wind und Wetter standhalten wird, das können wir ziemlich genau sagen. Daher vermochten unsere Vorfahren auch Gebäude zu errichten, die mehrere Jahrtausende gehalten haben, denken wir nur an die ägyptischen Pyramiden. Nicht wissen konnten die Menschen allerdings, wie lange ihre Mythologie halten wird. Es gibt also Bereiche, wo man die Zukunft vorhersehen kann, und andere Bereiche, etwa die menschliche Gesellschaft, wo das unmöglich ist. Und wie die Chaostheorie sagt, lässt sich selbst innerhalb der einfachsten Phänomene die Zukunft nicht fortschreiben. Ein einfaches Beispiel: Die Bewegung eines einfachen Pendels lässt sich ziemlich exakt vorhersagen, sieht man einmal von den Reibungsverlusten ab. Hängt man allerdings an dieses Pendel ein zweites, ändert also gar nicht so viel, lässt sich die Bewegung dieses Systems selbst für die nächste Sekunde schon nicht mehr vorhersehen. Es ist dann chaotisch, wie man sagt. Nun hat ein solch großes System wie die Welt in jedem Fall chaotische Aspekte, das heißt, eine Vorhersage ist nicht möglich. Warum wird sie trotzdem gemacht? Um uns zu beruhigen. Trotz aller mathematischen Modelle hat niemand den Finanzcrash vor einiger Zeit vorhergesehen. Die Experten sagen nun, ja, wir haben dies und jenes übersehen, wenn wir das korrigieren, werden wir wieder richtige Vorhersagen machen können. Ein chaotisches System lässt aber gerade das nicht zu!

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