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Foto: W. Müller
Die Treppe: praktisch, aber auch höchst gefährlich. Nach dem Autoverkehr fordert sie die meisten Unfalltoten.

Fotografieren statt knipsen
Wenzel Müller 184 Seiten, € 19,80 Verein für Konsumenteninformation VKI, 2011 ISBN 3990130099 Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) ist in diesen Tagen 50 Jahre alt geworden – eine ehrwürdige Organisation, die heute vielleicht wichtiger ist denn je. Denn wo sonst findet man noch garantiert unabhängige Information? Wer sonst getraut sich noch gegen so mächtige Institutionen wie etwa die Immofinanz einen Prozess anzustrengen? Der VKI schreitet ein, wo Unrecht geschieht oder Dinge einfach nicht korrekt ablaufen. Seine Zeitschrift, den Konsument, hält der VKI bewusst frei von Inseraten, um sich jeder Einflussnahme zu erwehren, ja, um deren Anschein erst gar nicht aufkommen zu lassen. Unabhängigkeit, gewissenhafte Arbeit, genaue Recherche – mit diesen Tugenden hat sich der VKI in der Bevölkerung einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Der Schnellschuss ist nicht seine Sache, bei ihm muss alles Hand und Fuß haben. Und das zeigt sich nun auch wieder bei seiner jüngsten Buchveröffentlichung Fotografieren statt knipsen. Beileibe nicht das erste Buch zur Fotografie, aber eines, das neue Wege geht. Es bringt nämlich das zusammen, was traditionell streng getrennt ist: Technik und Kunst. Der Leser erhält nicht nur Anleitungen, sondern auch jede Menge Anregungen. Das Buch will ihm dabei helfen, zu seinem eigenen, individuellen Ausdruck zu finden. Denn von diesem Grundgedanken geht es aus: In der Fotografie kommt es nicht darauf an, immer das neueste Kameramodell zu besitzen. Viel wichtiger ist es, dieses Medium als Form der visuellen Kommunikation zu verstehen: Ich möchte etwas zum Ausdruck bringen, nicht mit Worten, sondern mit Bildern. Und genau das, die Sprache der Bilder, ist das große Thema dieses Ratgebers.

 
Leben 7. Februar 2012

Tückische Treppe

Bestsellerautor Bill Bryson über den gefährlichsten Ort im Haus.

Die meisten Unfalltoten fordert der Autoverkehr. Das ist kaum überraschend und dürfte allgemein bekannt sein. Doch wissen Sie auch, was an zweiter Stelle kommt? Treppenstürze – noch vor Ertrinken und Verbrennen.

Die Bauordnung kennt bestimmte Vorschriften und Bestimmungen, die verhindern sollen, dass es zum Brand im Haus kommt. Ähnliche Regularien kennt sie allerdings kaum für den gefährlichsten Ort im Haus: die Treppe. Nach dem Autoverkehr fordert sie die meisten Unfalltoten. „Man hat errechnet, dass der Mensch beim Treppengehen alle 2.222 Mal eine Stufe verpasst, alle 63.000 Mal einen kleineren und alle 734.000 Mal einen schmerzhafteren Unfall hat. Alle 3.616.667 Mal muss er zur Behandlung ins Krankenhaus.“ Das schreibt Bill Bryson in seinem neuen Werk Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge (Goldmann Verlag). Der amerikanische und nun in England lebende Bestsellerautor widmet dieser so alltäglichen wie unfallträchtigen Einrichtung ein eigenes Kapitel, eine der wenigen Untersuchungen, die es diesbezüglich überhaupt gibt.

Ohne Hilfe

Gerade älteren Menschen wird die Treppe gerne zum Verhängnis. Nicht weil sie besonders achtlos wären, sondern weil sie nicht mehr gut zu Fuß sind und meist auch schon zu schwach, als dass sie sich nach einem Sturz wieder aufrichten könnten. Und dies sind die gefährlichen Momente: wenn sie am Boden liegen, so machtlos wie ein auf den Rücken gedrehter Käfer, und keine Hilfe weit und breit ist.

Unangenehmer Rums

Besondere Gefahrenstellen sind der Anfang und das Ende einer Treppe, offenbar sind wir dort am wenigsten konzentriert. Und eine Stufe, die unerwartet kommt oder plötzlich eine andere Höhe aufweist, stellt eine sichere Stolperfalle dar. Als tückisch erweisen sich auch Treppen mit nur fünf oder weniger Stufen – die meinen wir, in Verkennung unserer tatsächlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, leicht mit einem Sprung nehmen zu können, und schon landen wir auf der Nase, wenn denn nichts Ärgeres passiert.

Das menschliche Gehirn reagiert sehr schnell auf Gefahr und Unordnung. Innerhalb des Bruchteils einer Sekunde erkennt es, wenn der Bewegungsablauf nicht mehr geordnet erfolgt und sich in ihn etwas Unkoordiniertes eingeschlichen hat – doch diese Phase ist meist zu lang, um den Sturz noch abzuwenden. „Wenn das Ganze auf der untersten Stufe passiert, landet man mit einem unangenehmen Rums, der mehr peinlich ist als sonst was. Wenn es aber weiter oben passiert, kriegen sich die Füßen einfach nicht wieder ein (weder elegant noch sonst wie), und man kann nur hoffen, dass man das Geländer zu packen bekommt beziehungsweise dass es überhaupt ein Geländer gibt“, schreibt Bryson.

Älteste Holztreppe der Welt im Salzkammergut

Ein Steigungsgrad über 45 Grad ist unangenehm anstrengend. Aber auch eine zu geringe Treppensteigung kann mühsam sein, weil der Benutzer in diesem Fall das Gefühl hat, er kommt nicht richtig voran. Bryson: „Der Bereich, in dem wir eine Treppe locker-flockig bewältigen können, ist klein.“ Hinzu kommt das Problem, dass wir sie ja in beide Richtungen benutzen, und jedesmal ist unser Bewegungsablauf anders. Beim Hinaufgehen beugen wir uns vor, beim Hinuntergehen verlagern wir unseren Schwerpunkt nach hinten – die zweite Variante ist im Übrigen die gefährlichere.

Die ideale Treppe hat einen Höhenabstand zwischen zwei Stufen von 16,002 und 18,288 Zentimer und eine Auftrittsbreite von 27,94 Zentimeter. Zu diesem Ergebnis kommt John A. Templer vom Massachusetts Institut of Technology in seiner Untersuchung Die Treppe, Studien zu Gefahren, Stürzen und verbesserter Sicherheit. Die älteste bisher gefundene Holztreppe ist im Übrigen rund 3.000 Jahre alt. Sie wurde 2004 in Halstatt, Salzkammergut, entdeckt, in einem 100 Meter unter der Erde gelegenen Bronzezeit-Salzbergwerk.

Von W. Müller , Ärzte Woche 9 /2012

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