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Foto: A. Ginzel
Prof. Dr. Herbert Pietschmann war Vorstand des Instituts für theoretische Physik, Uni Wien
 
Leben 3. April 2012

Nachgefragt. Was kann man gegen Vergessen tun?

Herr Professor, was kann man gegen das Vergessen tun?

Vielleicht darf ich mit einem persönlichen Erlebnis anfangen. Ich hatte, als ich noch zwanzig, dreißig Jahre jünger war, ein ziemlich gutes Gedächtnis für Details in der Physik und konnte die meisten Vorträge ohne Manuskript halten. Dann ist mit fortschreitendem Alter der Punkt gekommen, wo ich gemerkt habe, dass mein Gedächtnis nachlässt. Das war erst einmal ein schreckliches Erlebnis, ich dachte, jetzt ist der Zenit des Lebens überschritten. Aber dann dachte ich, ich bin ja nicht der Einzige, dem das so geht, vielleicht liegt ein Sinn dahinter. Wenn man der Ansicht ist, dass das Leben auf diesem Planeten nicht rein zufällig ist, sondern sinnvoll, dann kann man auch fragen, welcher Sinn hinter dem Vergessen stecken könnte. Ich denke, dass der Verlust auch einen Gewinn mit sich bringt. Einen Gewinn an Spontaneität nämlich. Und Spontaneität ist ja durchaus ein Wert, den man dem Detailwissen entgegenstellen kann. Und der vielleicht gerade im höheren Alter wertvoll ist.

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