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Leben 23. Mai 2012

Erlaubte Geschenkannahme im AKH

Im Wiener Allgemeinen Krankenhaus rauft die Belegschaft um geschenkte Konzertkarten des berühmten Patienten G. Michael.

Da möchte man seinen behandelnden Ärzten und dem Pflegepersonal etwas Gutes tun und man sät nur Zwietracht unter den Heilern. So geschehen im Rahmen der wunderbaren Genesung des Popstars George Michael (die „Nebenwirkungen“ berichteten ausführlich an dieser Stelle).

Anlässlich seiner von der Vorzeigeklinik des Landes bravourös geheilten Lungenentzündung wollte er der Belegschaft ein Ständchen bringen. Konkret verschenkte er dazu Karten für ein Konzert in Wien. So weit, so erfreulich für Menschen, die von „Last Christmas“ noch nicht genug haben. Doch es wäre nicht das AKH, wenn man nicht auch hier einen Streit vom Zaun brechen könnte. Es ist zwar nicht ungewöhnlich, dass die von einem Patienten dargebrachten schokoladehaltigen Opfergaben im Dienstzimmer kein langes Leben vor sich haben. Und dass sich vor allem Personen daran laben, die diesen Patienten kein einziges Mal zu Gesicht bekommen haben. Im konkreten Fall haben wir es jedoch mit einem Kapitalvergehen zu tun. Denn während der österreichische Durchschnittspatient seinem Haus-und-Hof-Doktor als Dank abgelaufene Pralinen, edle halbvolle Schnapsflaschen oder selbstgehäkelte Tupfer schenkt oder die Schwesternschaft mit einer Dreierpackung Mon Cherie zu bestechen versucht, so gibt sich der britische Musiker mit 1.000 Freikarten hier äußerst großzügig.

Doch bei der Kartenvergabe, so beklagt man, würde vom AKH höchst unfair vorgegangen. Und gerade das Fußvolk, das wochenlang an Herrn Michaels Bett ausgeharrt und Händchen gehalten, dem Barden selbst komponierte Schlaflieder vorgesungen und die Paparazzi mit gezückten Einlaufschläuchen verjagt hat, soll leer ausgehen. Die ärztliche Elite der Klinik erhält hingegen den Löwenanteil, darf sich sogar auf mehreren Plätzen ausgestreckt das Konzert liegend ansehen.

Hier stellt sich prinzipiell die Frage, wer das größte Stück Kuchen bekommen soll: Jene Menschen, die sich wirklich um den Patienten gekümmert haben, jene, die dafür gesorgt haben, dass so ein Promi ins AKH kommt oder jene, die vor allem gut ausschauen. Die Professoren berufen sich auf die neuesten evidenzbasierten Leitlinien, wonach Geschenke von Patienten zu mindestens 50 Prozent dem Abteilungsvorstand zustehen und der Rest nach einem ausgeklügelten System auf die Mannschaft aufgeteilt wird. Im Prinzip also „Business as Usual“ im AKH, nur ein wenig offensichtlicher, als bei der Verteilung diverser Klassegelder.

George Michael gilt meine Hochachtung, denn er hat in einem Lied die im Krankenhaus herrschende Gier schon vorausgesagt: „The greed of man will be far away from me“. Gut für ihn, dass er schon fort ist. Am Schönsten ist das AKH eben von weit, weit weg.

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