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Foto: A. Ginzel
war Vorstand des Instituts für theoretische Physik, Uni Wien
 
Leben 17. April 2012

Nachgefragt: Verkehrsopfer

Herr Professor, der Autoverkehr fordert hierzulande viele Tote und Verletzte. Wieso nehmen wir das einfach so hin?

Was wir heute die „Autolawine“ nennen, hat erst 1955 eingesetzt. Ich habe 1954 maturiert und um diese Zeit ausgedehnte Radtouren unternommen - auf der Bundesstraße 1, und durchaus in der Mitte. Alle sieben bis acht Minuten ist einmal ein Auto gekommen. Dann hat ganz plötzlich die Motorisierungswelle eingesetzt, und wir sind von ihr überrascht worden. Ein Beispiel dafür, dass man nicht genügend in die Zukunft blicken kann. Es wäre damals notwendig gewesen, sich die Konsequenzen zu überlegen, wie wir heute auch daran denken sollten, was die zunehmende Digitalisierung und das ganze Handywesen für Folgen haben werden – die Industrie goutiert aus verständlichen Gründen solche Fragen nicht. Ich erinnere mich, dass es damals deutlich über 2.000 Verkehrstote in Österreich gegeben hat. Und diese Zahl ist nun auf ein Drittel gesunken. Das ist erfreulich, doch natürlich sind das immer noch zu viele Tote. Wenn es im Flugwesen so viele Tote gäbe, würde niemand mehr ein Flugzeug besteigen. Beim Auto ist das anders. Wir halten die individuelle Mobilität fast religionsähnlich heilig – und sind bereit, den „Preis“ dafür zu bezahlen. Es ist interessant, dass wir von „Opfern“ sprechen, das erinnert an alte Opferriten.

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