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Foto: Megan Lewis
Martu-Ältester Timmy Patterson in seinem Zuhause in Jigalong. Timmy sagt, dass seine glücklichsten Tage jene waren, als er auf der Rinderfarm gearbeitet hat, bevor die Regierung mit der Sozialhilfe begann.
 
Leben 7. Mai 2009

In der Wüste zu Hause

Westlicht-Ausstellung: „Conversations with the mob“.

Zum ersten Mal sind sie in Europa zu sehen, jene Fotoarbeiten, die Megan Lewis in Australien von den Martu gemacht hat, einer Gruppe von Aborigines.

 

Eine Schule, eine Verwaltungsstelle, ein Lebensmittelgeschäft und 28 weitgehend aus Blech gefertigte Häuser: Das ist Parnngur, ein kleiner Ort in Australien. Manchmal leben hier 250 Leute, manchmal 500. Die Zahl schwankt, denn dieser Ort in der Wüste wird von den Martu bewohnt, einer Gruppe australischer Aborigines, die heute noch zum Teil ein Nomadenleben führen.

Ein Leben zwischen Tradition und Moderne: Das ist charakteristisch für diese Ureinwohner. Sie kennen alte Werte, sie kennen aber auch Coca Cola, und vor allem auch den Alkohol.

Mit den Aborigines in Australien verhält es sich ganz ähnlich wie mit den Indianern in Amerika: Einst wurden sie als minderwertig angesehen, als Menschen zweiter Klasse, heute besteht gerade in der westlichen Welt ein starkes Interesse an deren Kultur, auch an deren Bewahrung.

Die Wiener Galerie Westlicht ist stolz darauf, nun erstmals außerhalb von Australien jene Fotoarbeiten von Megan Lewis ausstellen zu können, die das Leben der Aborigines in Parnngur zeigen. Titel der Ausstellung: „Conversations with the mob“.

Lewis ist gebürtige Neuseeländerin, eine blonde Frau. Ihren sicheren Job beim Austalian Newspaper gab sie auf, um eine andere Welt kennenzulernen. Sie lebte mit den Aborigines für fünf Jahre zusammen, campte mit ihnen im Freien, begleitete sie bei der Jagd oder hörte ihnen einfach zu. Kurz: Sie tauschte den Upper-Class-Komfort gegen ein Leben bei Temperaturen von regelmäßig über 50 Grad und „Insekten in allen Körperöffnungen“. Sie lernte, wie sie im Vorwort ihres Buchs mit dem gleichnamigen Titel wie die Ausstellung schreibt, „komplett für den Moment zu leben, meine westliche Uhr zu ignorieren und ganz zu vergessen, keine Erwartungen zu haben, geduldig zu sein und überall zu schlafen.“

Eine fremde Welt

Dass sie eine sehr enge Beziehung zu den Ureinwohnern aufbauen konnte, ist an den Fotoarbeiten zu erkennen. Sie sind fast durchweg aus geringer Entfernung aufgenommen, vorzugsweise mit einem Weitwinkelobjektiv. Der Betrachter wird in das Geschehen hineingezogen, in eine Welt, die für uns recht fremd ist. Die Farbe Rot dominiert, denn allgegenwärtig ist der Wüstensand.

Die Fotoarbeiten sind mit dem Walkley Award und den Photographers Choice Awards ausgezeichnet worden – und sind in Wien noch bis Ende Mai zu sehen.

 

Westlicht Galerie: Ausstellung Megan Lewis: „Conversations with the mob“, Westbahnstraße 40, 1070 Wien, bis 31. 5. 09

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche

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