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© Shooterz.biz, 2011 Courtesy of RM Auctions
Dieser Ferrari 340 Mexico Coupe Baujahr 1952 erzielte einen Zuschlagspreis von über vier Millionen US-Dollar.
© Darin Schnabel, 2011 Courtesy of RM Auctions

Mit 5,28 Mio. US-Dollar auf Platz 4 der Liste der teuersten Oldtimer: der Ferrari 250 GT SWB Berlinetta Competizione Baujahr 1960.

 
Leben 23. Mai 2012

Oldies but Goldies

Oldtimer als Wertanlage und Spaßfaktor.

Die von der Finanzkrise ausgelöste Flucht in Sachwerte beschert dem Servicegewerbe rund um alte Autos Wertsteigerungen in Millionenhöhe. Mit jährlichen Zuwächsen zwischen fünf bis acht Prozent bereiten Oldtimer spaß- und wertmäßig viel Freude.

„Ein Oldtimer ist ein Auto, das man nicht fährt, obwohl es alt ist, sondern weil es alt ist“, meint Frank Wilke, Leiter Marktbeobachtung des internationalen Oldtimer-Infodienstes „classic-car-tax“. Oldtimer-Fans findet man mittlerweile in fast allen Alters- und Einkommensklassen. „Bei 125 Jahren Automobilgeschichte und über 5.500 Marken gibt es so viele interessante Modelle, dass manche Sammler über 100 Fahrzeuge besitzen“, analysiert Österreichs Oldtimer-Guru und Sachverständige Franz R. Steinbacher eine Branche, die nur wenige kalt lässt.

Seid umschlungen, Millionen

Wer mit automobilen Raritäten erfolgreich spekulieren will, braucht nur Zeit, Geduld und etwas Kleingeld, wie beispielsweise der Ferrari 250 SWB Competizione Baujahr 1960 beweist. 2007 fiel für dieses Auto der Hammer bei schlanken 2,8 Mio. Dollar, im August 2011 wurden bereits 5,3 Mio. Dollar bezahlt. Eine Eintagsfliege? Keineswegs. Das US-Auktionshaus Gooding & Company erzielte 2011 mit dem Verkauf eines Ferrari 250 Testa Rossa 1957 mit 16,4 Millionen US-Dollar den neuen Auktions-Weltrekord für Oldtimer. Unter den zehn teuersten Autos, die im Vorjahr unter den Hammer kamen, trägt die Hälfte das springende Pferdchen auf der Motorhaube, der Rest verteilt sich auf drei Mercedes, einen Duesenberg, einen Talbot-Lago und ein De Dion Bouton.

Die Erfolgsformel: schön, schnell, offen, selten

Schön, schnell, offen, selten – diese Erfolgsformel gilt seit Jahrzehnten. Der Ferrari 250 Testa Rossa sicherte sich seine Topposition mit zusätzlichen, wertsteigernden Attributen. Er war das allererste Fahrzeug der legendären Testa Rossa-Baureihe, wurde als Werksrennwagen eingesetzt und verfügt über eine lückenlose, wasserdichte Historie. „Das ideale Investmentobjekt ist ein Rennsportfahrzeug eines bekannten Herstellers, das mit bekannten Fahrern internationale Rennen gewonnen hat. Wenn dann noch Geschichte und Herkunft des Autos wasserdicht sind, kann nichts mehr schiefgehen. Autos von dieser Qualität gibt es auf der ganzen Welt allerdings nur eine Handvoll“, erzählt Wilke.

Seltene, gesuchte Karosserievarianten stehen ohnehin hoch im Kurs. Bester Beweis: Der Mercedes 540K Spezial Roadster 1937, versteigert von RM Auctions für 9,7 Mio. Dollar, fast das Doppelte des sonst üblichen Kurses und damit der teuerste je auf einer Auktion verkaufte Mercedes.

Die spektakulären Millionenumsätze der High-End-Oldtimer sollen aber nicht über eines hinwegtäuschen: „Diese Beträge sind die Ausnahme und nicht die Regel. Der Durchschnittswert eines Oldtimers beträgt in Deutschland rund 15.000 Euro“, so Wilke. Das Fahrzeug mit dem stärksten Wertzuwachs in Deutschland ist nach wie vor die „Ente“ (Citroen 2 CV).

