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Foto: Wenzel Müller
Hier ließen es sich einst die Römer gut gehen – heute steht das historische Badehaus in Bath, Großbritannien, Besuchern offen.
 
Leben 31. März 2012

Kurort der wohlhabenden Bevölkerung

Besuch des römischen Bads in Bath, Großbritannien.

Thermalquellen sind in Großbritannien noch seltener als sonnige Tage. Doch eine gibt es, in Bath im Westen Englands. Das dortige Badehaus ist aus einem weiteren Grund bemerkenswert: Hier handelt es sich um eine Anlage aus der Römerzeit, aus jener Zeit, als das Badehaus noch zentrale Bedeutung als gesellschaftlicher Treffpunkt genoss.

 

Wir sind hierzulande, insbesondere die Steiermark, reich gesegnet mit Heilquellen. So steht denn auch gerade in dieser Region ein Kurbad neben dem anderen. Ganz anders in Großbritannien. Auf der Insel gibt es nur eine Thermalquelle, in Bath, in der Grafschaft Sommerset. Doch dieses Bad hat es in sich. Es handelt sich hier um eine recht gut erhaltene Anlage aus der Römerzeit (ab dem Jahr 43 n. Chr.), eine jener Relikte, die in angenehmerer Weise an die einstigen Eroberer erinnern.

Nicht nur zum Baden

Die alten Römer achteten darauf, dass es ihnen fern der Heimat gut ging. Ihre Thermen dienten nicht allein dem Baden. Sie waren auch stets Orte, in die man sich zurückzog und wo man mit anderen zusammentraf.

In römischen Bädern gab es Bibliotheken, Läden, Fitnessräume, Friseure, Kosmetikerinnen. Was heute wieder modern ist, hat also eine lange Tradition.

Im Mittelalter erlebte die Badekultur einen jähen Einschnitt. Es war die Zeit, da die Pest umging, die tausende Menschen töte und großen Schrecken verbreitete. Die besten Köpfe waren damals einhellig der Meinung, dass diese wie auch andere Krankheiten durch Miasmen ausgelöst werden, durch der Erde entströmende Luftunreinheiten, die ins Körperinnere eindringen und dort ihr Unwesen treiben. Also lautete die Empfehlung zu jener Zeit, alles zu vermeiden, was die Poren der Haut durchlässig machte. „Die nächsten sechshundert Jahre wuschen sich die meisten Leute nicht, ja vermieden es nach Kräften, überhaupt mit Wasser in Berührung zu kommen“, schreibt Bill Bryson in seinem jüngsten Buch Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge. Nach und nach wurden die Badehäuser geschlossen, die in den Ruf geraten waren, eine Art Keimzelle von Krankheiten zu sein.

Heilsames Wasser

1702 ging Königin Anne zur Behandlung ihrer Gicht nach Bath – was eine Königin tut, kann nicht völlig verkehrt sein, mussten sich die Leute gedacht haben. In der Folge gewann Bath an Ansehen, wurde ein beliebter Kurort der wohlhabenden Bevölkerung. Die heilsame Wirkung des Wassers erfuhr eine Renaissance. Wie Bryson schreibt, dauerte es nicht lange, bis einige Geschäftsleute in Bath erkannten, dass mit dem Badespaß und dem Gesundheitsversprechen leichtes Geld zu verdienen war. So soll es den selbst ernannten Arzt James Graham (1745–94) gegeben haben, der mit Magneten, elektrischen Apparaturen und anderen surrenden Gerätschaften Patienten von allen möglichen Gebresten zu kurieren versprach.

Für den angereisten Besucher ist heute natürlich in erster Linie der historische Ort interessant. Liebhaber praktischer Badefreuden kommen aber auch auf ihre Kosten: In dem kleinen Städtchen gibt es auch eine moderne Spa-Anlage, die von derselben Quelle gespeist wird, die schon zur Römerzeit konstant 46 Grad heißes Wasser zutage förderte, 1.170.000 Liter pro Tag. Außerdem: Bath ist neben Venedig die einzige Stadt, die als Ganzes mit dem Gütesiegel Welterbe ausgezeichnet wurde.

Von W. Müller, Ärzte Woche 13 /2012

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