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© W. J. Jerjomenko 2005
Wie ein Ufo hoch über der Schwarzmeerküste, so erscheint das Sanatorium „Kurpaty“, das 1985 bei Jalta auf der Krim gebaut wurde.

Ökofimmel Alexander Neubacher 272 Seiten, € 19,99 ,– Deutsche Verlags-Anstalt ISBN 978-3421045492 In kaum einer Frage besteht so viel Einigkeit in der Bevölkerung: Alle sind für eine gesunde Umwelt, und (fast) alle sind bereit, dafür einen Anteil zu leisten. Doch bei allen guten Absichten – tun wir auch immer das Gute und Richtige? Das hinterfragt Alexander Neubacher in seinem neuen Buch Ökofimmel. Und er rüttelt nachhaltig an scheinbaren Gewissheiten. Die Energie-Sparlampe, die die alte Glühlampe abgelöst hat, braucht tatsächlich weniger Strom – enthält aber auch gefährliches Quecksilber. Bisphenol A ist schädlich! Sagen jedenfalls einige (selbsternannte) Experten. Also hat die Europäische Union diesen Stoff in Babyfläschchen und ähnlich sensiblen Produkten erst einmal verboten, „aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes“. Gut möglich, dass da ein Stoff zu Unrecht in Misskredit geraten ist, denn das Bundesinstitut für Risikobewertung in Deutschland konnte keine Gesundheitsgefährdung nachweisen. Umweltpolitik ist auch immer Gefühlspolitik, stellt der Autor und Spiegel-Journalist fest. Und plädiert dafür, gerade in diesem Bereich nicht die kühle Betrachtung zu kurz kommen zu lassen.

 
Leben 23. Mai 2012

Kurparadies am Schwarzen Meer

Wiener Ringturm: Ausstellung zur Architektur in der Ukraine.

Die Fußball-Europameisterschaft naht. Bald werden alle Augen auf die beiden Austragungsländer Polen und die Ukraine gerichtet sein. Einst gehörten Teile der heutigen Ukraine zur Donaumonarchie, und doch wissen wir sehr wenig über dieses Land. Abhilfe schaffen möchte nun eine Ausstellung im Wiener Ringturm.

Die Entfernung von Wien nach Vorarlberg ist größer als in die Ukraine. Dennoch ist dieses Land, flächenmäßig das größte auf dem Kontinent, für viele mehr oder weniger ein weißer Fleck auf der Landkarte. Weil es zu lange hinter dem Eisernen Vorhang lag. Und weil es erst seit 1991 ein eigenständiger Staat ist.

Im 19. Jahrhundert gehörte ein Teil der heutigen Ukraine zu Russland, der andere, nämlich Galizien, Bukowina und Londomerien, zur Donaumonarchie. Hier hatte der russische Zar das Sagen und herrschte noch Leibeigenschaft, dort ging es nach den Josephinischen Reformen sehr viel freier und gesitteter zu.

Die Hauptstadt des Kronlands Galizien war Lemberg. Die Ausstellung im Wiener Ringtum, die „eine architektonische Reise ans Ende des 19. Jahrhunderts“ unternimmt, zeigt, dass diese Stadt, was den architektonischen Stil betrifft, große Ähnlichkeit mit Wien aufweist. Hier wie dort dominierte erst der klassizistische Stil, der dann vom Jugendstil abgelöst wurde, wobei in Lemberg regionale Motive mit eingewoben wurden. Eine Pracht, die auch heute noch zu bewundern ist.

Im Süden des Landes, auf der Insel Krim, ein ganz anderes Bild: Prachtbauten, Schlösser, Villen. „In den frühkapitalistisch geprägten letzten Jahrzehnten des Zarenreichs hatten landschaftliche und klimatische Faktoren wie das Meer, die Luft und die Natur einen ausgeprägten Warencharakter. Folgerichtig erfuhr die Bautätigkeit im Bereich Fremdenverkehr und Erholung einen starken Impuls“, steht dazu im Ausstellungskatalog. Die Insel am Schwarzen Meer wurde als Kur- und Erholungsort entdeckt, wo sich vor allem die Reichen, unter anderem aber auch der Arzt und Autor Anton Tschechow, niederließen. Zum Aufschwung trug bei, dass sich führende Ärzte zu dieser Zeit mit medizinischer Klimatologie beschäftigten.

Unter Sowjetmacht wurden die Villen verstaatlicht und zu Sanatorien und Wohnheimen umfunktioniert. Nun konnte sich auch und gerade der einfache Arbeiter erholsame Tage am Meer leisten. Und die Bauten, die fortan gebaut wurden, hatten nicht dem Individuum, sondern dem Kollektiv zu gefallen. Uns kommen sie heute seltsam futuristisch vor. Ein gutes Beispiel für diese Art Exzentrik ist das 1985 bei Jalta auf der Krim errichtete Sanatorium „Kurpaty“. „Der wie ein Ufo hoch über der Schwarzmeerküste schwebende sechsgeschossige Stahlbetonring, der von drei pfeilerartigen Versorgungstürmen getragen wird, kann als späte Antwort auf den auf den westlichen Brutalismus gesehen werden“, schreibt Stephan Templ in der Neuen Zürcher Zeitung. Heute ist dieser Bau genauso Touristenattraktion wie die historischen Villen und Kurhäuser auf der Krim.

 

Architektur im Ringturm: Ukraine, bis 25. 5. 2012, Schottenring 30, 1010 Wien

Von W. Müller , Ärzte Woche 21 /2012

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