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Leben 19. März 2012

Aids-Pionier Gallo wird 75

Nur wenige Biomediziner können sich so vieler Entdeckungen rühmen wie Robert Gallo. Er ist seit gut 50 Jahren auf der Jagd nach tödlichen Viren und gilt als Mitentdecker des Aidserregers HIV. Sein Kollege Luc Montagnier vom Pasteur Institut in Paris fand das Virus vor ihm, Gallo aber identifizierte es als Aidserreger. Ausgerechnet diese Arbeit brachte den US-Forscher in Misskredit und hängt noch immer als Schatten über seiner Karriere. Kommenden Freitag (23. März) wird Gallo 75.


"Am liebsten möchte ich bis zum Ende meines Lebens im Labor sein", sagte Gallo einmal der Nachrichtenagentur dpa. Eisern hält er an diesem Vorsatz fest, wie seine Mitarbeiter am Institut für Humanvirologie (IHV) der Universität Maryland bestätigen. Allerdings gönnt sich Gallo kleine Pausen: Kurz vor seinem großen Geburtstag zum Beispiel war der US-Forscher mit Freunden aus Deutschland unterwegs in Österreich.


Gallo ist seit 1973 Direktor des IHV, einer Einrichtung, die sowohl klinische Forschung betreibt als auch Patienten mit Aids und anderen viralen Erkrankungen versorgt. Auf der Internetseite des Instituts heißt es, das Institut betreue rund 5000 Patienten in Baltimore und 500 000 weitere über Partnerschaften in Afrika und der Karibik.


Robert Gallo stammt aus einer Familie italienischer Einwanderer. Der Vater unterhielt eine kleine Schweißerei in Waterbury (US-Staat Connecticut). Seine Schwester Judy starb früh an Leukämie - das soll "Bob" in die Krebsforschung gezogen haben. Schon als Student veröffentlichte er die erste wissenschaftliche Arbeit. Mittlerweile steht er als Mitautor in mehr als 1200 Veröffentlichungen.


In den 1980er Jahren wurde Gallo häufiger in der Fachliteratur zitiert als irgendein anderer Wissenschaftler weltweit. Sein Team fand das erste bekannte menschliche Retrovirus (HTLV-I), das Leukämie hervorrufen kann, und bald darauf ein zweites, HTLV-II. Gallo ist an 26 Universitäten weltweit Ehrendoktor.


Bei der fieberhaften Suche nach dem Erreger der 1981 erstmals beschriebenen Immunschwäche Aids hatte Gallo eng mit Montagnier zusammengearbeitet. Montagnier gelang die Isolierung eines Virus, das er zunächst LAV nannte. Er schickte eine Probe davon zu Forschungszwecken an seinen Kollegen Gallo von den amerikanischen Gesundheitsbehörden.


Gallo war es dann, der 1984 weltweit für Schlagzeilen sorgte: Das US-Gesundheitsministerium gab bekannt, dass dem Wissenschaftler die Entdeckung des Aidsvirus (damals noch HTLV-III genannt) gelungen sei. Er habe es sogar geschafft, einen Bluttest für Patienten zu entwickeln. Der charmante und wortgewandte Gallo wurde von Kollegen und Medien gefeiert - bis sich herausstellte, dass HTLV-III und LAV identisch waren.


Seitdem beschäftigten sich Experten mit der Frage: Wurden Gallos Proben aus Versehen mit LAV "angesteckt" oder hatte der US-Forscher geklaut? Erst im Sommer 1994 wurde eine Art wissenschaftlicher Friedensvertrag geschlossen. Er sprach beiden Seiten die gleichen Einnahmen aus dem Patent für den Aidstest zu.


Man sagt Gallo nach, dass er am Tag der Vergabe des Medizin-Nobelpreises seit Jahren jeweils recht gut zu erreichen gewesen wäre. Groß war dann die Überraschung, als das Nobelkomitee 2008 nur Luc Montagnier und seine französische Kollegin Francoise Barré-Sinoussi für die Entdeckung des HI-Virus auszeichnete. Gallo gab zu, "enttäuscht" zu sein. Im Jahr darauf erhielt er zumindest den Dan David-Preis in Tel Aviv, dotiert mit einer Million Dollar.

Von Gisela Ostwald, dpa

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