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Leben 3. Mai 2012

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Die Koexistenz von Medizinern und Pharmazeuten ist nur selten von Harmonie geprägt. Vor allem, wenn in fremden Gewässern gefischt wird.

Die einen sprechen von Partnern, die anderen von Feindbildern. Während man mancherorts, meist im Rahmen festlicher Banketts, die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern als fruchtbringende Kooperation schätzt, beäugt man einander in der freien Wildbahn höchst misstrauisch und wünscht sich lästige Kundschaft an den Hals.

Der Disput zwischen der verschreibenden und der das Verschriebene nur mühsam entziffernden Zunft ist so alt wie die zwei Berufsstände. Und der erste Mensch, der auf die Idee gekommen ist, einem Artgenossen heilende Blätter auf eine Wunde zu legen, musste bereits mit einem Protest eines Stammesbruders rechnen, der sich exklusiv für die Zubereitung der Blätter berufen fühlte.

Immer wieder finden Grabenkämpfe statt und die Interessensvertretungen bemühen sich redlich, das gelbe Flämmchen des Neides am Lodern zu halten. So werden ärztliche Hausapotheken generell als pharmazeutische Achse des Bösen verteu-felt. Umgekehrt wird jeder Versuch eines Apothekers, mit den Kunden ein Gespräch zu führen, das über „Grüß Gott“ und „Bitte die Medikamente genau so einnehmen, wie sie Ihnen vom Arzt verordnet wurden“ hinausgeht, mit mahnenden Blicken der Rechtsanwälte geahndet.

Besonders hart trifft es die Ärzteschaft, dass die Apotheker, laut einer Umfrage eines großen internationalen medizinischen Journals (Anm. d. Red: Readest Digest), hinsichtlich des Vertrauens, das die Bevölkerung in diese Berufsgruppe setzt, weiter vorne liegen. Hier muss Aufklärungsarbeit betrieben werden: „Wem vertrauen Sie mehr? Der Marke Mercedes oder dem Autoverkäufer, der Ihnen das Auto über die Theke schiebt?“ Gut, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich und man könnte anmerken, dass auch die Mediziner den Mercedes nicht herstellen, sondern ihn höchstens empfehlen; drei Mal täglich, nach dem Essen.

Aber wenn Patienten zum Blutdruckmessen in die Apotheke gehen, statt zum Arzt, um sich die läppische Stunde an Wartezeit zu ersparen, dann geht das zu weit. Schon jetzt bieten die Pillendreher Cholesterinwertbestimmungen, Harnuntersuchungen und kleine psychotherapeutische Interventionen an, ja sie beginnen sogar, unsere stärksten Drogen OTC zu verscherbeln. Wo führt das hin? Welche Körperöffnungen wollen die uns denn noch abspenstig machen? Es gibt schließlich nicht genügend für zwei Berufsstände.

Vielleicht werden sich Ärzte und Apotheker in ferner Zukunft einmal wirklich gut vertragen. Spätestens, wenn ein wirksames Heilmittel ge-gen den Neid entwickelt wird. Doch selbst dann stellt sich die Frage: Wer darf es dann verordnen?

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