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Leben 3. März 2012

And the Oscar goes to ... The Medical Artist

Wenn sich wie jedes Jahr um diese Zeit die US-amerikanische Filmbranche selbst feiert, sollten sich auch die heimischen Ärzte über Auszeichnungen für ihre Arbeit Gedanken machen.

In einem Land, in dem die Orden tief fliegen und Titel einen großen Fetisch-Faktor haben, ist es verwunderlich, dass sich viele Berufsgruppen nur sehr bescheiden selbst feiern. Natürlich gibt es Auszeichnungen für Mitarbeiter, die 25, 50 oder 150 Jahre bei ein und demselben Unternehmen tätig sind. Viele derartige Feierlichkeiten unterscheiden sich in ihrer Machart jedoch kaum von einem Begräbnis.

Selbst wir Ärzte, die in vielen Bereichen Meister der Selbstinszenierung sind, nehmen Ehrungen (wie etwa die Ernennung zum Medizinalrat, zum Obermedizinalrat oder gar zum Mega-Medizinalrat) zwar gerne – jedoch mit einem gehörigen Maß an Understatement – entgegen. Keine Spur vom Red-Carpet, von einer spektakulären Bühnenshow oder gar tränenreichen Ansprachen, die mit „I want to thank my family and my producers“ und „God bless you“ enden.

Oscarverdächtige medizinische Leistungen

Dabei wären viele unserer Leistungen, die wir in den Ordinationen und Spitälern vollbringen, durchaus oscarverdächtig (oder wie wir Mediziner sagen: Vd. a. Oscar). Wir sollten daher Hollywood um nichts nachstehen und abfeiern, was das Zeug hält. Folgende Oscars wären zu vergeben:

  • „Bester Schnitt“ – ist natürlich den Chirurgen vorbehalten.
  • „Bestes Zunähen“ – bleibt für die Assistenten.
  • „Beste visuelle Effekte“ – Die Chefvisite hat gute Chancen auf diesen Oscar, schließlich sind die Massenszenen höchst beeindruckend und erfordern eine gute Koordination der stummen Komparsen.
  • „Bester Ton“ – Hier werde die besten Gefäß-Sonografen des Landes ausgezeichnet.
  • „Bestes Licht in der Kategorie Komödie“ – geht an geschickte OP-Gehilfen.
  • „Beste Kamera“ – haben sich Endoskopen verdient.
  • Die „beste unterstützende Nackenrolle“ wird in der Regel an Physiotherapeuten verliehen.
  • „Der Ehrenoscar“ geht voraussichtlich dieses Jahr an ELGA für besondere Verdienste um große Verwirrung.

Für die Patienten, die in die Mühlen des medizinischen Systems geraten, gibt es lediglich in einer Kategorie etwas abzuholen: „Bester Nebendarsteller im falschen Film“. Wir gratulieren.

Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at, Ärzte Woche 9 /2012

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