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Fotos: Gerry Rohrmoser/Therme Wien
Beliebt und im Leistungsspektrum enthalten: Akupunktur.

Das Zentrum für Integrative Medizin in der Therme Wien: Prävention und Prophylaxe werden in Zukunft verstärkt angeboten.

 

 

 

 Dr. Gerhard Hubmann, Leiter des Zentrums für Integrative Medizin.

 
Leben 21. Juni 2012

Zentrum für Integrative Medizin

Die Therme Wien Med bietet seit August 2011 ganzheitliche Diagnostik und Therapie an. Wir sprachen mit Dr. Gerhard Hubmann, Koordinator und Leiter des Zentrums.

Integrative Medizin – welche Leistungen bietet das neue Zentrum an?

Hubmann: An Leistungen bieten wir die Traditionelle Chinesische Medizin, homöopathische Behandlungen, Neuraltherapie, Moderne F. X. Mayer Medizin, Applied Kinesiology, orthomolekulare und immunologische Therapien, Manuelle Medizin, Osteopathie, Phytotherapie und komplementäre Onkologie an. – Ich fungiere als Gatekeeper, mache die Erstgespräche und lote aus, um welches Krankheitsbild es sich handeln könnte. Wir arbeiten im Team: Meine Kollegen Dr. Aiga Straudi, Dr. Gerda Prinz, Dr. Werner Klöpfer und Doz. Dr. Peter Hollaus, MA, übernehmen – je nach Therapieausrichtung – die weiterführende Betreuung.

 

Welche Patienten kommen ins Zentrum?

Hubmann: Patienten mit chronischen Erkrankungen aller Art: Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats, des Magen-Darm-Traktes, des Herz-Kreislauf-Systems, Störungen des Stoffwechsels, Über- und Untergewicht, gesteigerte Infektanfälligkeit, körperliche Störungen infolge von Stress, Burnout Syndrom, Schlafstörungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Hauterkrankungen, Migräne und Kopfschmerzen, Krebserkrankungen. Das breite Spektrum der chronischen Erkrankungen ist eine Domäne der Komplementärmedizin.

 

Welchen Stellenwert hat Komplementärmedizin heute?

Hubmann: Die Komplementärmedizin erweitert die naturwissenschaftliche Medizin um einen pluralistischen, ganzheitlichen Ansatz. Wichtig ist die Selbstheilungsfähigkeit des Menschen. Komplementärmedizinische Strategien versuchen, in Richtung Salutogenese zu gehen: Arzt und Patient finden gemeinsam den Weg zur Gesunderhaltung bzw. Heilung.

 

Welche medizinischen Leistungen möchten Sie in Zukunft zusätzlich anbieten?

Hubmann: Wir wollen im Zentrum für Integrative Medizin in der Therme Wien Med in Zukunft den Präventions- und Prophylaxegedanken verstärkt in unser Zentrum einbauen, das heißt, wir bieten ab sofort erweiterte, ganzheitsmedizinisch orientierte Vorsorgeuntersuchungen an.

 

Wie kommt die Information an Ärzte und Patienten? Wie kommunizieren Sie Ihr Angebot?

Hubmann: Derzeit läuft die Information über elektronische Medien – wir richten gerade ein Gesundheitsportal ein –, über Printmedien, aber auch über Vorträge: Wir bieten in der Therme Wien Med Informationsabende für interessiertes medizinisches Fachpublikum und Patienten an.

Viel läuft auch über die Wiener Akademie für Ganzheitsmedizin (Gamed): Das Zentrum für Integrative Medizin wird von der Gamed wissenschaftlich betreut. Die Gamed wurde in diesem Zusammenhang zu einem Forschungsverein umstrukturiert.

Unsere Arbeit wird hinsichtlich der Effektivität ihrer Methoden und ihres gesundheitsökonomischen Potentials evaluiert. Ich leite ein Pilotprojekt, das über fünf Jahre anberaumt wurde, welche den Benefit unserer Behandlungsmethoden bei chronisch Kranken auswerten soll. Die Frage ist, inwiefern können wir mit Prävention und Prophylaxe das Gesundheitssystem unterstützen? Das gesundheitsökonomische Potential der Integrativmedizin ist bislang weitgehend unerforscht.

 

Müssen die Patienten die Leistungen des Zentrums selbst bezahlen?

Ja, unsere Leistungen sind Privatleistungen.

 

Wie ist der Zuspruch zum Zentrum für integrative Medizin?

Hubmann: Ich bin mit dem Zulauf zufrieden. Da unsere Patienten ihre Behandlungen selbst zahlen müssen, ist der Zustrom limitiert. Dennoch verzeichnen wir eine stetige Zunahme der Patientenfrequenz in dem Zentrum in der Therme Wien Med.

Was wünschen Sie sich für das Zentrum, für die Zukunft?

Hubmann: Ich wünsche mir, dass wir unseren Grundgedanken, gemeinsam mit dem Patienten den Behandlungsweg finden zu können, stärken können; dass wir die Akzeptanz der Integrativmedizin verbessern, mit unserer Arbeit und Forschung die Brücke zwischen integrativer und klassischer Schulmedizin stabiler werden lassen, und auch, dass wir einen wertvollen Beitrag ökonomischer Art leisten können. Wir streben in Zukunft die Akzeptanz seitens der Sozialversicherungen an: Chronisch Kranken möchten wir einen leistbaren Zugang zu integrativen Heilmethoden ermöglichen. – Im Moment herrscht in Österreich eine Zweiklassenmedizin: Viele können sich integrativmedizinische Betreuung nicht leisten.

Zusammenfassend, wir streben die Verbreitung einer ganzheitlichen Denkweise an: Weg vom Reparaturdenken – hin zu Erhaltung von Gesundheit und Wohlbefinden. Das alte Heilsystem, den klassisch-reparativen Ansatz, müssen wir verlassen; er wird uns zu teuer.

 

Das Gespräch führte R. Höhl.

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