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Foto: Nenad Cizl
George W. Bush, „Got oil?“, SIowenien 2004 Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung
Foto: Mario Lombardo, Robert Klanten

Mario Lombardo für dgv – Die Gestalten Verlag Gmbh & Co. KG, Berlin, „Spank the Monkey“, 2006

Foto: Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, ZHdK

Anonym, Muammar al-Gaddafi, Libyen 2003

 
Leben 24. April 2012

Die Physiognomie der Macht

Kunsthaus Wien: „Head 2 Head. Politik und Image“.

Politiker stehen ständig unter Beobachtung. Offenheit, Eigenständigkeit, Privatheit und Unbefangenheit kommen da naturgemäß zu kurz. Für sie gilt, ein bestimmtes Image zu verkörpern. Welche Strategien sie dabei verfolgen, untersucht das Kunsthaus Wien in seiner aktuellen Ausstellung.

Bruno Kreisky bei uns und Willy Brandt in Deutschland, das waren noch respektable Regierungschefs, wie selbst politische Gegner einräumen. Sie hatten noch Visionen, sie kämpften aufrichtig für eine bessere Gesellschaft. Und heute? Da kann uns kaum noch ein Politiker begeistern. Zu austauschbar, zu wenig authentisch, zu zaghaft. „Das Image der Berufsgruppe Politiker befindet sich in der Krise. Staaten und Repräsentanten haben in den vergangenen Jahrzehnten gegenüber internationalen Konzernen an Bedeutung und Einfluss verloren“, das schreibt das Kunsthaus. Trotzdem oder gerade deswegen unternimmt es in seiner aktuellen Ausstellung den Versuch, die Physiognomie der Macht zu ergründen – und auch deren Persiflagen .

Politiker sind „gläserne Menschen“, stehen ständig unter Beobachtung der Öffentlichkeit. Wer da bestehen möchte, muss an seinem Image arbeiten, so zumindest die allgemeine Überzeugung. Denn sie müssen gut „rüberkommen“, beim Wähler „ankommen“, wollen sie wiedergewählt werden.

Wie machen sie das? Worauf legen sie Wert? Wie arbeiten sie an ihrer Außenwirkung? Politiker haben es nicht in der Macht, wie sie von Pressefotografen abgelichtet werden, wohl aber, wie sie auf offiziellen Fotos erscheinen.

Die Ausstellung zeigt unter anderem eine lange Liste von Porträts österreichischer Bundespräsidenten der 2. Republik, die über Jahre von dem Wiener Fotostudio Simonis angefertigt wurden. Es sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die obersten Herren (bisher gab es nur Herren) blicken freundlich, ohne die Grenze zur Anbiederung zu überschreiten. Ein nüchterner und würdevoll-distanzierter Gestus dominiert, passend zu ihrem hohen Amt. Nur einer fällt aus der Reihe: Thomas Klestil. Er ist der Einzige, der mit offenem Mund in die Kamera lächelt. So will er wohl besonders freundlich erscheinen, doch damit war er schlecht beraten, denn er wirkt nur unbeholfen-ungelenk.

Auf Plakaten ist der gewünschte Effekt besser steuerbar, und eine Idee oder Werbestrategie bestimmt jeden Wahlkampf. Mal inszeniert sich der um die Gunst der Wähler buhlende Politiker als Mensch wie du und ich (in Alltagskleidung, Ärmel hochgekrempelt), als Familienmensch (mit Frau und Kindern) oder als Staatsmann (zusammen mit anderen Staatsoberhäuptern).

Manche Aufnahmen haben es zu Ikonen der Fotografie geschafft. Dazu gehört etwa das Bildnis von Che Guevara, dem Revolutionär (und einstigen Medizin-Studenten). Die Baskenmütze auf dem Kopf, den Blick in die Ferne gerichtet – dieses Plakat hängt nicht nur in der Ausstellung, sondern auch im Zimmer zahlreicher aufbegehrender Jugendlicher auf der ganzen Welt. Und das selbst noch fast ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod. Was nicht zuletzt zeigt, dass nichts nachgekommen ist, was uns tief bewegen würde.

Kunsthaus Wien: „Head 2 Head – Politik und Image“, bis 3. Juni 2012, Untere Weißbergerstr. 13, 1030 Wien

Von W. Müller , Ärzte Woche 17 /2012

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