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Leben 22. Februar 2012

Rambo, der Terminator und andere Superhelden

Wenn die Helden unserer Kindheit in die Jahre kommen, stehen wir ihnen bald schon als Patienten gegenüber.

Seit einigen Wochen geht eine Fotografie um die Welt, die zwei sehr prominente Patienten zeigt: Den Ex-Politiker und Ex-Ex-Schauspieler Arnold Schwarzenegger und seinen nicht minder bekannten Zimmergenossen Sylvester Stallone. Die uninformierten Leser können beruhigt sein, die beiden Stars sind weder schwer erkrankt noch leiden sie an den Folgen einer Botox-Behandlung. Sie lassen sich lediglich – wie man es von Action-Helden erwarten darf – die ramponierten Schultergelenke operieren.

Ob eine der US-amerikanischen Krankenkassen die Kosten des „Schulter-Tunings“ übernimmt, darf bezweifelt werden; die beiden werden wohl die fürstlichen Ärztehonorare aus der Portokasse zu begleichen haben. Zumindest vordergründig sind sie – wohl wissend um ihr Image – höhst gelassen und scherzen gemeinsam vor sich hin.

Ein solches Bild hat jedoch auch Symbolcharakter, denn hier liegen keine versehrten Schauspieler in den Krankenbetten, sondern man erkennt die Verletzlichkeit von Superhelden: Es geht nicht um Schwarzenegger und Stallone, man sieht den Terminator und Rambo an Infusionsschläuchen hängend in der Horizontalen.

Werden also bald schon all die Superhelden in die Jahre kommen und sich in ärztliche Hände begeben? Das tragische Schicksal des querschnittsgelähmten Superman-Darstellers Christopher Reeve ließ viele an der Unverwundbarkeit des Comic-Helden zweifeln. Ein jüngst in einer Boulevard-Zeitschrift publiziertes Foto von Richard Dean Anderson schockierte die Fans, da der Mime des technischen Genies McGyver eine Autopanne hatte und völlig verzweifelt neben der offenen Motorhaube den Abschleppdienst verständigt, statt den Motor mit ein wenig Klebestreifen und Kaugummi wieder zum Laufen zu bringen.

Werden also all die Helden unserer Kindheit sukzessive zu unseren Patienten? Wie soll man reagieren, wenn Sherlock Holmes mit Multiinfarktdemenz vorstellig wird, Spider-Man ein chronisches Ekzem vom vielen Raufklettern der Wände bekommt, Aqua-Man seinen Fußpilz behandeln lassen will, Django durch das ständige Hinterherziehen seines Sarges mit chronischen Rückenschmerzen bei der Unterwassergymnastik mitturnt und Batman durch die berufliche Doppelbelastung ein Burn-out bekommt.

Wird es also weder Kryptonit oder ein unglaublich gigantischer Kraftstrahl sein, der sie vernichtet, sondern ein stinknormaler Wald-und-Wiesen-Diabetes? Sehen wir es umgekehrt: Viele unserer ganz normalen Patienten waren vor einer Krankheit Helden im Alltag. Und manche werden erst durch ihr Leiden zu Helden.

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