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Foto: Bordeaux-Traders
 
Leben 6. März 2012

Weinseliges Investment

Wertzuwächse von bis zu 100 Prozent.

In Zeiten fallender Börsenkurse und niedriger Zinsen sind Investmentalternativen gefragt. Beim Weininvestment handelt es sich in der Regel nicht um klassische Fonds oder Aktien. Vielmehr wird direkt in das Objekt der Begierde investiert, beispielsweise in Top-Bordeaux-(12er-Kisten) wie Pétrus, Mouton Rothschild, Haut-Brion oder rare Spitzen-Burgunder wie Romanée-Conti.

 

„Für Ärzte und andere Freiberufler, die es satt haben, ständig Spesen, Steuern und Gebühren bei ihren Banken zu verlieren, ist eine Anlage in hochwertige Weine derzeit eine attraktive Alternative“, sagt Weinbroker Robin Khanna, Geschäftsführer von Bordeaux Traders (www.bordeaux-traders.at).

Es sind zu 90 Prozent die Spitzengewächse aus Bordeaux, welche die Entwicklung des „Liv-ex 100“ Fine Wine-Index, http://www.bloomberg.com/quote/LIVX100:IND/chart/ , des weltweit bedeutendsten Weinindex der Londoner Internet-Weinbörse, bestimmen. Seit dem All-Time-High von 364,69 Punkten am 30. Juni 2011 verlor die Weinbenchmark rund 15 Prozent bis Jahresende. Im Jänner 2012 gab es ein zartes Plus von 1,39 Prozent auf derzeit 290,30 Punkte.

Von Juni 2009 bis Juni 2011 ist der Index um rund 70 Prozent gestiegen, was teilweise auf die explosionsartigen Preissteigerungen von Lafite Rothschild zurückzuführen war. Durch die hohe Gewichtung dieses Weines im Index kam es in der zweiten Jahreshälfte des Vorjahres zu einem Platzen dieser „Lafite-Blase“. Insbesondere die steigende Nachfrage aus den kapitalstarken Schwellenländern wie China, Hong Kong, Russland und Indien bescherte den Top-Weinen in den letzten beiden Jahren Wertzuwächse von bis zu 100 Prozent, hochwertige Bordeaux-Weine haben sogar um 150 Prozent zugelegt.

 Am stärksten kursbeeinflussend gilt die Bewertung des (US)-Weinkritikerpapstes Robert Parker (Autor von The Wine Advocate), der 100 Punkte für den perfekten Wein vergibt. Die Schwergewichte im Index, Weine der beiden Châteaux Lafite Rothschild und Latour, erhalten bei Parker (fast) jedes Jahr 96 bis 100 Punkte, und damit ist mit ziemlicher Sicherheit höchstes Kurspotenzial gegeben.

Burgunder und Super Seconds holen auf

Den gleichen Grundsatz wie bei einem Aktien- oder Fondsportfolio sollte man auch bei einem Weinportfolio berücksichtigen: Risikostreuung. Genau diese bereitere Aufstellung von unterschiedlichen Jahrgängen, Regionen und Weingütern gewährleistet auch in etwas stürmischen Zeiten, dass Ihr Weininvestment als sicherer Hafen angesehen werden kann. „Weininvestment kann sehr profitabel sein, es sind jedoch auch hohe Verluste möglich, insbesondere, wenn man rasch verkaufen muss und sich der Markt nicht erwartungsgemäß entwickelt“, sagt Khanna.

Zuletzt haben sich besonders die raren Burgunder stark entwickelt: So stieg der Preis für einen Romanée-Conti 1996 innerhalb eines Jahres um 114 Prozent auf 13.310 Dollar pro 0.7-l-Flasche, G. Roumier Bonnes Mares 1985 kletterte um 90 Prozent auf 2.681 Dollar/Flasche. „Das Angebot an großen Burgundern ist so gering, dass wir niemals viel verkaufen können“, so begründet Jamie Ritchie, Geschäftsführer der Sparte Wein beim Auktionshaus Sotheby´s, die jüngsten Preissteigerungen.

Die Einsicht, dass diese Weine extrem selten sind, steigerte den Appetit der Investoren, da von den Blue Chips der Burgund oft nur 500 Kisten produziert werden, während ein Premium-Weingut aus Bordeaux in guten Jahren bis zu 14.000 Kisten auf den Markt bringt. Laut Sotheby´s konzentrieren sich die internationalen Auktions-Käufer verstärkt auf Weine aus der zweiten (Château Lascombes, Château Montrose) und dritten Reihe (Château Palmer und Château Calon Segur) und bevorzugen Kreszenzen, die ein optimales Chancen-Risiko-Verhältnis aufweisen.

Zudem rückten zuletzt „vernachlässigte” Jahrgänge in den Fokus der Weinhändler und Investoren. Während die Top-Namen aus der ersten Reihe entweder auf einem hohen Preisniveau verharrten oder Verluste hinnehmen mussten, konnten die „Super Seconds” genau die umgekehrte Richtung einschlagen: Pichon Baron, Ducru Beaucaillou und Pontet Canet legten 2011 um mehr als 35 Prozent zu.

