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Leben 13. Juni 2012

Landesgericht Klagenfurt: Kein Kunstfehler bei Geburt

Freisprüche für Ärzte und Hebamme

Mit Freisprüchen vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen und jenem der Beweismittelfälschung hat am Dienstag ein Prozess am Landesgericht Klagenfurt gegen zwei Gynäkologen und eine Hebamme geendet. Die Staatsanwaltschaft hatte den Ärzten vorgeworfen, sie hätten die Behinderung eines Kindes zu verantworten, weil sie bei dessen Geburt im Sommer 2007 mit dem Kaiserschnitt zu lange zugewartet hätten. Außerdem hätten sie - damals Primar und Oberarzt des Spitals der Barmherzigen Brüder in St. Veit - mit der Hebamme im Nachhinein die Patientenakte manipuliert. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.


Die Angeklagten bekannten sich von Anfang an nicht schuldig. In punkto Körperverletzung wurden die Ärzte vom Sachverständigen entlastet. Klaus Vetter, ein renommierter Gynäkologe aus Berlin, stellte die Hypothese auf, dass schon Tage vor der Geburt ein nicht näher definierbarer "schicksalhafter" Vorfall die Schäden bei dem Kind verursacht hätte.

Früherer Kaiserschnitt?

Seine Auswertung der Testergebnisse aus den letzten zehn Tagen vor sowie während der Geburt legten den Schluss nahe, dass auch ein früherer Kaiserschnitt nichts an der Beeinträchtigung des Kindes geändert hätte. Auch sei ein Kaiserschnitt keineswegs zwingend gewesen: "Der Verlauf des CTG war zwar suspekt, es gab aber keinen Grund, eine bestimmte Situation zum Notfall zu erklären und einen Kaiserschnitt zu machen."

Laut Staatsanwalt Franz Simmerstatter verfälschten die Angeklagten nach einer Anfrage der Patientenanwaltschaft zu der schwierigen Geburt die Patientenakte der Frau. Eine zuvor vorgenommene Bewertung der CTG-Ergebnisse mit dem Wort "suspekt" sei abgeschwächt worden. Auch diesen Vorwurf wiesen die Angeklagten zurück. Die neue Bewertung mit einer Kennzahl bedeute dasselbe, so die Ärzte. Bei der Änderung handle es sich um eine "Objektivierung". Laut dem Gutachter war die neue Bewertung der CTG-Ergebnisse allerdings nicht gleichwertig, sondern eine Abschwächung. Mit der Veränderung der Krankenakte hatte das Krankenhaus 2009 die fristlose Entlassung des Primararztes begründet.

Unterschiedliche Fachmeinungen


Richter Uwe Dumpelnik sprach die Angeklagten auch von diesem Vorwurf frei. Verschiedene Gutachter hätten ein und dieselben CTG-Bögen höchst unterschiedlich bewertet. Einer sah sie als "pathologisch" an, ein anderer nannte sie "unauffällig", für einen dritten waren sie gar nicht aussagekräftig. Wenn selbst anerkannte Mediziner, die auch wissenschaftlich tätig seien, sich bei der Interpretation derart widersprächen, könne den Angeklagten daraus "kein sinnverändernder Fälschungsvorsatz" nachgewiesen werden. Der Staatsanwalt gab zu dem Urteil keine Erklärung ab.

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