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Fotos (3): Marc Theis

Die Conti-Werke in Norddeutschland sind inzwischen abgerissen, weil die Reifenproduktion in Billiglohnländer verlegt wurde. In dem Band Lost in time (Peperoni Books Verlag, Berlin) hat der Fotograf Marc Theis die Produktionsstätte, einst so groß wie eine Kleinstadt, verewigt. Genauer gesagt: Er hat in erster Linie die Graffitis verewigt, die Künstler auf die Wände der leer stehenden Gebäude gesprüht hatten. So ist auch diese mit dem Abriss untergegangene Kunst aufbewahrt.

Foto: photos.com

Birkenpollen aggregiert durch IONIT Wandcreme.

 
Leben 13. März 2012

Wohlfühleffekt, der von den Zimmerwänden kommt

Der Baustoffhandel dringt in den Gesundheitsbereich vor.

Eine Wandfarbe, die in der Apotheke erhältlich ist? Ja, das gibt es! Genau genommen handelt es sich dabei um eine sogenannte Wandcreme. Laut Herstellerangaben ist sie in der Lage, die Konzentration der Luftionen in der Raumluft anzuheben und damit einen Beitrag zu Gesundheit und Wohlbefinden zu leisten.

 

Es gibt Worte, auf die der gestrenge Mediziner, gleich den Pawlowschen Hunden, geradezu reflexartig reagiert. So ein Wort ist Luftionen. Hört er davon, winkt er umgehend ab: Nichts als esoterischer Unsinn!

Werte wie im Wald

Nun wirbt allerdings kein obskures Internet-Unternehmen mit Luftionen, sondern ein gestandenes österreichisches Baustoff-Unternehmen (Schmid Industrie Holding). In seiner Sparte Ionit healthcare hat es eine Wandfarbe, genauer: Wandcreme entwickelt, die nicht nur Farbe oder Weiß in unsere vier Wände bringen möchte, sondern auch Gesundheit. Diese neue Kreation enthält Mineralien, die angeblich dazu in der Lage sind, Moleküle der Innenraumluft zu polarisieren und in Ionen umwandeln. In Ionen, die einerseits Pollen, Keime und andere unerwünschte Gäste im Wohninneren binden und auf diese Weise neutralisieren und andererseits auch das Immunsystem des Menschen stärken. Normalerweise liegt die Luftionenkonzentration in Innenräumen bei 500 pro m3, die Wandcreme kann sie laut Hersteller auf den 10-fachen Wert steigern, auf einen Wert, der auch im Wald oder am Meer anzutreffen ist.

Klingt nach einem Wundermittel. Ist es vielleicht auch. Seine außergewöhnliche Wirkung wurde ihm nun jedenfalls von renommierter Seite bestätigt. So war etwa Prof. Dr. Volker H. Mersch-Sundermann, Leiter des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg, mit einer Untersuchung der Wandcreme beauftragt, und die ging positiv aus, wie er bei einer Pressekonferenz in Wien mitteilte: „Das Ergebnis der Studie hat uns als Wissenschaftler überrascht – wurde doch erkennbar, dass durch eine Erhöhung der Luftionenkonzentration in menschlichen Lungenzellen bestimmte Gene eingeschaltet werden, die bei der Immunantwort auf Infektionserreger eine Rolle spielen.“ Dieser Nachweis sei auf zellbiologischer Ebene gelungen, nun müsse er noch am humanen Modell erfolgen.

Leistungssteigerung bei Schülern

Auch Dr. Hans-Peter Hutter, Oberarzt am Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien, der ansonsten hauptsächlich damit beschäftigt ist, nach toxischen Stoffen zu suchen und vor Gesundheitsgefahren zu warnen, konnte hier einmal mit erfreulichen Nachrichten aufwarten: „Die nachgewiesene Reduktion von Feinstaub und Pollen ist aus medizinischer Sicht bedeutend. Es ergeben sich dadurch positive Wirkungen auf die Gesundheit wie beispielsweise eine Reduktion von Asthma-Attacken bei Pollenallergikern.“ Auch hätte ein Versuch gezeigt, dass mit steigender Luftionenkonzentration im Klassenräum die Leistungsfähigkeit der Schüler zugenommen habe.

Diese Farbe ist etwa zehnmal so teuer wie eine, die im Baumarkt erhältlich ist. Sollte sie aber tatsächlich unser Wohlbefinden steigern und uns helfen, Ausgaben für Antihistaminika und andere Tabletten einzusparen, könnte sie sich als sinnvolle Investition erweisen. Die Wandcreme ist neu am Markt, wir dürfen auf Langzeitergebnisse gespannt sein.

Von W. Müller, Ärzte Woche 11 /2012

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