zur Navigation zum Inhalt
Foto: A. Ginzel
Prof. Dr. Herbert Pietschmann war Vorstand des Instituts für theoretische Physik, Uni Wien
 
Leben 17. März 2012

Nachgefragt. Handystrahlung, Amalgam und Co, höchst gefährlich?

Herr Professor, Handystrahlung oder etwa auch Amalgam im Mund wird von Experten unterschiedlich bewertet, von „völlig unbedenklich“ bis „höchst gefährlich“. Gibt es denn nicht so etwas wie eine objektive Wahrheit?

Es ist eine weit verbreitete Illusion, die Naturwissenschaft könne Wahrheiten erkennen. Das Ziel der Naturwissenschaft war seit Galilei immer nur, gesichertes Wissen zu schaffen. Gewaltig genug, denn vor dem 17. Jahrhundert hätte niemand auf der Welt dies für möglich gehalten. Aufgrund dieser gewonnenen Erkenntnisse können wir heute zum Beispiel ein Flugzeug sicher in Betrieb nehmen – der Pilot muss nur nach einer vorgeschriebenen Checkliste vorgehen.

Aber: Diese Erkenntnisse beziehen sich nur auf jenen Teil der Welt, der reproduzierbar und quantifizierbar ist. Ein mindestens ebenso großer Teil von dem, was wir Welt nennen, fällt nicht in diese Kategorie. Da helfen keine Checklisten weiter. Immanuel Kant unterscheidet diese beiden Bereiche: er spricht von der Heteronomie oder Naturnotwendigkeit – hier unterliegt der Mensch den Naturgesetzen – und der Autonomie – hier hat der Mensch frei zu entscheiden. Das große Problem ist nun, dass es keine genaue Abgrenzung zwischen diesen beiden Bereichen gibt. Es wird immer einen Graubereich geben, wo einige Leute meinen, diese Sache gehört noch zum Bereich der Naturnotwendigkeit, und andere, die gehört zum Bereich der Autonomie. Als Erstes kommt es also darauf an, die richtige Zuordnung vorzunehmen, und schon diese Entscheidung kann uns kein Experte abnehmen, weil sie die Autonomie betrifft. Ich persönlich schlage immer vor, dass dort, wo die Experten nicht einer Meinung sind, die Sache dem autonomen Bereich zuzuordnen und eine eigene Entscheidung zu fällen ist.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben