zur Navigation zum Inhalt
Foto: A. Ginzel
Prof. Dr. Herbert Pietschmann war Vorstand des Instituts für theoretische Physik, Uni Wien
 
Leben 15. April 2012

Nachgefragt: Die Folgen eines medizinischen Eingriffs

Herr Professor, wie verlässlich können die Folgen eines medizinischen Eingriffs vorhergesehen werden?

Ich hatte als junger Student jeden Herbst eine fürchterliche Verkühlung und musste immer durch den Mund atmen. Mein Arzt riet mir zu einer Nasenscheidenwandoperation. Also ließ ich die machen, mit der Folge, dass ich danach häufiger Mandelentzündung hatte. Da sagte mein Arzt: Ja, wir können nun auch noch die Mandeln herausnehmen, aber wie das weitergeht, das können wir nicht sagen. Ich habe sie lieber dringelassen.

Grundsätzlich ist der Mensch als chaotisches System zu betrachten, und das heißt, exakte Voraussagen sind unmöglich zu machen. Das betrifft nicht nur die physische Ebene, da nicht allein der Körper reagiert, sondern der ganze Mensch. Und der ganze Mensch ist die Einheit von Körper, Geist und Seele.

Jetzt darf man nicht fragen: Wo ist die Seele? Die wird man nicht finden. Der Mensch ist etwas anderes als die Summe seiner Teile. Finden kann man trotzdem, dass der lebendige Mensch beseelt ist und ein Bewusstsein hat. Deshalb haben Eingriffe über die Geist-Seele-Problematik Folgen, die man eventuell überhaupt nicht abschätzen kann.

Aber nicht nur Eingriffe, sondern auch Nicht-Eingriffe. Und die Entscheidung für oder gegen eine Intervention stellt oft schon ein großes Problem dar, beispielsweise bei einer Krebserkrankung.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben