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Leben 10. Mai 2012

Traditionelle Lebenseinstellungen rund um die Schwangerschaft

Eine Pädagogin der Universität Graz untersuchte die Folgen einer ungeplanten Schwangerschaft für junge Eltern.

Eine ungeplante Schwangerschaft hat meist weitreichende Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. In ihrer Masterarbeit untersuchte MMag. Susanne Schwab, MA, die Problematik ungeplanter Schwangerschaften junger Eltern. Dabei legte die Erziehungswissenschafterin der Karl-Franzens-Universität Graz besonderes Augenmerk darauf, wie Sexualität, Familie und Beruf aus der geschlechtsspezifischen Perspektive von Frauen und Männern wahrgenommen werden. Für ihre Arbeit wurde Susanne Schwab kürzlich mit dem Sonderpreis der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) ausgezeichnet.

Im Rahmen ihrer Studie befragte die Autorin 69 Frauen und 47 Männer im Alter zwischen 21 und 39 Jahren. Voraussetzung war, dass diese als Eltern mit ihrem Baby oder Kleinkind in einem gemeinsamen Haushalt lebten und berufstätig waren, wobei auch ein Studium oder eine andere Ausbildung als Berufstätigkeit galten. 55 Prozent der Befragten hatten sich ein Kind gewünscht, bei den übrigen war der Nachwuchs ungeplant eingetroffen.

Susanne Schwab befasste sich mit den Ursachen von ungeplanter Schwangerschaft ebenso wie mit den Folgen für die Eltern und ihre Partnerschaft. Themen waren Sexualaufklärung und Verhütung, die finanzielle und berufliche Situation, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Verteilung von Haus- und Familienarbeit innerhalb der Partnerschaft. Die Ergebnisse lieferten wichtige Hinweise zur Gleichstellung von Männern und Frauen.

Traditionelles Rollenverständnis

„Es zeigt sich, dass das traditionelle Rollenverständnis nach wie vor weit verbreitet ist“, fasst die Forscherin zusammen. So gaben die befragten Frauen an, sie würden in ihrer Beziehung mehr als die Männer zur Familienarbeit beitragen, das aber nicht als ungerecht empfinden“, berichtet Schwab. Dabei gilt: „Bei Personen mit ungeplanter Elternschaft und tendenziell auch bei Männern sind traditionelle Geschlechtsrollenüberzeugungen stärker verankert als bei Personen mit geplanter Elternschaft und bei Frauen“, ergänzt die Autorin. Die Analyse stützt das so genannte „male-breadwinner-female-homemaker-Modell“, in dem Männer den Hauptteil der finanziellen Familienversorgung durch bezahlte Arbeit übernehmen, während Frauen die unbezahlte Familienarbeit erledigen und am Arbeitsmarkt nur als Nebenverdienerinnen auftreten.

Empfängnisverhütung Frauensache?

Hinsichtlich Empfängnisverhütung sind die Einstellungen ebenfalls durchaus traditionell. „Besonders überrascht hat mich, dass bei der Frage nach der Verantwortung für Verhütung niemand gesagt hat, das übernimmt bei uns der Mann“, erzählt Schwab. „54 Prozent der StudienteilnehmerInnen nannten die Frau als die Zuständige, 46 Prozent meinten, beide PartnerInnen seien dafür verantwortlich.“ Auch in Sachen Sexualerziehung gibt es offenbar noch einiges zu tun. Denn 17 Prozent der Männer und drei Prozent der Frauen behaupteten, niemals aufgeklärt worden zu sein.


Weiters ergab die Untersuchung, dass die Befragten, die ungeplant Nachwuchs bekommen hatten, über eine niedrigere Schulbildung verfügten als die Eltern mit einem Wunschkind.

Literatur:

Masterarbeit: Susanne Schwab, „Ungeplante Schwangerschaften junger Eltern. Sexualität, Familie und Beruf aus geschlechtsspezifischer Betrachtung“, 2010
Betreut wurde die Masterarbeit von O.Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer, Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Karl-Franzens-Universität Graz

Presseaussendung UniGraz/IS, springermedizin.at

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