Das 1 x 1 des Weininvestments

„Ein Weininvestment sollte mit mindestens 5.000 Euro starten, besser sind 10.000 Euro, damit auch eine breite Streuung der Weine möglich ist. Man will ja nicht alles auf einen Jahrgang setzen“, empfiehlt Khanna. „Wir konzentrieren uns auf hochwertige Weine (Fine Wines), die aufgrund ihrer Unterbewertung über ein hohes Kapitalwachstumspotenzial verfügen. Anschließend kaufen wir die Weine und kümmern uns um die Lagerung.“

Dabei können die Kunden zwischen London (Weinlager City Bond) oder Parndorf (Burgenland) wählen. Durch Lagerung in diesen klimatisierten, professionell verwalteten Zolllagern wird sichergestellt, dass die Weine jahrelang in gutem Zustand bleiben. Eine konstante Temperatur (±12° C), geringer Lichteinfall und eine relative Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent bieten ideale Lagerbedingungen. Dabei fallen weder Mehrwertsteuer noch Zollgebühren an.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Weine ab ihrer Einlagerung gegen Schäden und Verlust versichert sind. Bei der Herkunft achtet Khanna darauf, dass die Weine entweder direkt aus dem Weingut kommen oder von einem europäischen Vorbesitzer stammen. (Anm.: Die Herkunft beim Wein definiert sich als „die Erfassung aller bekannten früheren Besitzer und Lagerorte“). Für Kauf, Verwaltung, Lagerung, Transport, Versicherung und laufende Infos über lukrative Verkaufszeitpunkte bezahlt der Kunde eine einmalige Fee von 2,5 und eine jährliche Portfolio-Verwaltungsgebühr von 2,5 Prozent. Khanna handelt ausschließlich mit Weinen in Original-Holzkisten (OHK) à zwölf Flaschen.

„Ein Wein kommt für uns nur dann als Anlageobjekt in Frage, wenn sowohl die Kiste als auch die Flaschen in perfektem Zustand sind“, so Khanna. Ein Investmentbeispiel gefällig? „Bei einem Startkapital von 50.000 Euro investieren wir 15.000 Euro in En-Primeur-Weine (Subskriptionsweine, die noch im Fass lagern), 30.000 Euro in Weine mit 90 und mehr Parker-Punkten und 5.000 Euro in extrem seltene Weine.“

Der Anlagehorizont beträgt im Schnitt drei bis fünf Jahre, eine jährliche Rendite von 15-20 Prozent ist durchaus realistisch. Logischerweise sei diese Veranlagung hoch spekulativ, weil die Preise fallen könnten, wenn sich Qualität und Markt nicht erwartungsgemäß entwickeln. „Echten Weinkennern macht das weniger aus, denn die konsumieren ihre Weine, die nicht an Wert zulegen, selbst“, so Khanna.

Kasten 2
Top-Weinhändler
Bordeaux Traders, Robin Khanna
www.bordeaux-traders.at

Extraprima, Thomas Boxberger
www.extraprima.com

Jan-Erik Paulson
www.rare-wine.com

The Antique Wine Company, London
www.antique-wine.com

Unger Weine
www.ungerweine.de
Kasten 3
Empfehlenswerte Auktionshäuser
Sotheby´s www.sothebys.com

Zachys (New York) www.zachys.com/auctions

Christies (London) www.christies.com

Koppe & Partner www.weinauktion.de

Munich Wine Company www.munichwinecompany.de
Kasten 1
Die 10 Goldenen Weininvestment-Gebote
1. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kauft Weine älterer Jahrgänge, deren Qualität bereits feststeht. Bei einem Kauf „en primeur“, also zum ersten möglichen Kauftermin vor der Flaschenabfüllung, geht man gleichsam eine Wette auf die Zukunft ein.
2. Große Flaschen bergen höheres Wertsteigerungspotenzial als die üblichen 0,75-Liter-Bouteillen. Empfehlung: Magnum- oder Doppelmagnum-Flaschen (1,5 bzw. 3 Liter).
3. Investmentweine lagern am besten in Original-Holzkisten (OHK) à 12 Flaschen.
4. Bordeaux dominiert. Eine unter Investmentaspekten zusammengestellte Weinsammlung kommt an den großen Franzosen nicht vorbei.
5. Weininvestoren sollten kompromisslos auf Qualität achten. Der Einsteiger sollte als Mindestbetrag 10.000 € investieren.
6. Wer sicher investieren möchte, kommt an 90+-Parker-Weinen nicht vorbei. Selbst gute Benotungen anderer Experten (Johnson, Gabriel) können wenige Parker-Punkte wettmachen.
7. Achten Sie auf eine Streuung nach Jahrgängen und Weingütern. Anleger sollten aber nicht in Weine investieren, die auf der Qualitätsskala nicht in der Gruppe der oberen fünf Prozent angesiedelt sind.
8. Eine professionelle Lagerung in einem klimatisierten Weinkeller oder Zolllager garantiert Weinqualität auf Jahrzehnte.
9. Die Marke macht´s. Die großen Namen aus dem Bordeaux wie Château Pétrus, Margaux, Lafite Rothschild und Latour werden langfristig höhere Preise erzielen als Weine aus weniger bekannten Häusern.
10. Bei angeblichen Schnäppchen ist äußerste Vorsicht geboten: Die Fälscher werden immer dreister.

Von M. Strausz , Ärzte Woche 10 /2012

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