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Foto: A. Ginzel
Prof. Dr. Herbert Pietschmann war Vorstand des Instituts für theoretische Physik, Uni Wien
 
Leben 9. Juni 2012

Nachgefragt – Psychologie als eigenes Fach?

Herr Professor, ist es in Ordnung, dass Psychologie als eigenständiges Fach abseits der Medizin gelehrt wird?

Es gehen ja bereits die Ansichten unter den Psychologen auseinander, was das Selbstverständnis ihres Fachs betrifft. Die einen betrachten Psychologie als Naturwissenschaft, andere als Geisteswissenschaft. Vor längerer Zeit saß ich als Vertreter der naturwissenschaftlichen Fakultät in einem Beratungsgremium für den Rektor, in dem es um Partnerschaften mit anderen Universitäten ging. Eine Zusammenarbeit mit dem Psychologie-Institut in Budapest kam nicht zustande, weil die Wiener Kollegen sagten: Wir können mit denen nicht reden, weil die sich als Geisteswissenschaftler verstehen, wir uns aber als Naturwissenschaftler. Das heißt, schon innerhalb der Psychologie gibt es Probleme, und die werden noch einmal größer, kommt die Transformation auf die Medizin hinzu.

Ich möchte das am Beispiel der Psychosomatik darstellen. Als es klar wurde, dass man ohne Psychosomatik keine vollständige Medizin betreiben kann, hat man eine eigene Lehrkanzel für Psychosomatik geschaffen. Ein Unsinn, denn Psychosomatik ist ja nicht ein Fach, sondern in allen Bereichen der Medizin anwendbar! Hier wurden wir ein Opfer unseres mechanistischen Denkens, speziell der Forderung von Descartes, alles in seine Teile zu zerlegen.

W. Müller, Ärzte Woche 23 /2012

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