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Leben 23. Mai 2012

Risikofaktor Sommerzeit

Steiler Anstieg von Verkehrsunfällen nach Zeitumstellung 

In den ersten vier Wochen nach der Umstellung von Winter- auf Sommerzeit kommt es zu einem signifikanten Anstieg von Verkehrsunfällen, ebenso nach der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit. Die hauptsächlich betroffenen Gruppen von Verkehrsteilnehmern sind im Frühjahr Motorradfahrer (+42,2 Prozent) und im Herbst Fußgänger (+29,2 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt eine britische Studie, die auf dem Europäischen Orthopädiekongress (EFORT) in Berlin vorgestellt wurde (Abstract 4664).

Erstmals detaillierte Untersuchung

Schon seit längerem wird in Fachkreisen ein Zusammenhang zwischen Verkehrsunfällen und dem Übergang von Winter- zu Sommerzeit und umgekehrt diskutiert. Die auf dem EFORT-Kongress vorgestellte Studie ist die erste, die den Effekt der Zeitumstellung differenziert nach Gruppen von Verkehrsteilnehmern erhoben hat.

Untersucht wurden alle in der Verkehrsunfall-Statistik des britischen Departement of Transport in den Jahren 1996 bis 2006 gesammelten tödlichen oder mit schweren Verletzungen einhergegangenen Verkehrsunfälle, die in den vier Wochen vor bis vier Wochen nach der Zeitumstellung zu jenen Tageszeiten passierten, zu denen die Lichtverhältnisse andere waren als sie es ohne Zeitumstellung gewesen wären.

Motorradfahrer, Fußgänger und Autofahrer

Das Ergebnis hielt gleich zwei Überraschungen bereit: Für das zeitumstellungsbedingte Unfallrisiko macht es nicht nur einen Unterschied, ob das potenzielle Opfer am Verkehr als Fußgänger, Auto- oder Motorradfahrer teilnimmt, sondern auch, ob es sich um die Umstellung im Frühjahr oder im Herbst handelt.

Nach der Sommerzeitumstellung im Frühjahr stieg die Gesamtzahl der registrierten Unfälle bei fast allen Gruppen an, bei Motorradfahrern sogar um 42,2 Prozent. Nur bei Fußgängern zeigte sich eine Abnahme um 7,9 Prozent. Nach der Herbstumstellung hingegen stiegen die tödlichen oder schweren Verkehrsunfälle gerade von Fußgängern um 29,2 Prozent, sowie um 18,6 Prozent bei Autofahrern.

Ursachen noch nicht geklärt

Welche Einflüsse der Zeitumstellung es im Detail sind, die zu den nunmehr belegten Risikoerhöhungen führen, ist aber noch unklar. "Die Studie zeigt komplexe Veränderungen der Verkehrsunfallraten in unterschiedlichen Gruppen von Verkehrsteilnehmern", so Dr. Joseph Alsousou, Oxford, der Hauptautor der Studie. "Die Resultate für bestimmte Untergruppen demonstrieren, dass die Umstellung auf Sommerzeit keine Leben rettet, vor allem nicht unter Motorradfahrern." Das könnte einer ganzen Anzahl von Faktoren geschuldet sein, darunter verminderter Sichtbarkeit, Veränderungen der Straßenbenützung aufgrund veränderter Lichtverhältnisse oder Störungen der zirkadianen Rhythmen.

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