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Foto: Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. / Agentur Zolles: Markus Wache
Spheromania: Sessel Ball und Hängelampe Pallade.
Foto: Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. / Agentur Zolles: Markus Wache

Tragbarer Fernseher und Weltempfänger für das beginnende Informationszeitalter.

 
Leben 21. März 2012

Ende der grauen Nachkriegszeit

Ausstellung Sixties Design.

Auch ohne statistischen Nachweis liegen wir wohl nicht ganz falsch, wenn wir sagen, dass die meisten Menschen heute nicht gerade hoffnungsfroh in die Zukunft blicken. In den 1960er-Jahren war das noch ganz anders. Damals herrschte eine wahre Aufbruchstimmung, wie die aktuelle Ausstellung des Hofmobiliendepots in Wien zeigt.

 

Die entbehrungsreichen Jahre der Nachkriegszeit waren gerade vorüber. In den 1960er-Jahren blickten die Menschen wieder hoffnungsvoll in die Zukunft. Es konnte nur besser werden, Philosophen und Soziologen skizzierten Modelle einer Gesellschaft, in der es gerechter zugehen sollte. Es herrschte, wie Markus Laumann, Kurator der aktuellen Ausstellung Sixties Design im Wiener Hofmobiliendepot, sagt, eine wahre Aufbruchstimmung. Die junge Generation brach mit der der Väter, die Schuld auf sich geladen hatte, und demonstrierte ihren Protest mit langen Haaren, bunten Möbeln und lauter Musik. Damals, als es noch Vollbeschäftigung gab und die Einkommen stetig stiegen, kam auch ein neuer zahlungskräftiger Konsument auf, der bedient werden wollte: der Teenager.

Der Besucher der Hofmobiliendepot-Ausstellung, die ihren Fokus auf Möbeldesign legt, begibt sich auf eine Reise in vergangene Zeiten. In Zeiten, da sich die Supermächte daran machten, den Weltraum zu erobern. Zu diesem Zweck wurden auch neue Materialien entwickelt, leichte Kunststoffe, die fortan im Alltag Verwendung fanden. Nun war es beispielsweise möglich, Möbel aus einem Material und einem Guss herzustellen. Holz war nicht mehr unbedingt notwendig, nun konnte ein Tisch auch aus PVC sein.

Prototypisch für jene Zeit ist der Sitzsack Saccco: Er ließ kein aufrechtes Sitzen zu, doch das war ohnehin nicht mehr gefragt. Man wollte lümmeln, dazu vielleicht auch etwas Feines rauchen, und für diesen Zweck war gerade dieses Sitzmöbel bestens geeignet.

„Grenzen des Wachstums“

Es muss, im Rückblick betrachtet, eine herrlich unbeschwerte Zeit gewesen sein. Wobei man einräumen muss, dass das, was wir heute als „die Sixties“ umschreiben und von London und Kalifornien seinen Ausgang nahm, bei uns erst mit einiger Verspätung, eher Anfang der 1970er-Jahre, ankam. Und dann auch nicht mit der Verve wie in London oder Berlin. Wir in Österreich waren eben schon immer etwas langsamer. In den 1960er-Jahren erregte hierzulande ein Mädchen noch Aufsehen, wenn es Hosen trug, wie Ilsebill Barta, wissenschaftliche Leiterin des Hofmobiliendepots, bei der Pressekonferenz sagte.

Aus heutiger Sicht war der damalige Aufbruchgeist eine vorübergehende Episode. Die 1970er-Jahre brachten die sogenannte Erdölkrise und zeigten uns die „Grenzen des Wachstums“ auf. „Das Konzept der Moderne mit seinem Fortschrittsglaube wurde hinterfragt, die Rolle des Designs in den kapitalistischen Gesellschaften in Frage gestellt“, sagt Kurator Lauman. Später folgten das „Waldsterben“ und „AIDS“ – und heute, da alles dem Diktat der Umsatzrendite untergeordnet zu werden scheint, tun wir uns besonders schwer, mit Zuversicht nach vorne zu schauen.

Als die Antibabypille aufkam
Vortrag „Die sexuelle Revolution oder als Antibabypille, Fernsehen und Kommerzialisierung die Welt veränderten“

Von Prof. Dr. Franz X. Eder, Historiker der Universität Wien, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
am 22. März 2012 um 19 Uhr im Hofmobiliendepot

Die frühen 1960er Jahre gelten nach wie vor als eine wertkonservative und sexuell äußerst prüde Zeit. Doch auch schon vor der sexuellen Revolution der späten 60er wehte in einer ersten, wenn auch noch sanften Erotikwelle frischer Wind durch manche österreichischen Schlafzimmer. Die sexuelle Revolution brachte dann die traditionellen Sexualnormen endgültig zum Einsturz. Die sexuellen Einstellungen und Verhaltensweisen vieler ÖsterreicherInnen veränderten sich rasch. Mit der Kommerzialisierung und Politisierung von Sex entwickelten sich aber auch neue Zwänge und Vorgaben für diesen intimen Lebensbereich.

Von W. Müller , Ärzte Woche 12 /2012

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