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Leben 13. März 2012

Musik als Medizin

Nockalm-Quintett statt Aspirin“ – eine verlockende Alternative für die Behandlung unserer Dauerpatienten.

Ein lieber Kollege befasst sich seit Jahren voller Hingabe mit der sogenannten Musikmedizin. Dies hat weniger mit der Behandlung alternder Rockstars zu tun, die sich zu lange im Schneegestöber aufgehalten haben, sondern mit der Wirkung der Musik auf Menschen im Allgemeinen und Patien-ten im Speziellen. Schließlich hat man herausgefunden, dass Musik wie ein Medikament Auswirkungen auf die Gesundheit hat, ja gar im einen oder anderen Fall sogar heilen kann; und dies – natürlich abhängig von der Komposition – weitgehend nebenwirkungsarm.

Es ist bekannt, dass Musik beim Hörer eine bestimmte Stimmung hervorrufen kann. Diese Erkenntnis wird auch gerne von den Wirtschaftstreibenden auf perfide Art und Weise in den Geschäften umgesetzt: Die Berieselung der Kunden mit Musik, die von noch perfideren Psychologen ersonnen wurde, dient dazu, die Kaufzentren im Gehirn für die Einkaufszentren am Stadtrand zu stimulieren. Derart manipuliert wandeln wir ferngesteuert durch die Läden und kaufen – je nach Einkaufszettel – Love, Happiness, Sex, Drugs oder Rock’n Roll ein. Man bezeichnet dies auch als „functional Music“, mit dem Zweck, dass die ebenfalls designte „functional Gurke“ vom Konsumenten lieber gekauft wird.

Und wenn etwas mal „functional“ ist, dann sind die Mediziner nicht weit. Der therapeutische Einsatz von Musik wird zwar heute bereits praktiziert, etwa in den Wartezimmern der Ordinationen (gegen Revolten) oder in den Operationsräumen (gegen cholerische Anfälle unrunder Chirurgen), der breite Einsatz zur Behandlung von Patienten fehlt jedoch noch.

Nun gilt es in Studien zu klären, welche Musik für welche Indikation am besten geeignet ist. Dabei soll- ten die Liedtexte bei der Beschallung der bettlägerigen Personen genauer unter die Lupe genommen werden. Nicht immer kann ein „Wake me up“ Menschen wieder aus dem Koma holen, nicht jedem Patienten wird ein „Highway to Hell“ im Spital aufmuntern. Auch der provokationstherapeutische Ansatz, einem Klassikliebhaber Eminem, einem überzeugten Hard-Rock-Fan Andre Rieu über Kopfhörer unterzujubeln, kann noch nicht evidenzbasiert empfohlen werden. Doch vielleicht wird der Visitenwagen der Zukunft mit einer gut sortierten CD-Sammlung ausstaffiert sein, ein DJ den Aufwachraum rocken, der Assistenzart seinen Patienten statt einer Belehrung über Ernährungsgewohnheiten eine Schubert-Weise vortragen.

So macht im besten Fall Musik die Menschen im Krankenhaus gesünder. Im schlechtesten Fall zumindest fröhlicher.

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