Oldtimer 1x1

Allgemein steht und fällt der Wert eines Oldtimers mit seinem äußeren Zustand. Die classic-car-tax-Checkliste umfasst zehn Baugruppen (Blech, Lack, Chromteile, Dichtungen/Gummiteile, Glas, Reifen, Fahrgastraum, Motorraum, Motor, Kofferraum), an Hand derer sich der Zustand eines Oldtimers nach dem Schulnotensystem beurteilen lässt. „Damit das Traumauto in Würde altern kann, empfehle ich eine jährliche Inspektion und alle zwei Jahre das Pickerl, was mit 700 bis 1.000 Euro zu Buche schlägt“, so Steinbacher. Wer keine eigene Garage zur Verfügung hat, muss je nach Qualität der Herberge mit weiteren 1.000 bis 2.500 Euro pro Jahr rechnen. Dazu kommen 500 bis 2.500 Euro für die Versicherung.

Neben dem äußeren Zustand ist die Historie ein wichtiger Parameter zur Wertbeurteilung. „Dabei geht es darum, die Vorbesitzer, gefahrene Kilometer, Fahrgestellnummer und alle technischen Veränderungen lückenlos nachvollziehen zu können“, erklärt Wolfgang Humer, Leiter der Sparte Klassische Fahrzeuge und Automobilia vom Wiener Dorotheum. Je weniger Vorbesitzer, umso besser. Schließlich sollten Fahrzeugpapiere und Servicebuch vollständig sein, weil sich zuletzt ein reger Handel mit falschen Typenscheinen und Fahrgestellnummern entwickelt hat. „Daher rate ich, vor der Kaufentscheidung Gutachten eines Oldtimer-Fachmanns, Auktionshauses oder Autofahrerclubs einzuholen“, warnt Humer. Fahrzeuge, die überrestauriert sind, und nachträglich modifizierte Autos werden mit Argusaugen beobachtet. Was zählt, sind Originalität und Authentizität.

„Das Schlimmste für einen Oldtimer ist, wenn er steht. Er rostet, die Dichtungen werden kaputt und die Kolben bleiben stecken“, warnt Steinbacher. In der Regel fährt aber niemand mehr als 2.000 km. Beispielsweise zur Oldtimer-Messe nach Tulln oder zur Classic Expo in Salzburg im Oktober.

Die Top-Empfehlungen der Experten

„Ein altes Auto wird (fast) nie wertmäßig verlieren, außer Limousinen aus den 30er-Jahren. Da kräht aktuell kein Hahn danach, und ich sehe keine Möglichkeit, so ein Auto zu einem vernünftigen Preis zu verkaufen“, erzählt Humer. In der Preisklasse unter 10.000 Euro empfiehlt der Experte einen Citroen 2 CV oder die BMW-02-Serie – die ursprüngliche Baureihe 114 –, die BMW in den Jahren 1966 bis 1977 baute. Wilke empfiehlt in der Einsteigerklasse (bis 20.000 Euro) Porsche 968 CS bzw. BMW M5 (E28). In der Preisklasse bis 50.000 Euro favorisiert Humer die Marken Porsche (356 bzw. 912 mit 4-Zylinder-Motor) und Mercedes Benz SL bis Baujahr 1989, weil das Vorgängermodell W113, ein zweisitziges Faltdach-Cabriolet, bereits stark im Preis angezogen hat. Der wegen seines nach innen gewölbten Hardtops als „Pagode“ bezeichnete Klassiker wurde zwischen 1963 und 1971 fast 49.000 Mal in den Versionen 230 SL, 250 SL und 280 SL gebaut. Wilke favorisiert in dieser Preisklasse BMW 3.0 Csi bzw. Lancia Flaminia Coupé. Im Luxuspreissegment rät Wilke zu einem Maserati 3500GT bzw. Bentley R-Type Continental, der Dorotheum-Experte empfiehlt Ferrari-Modelle der 50er- und 60er-Jahre, Aston Martin, Porsche Rennsportmodelle der 30er-Jahre und Bugatti 1957, von dem nur wenige Modelle auf dem Markt sind.

M. Strausz , Ärzte Woche 21 /2012

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