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Leben 22. Februar 2012

Nachruf

 

Anatomie-Legende Walter Thiel in Graz gestorben

Der langjährige Ordinarius Walter Thiel verstarb im 93. Lebensjahr. Der renommierte Mediziner war von 1960 bis 1990 Ordinarius für Anatomie an der damaligen Medizinischen Fakultät der Universität Graz und setzte mit der von ihm entwickelten Konservierungsmethode und seinem „Präparationsatlas“ Maßstäbe. Wie die Medizinische Universität Graz bekannt gab, ist der Wissenschafter bereits am 3. Februar verstorben.

„Thiel-Fixierung“ mit Ethylenglykol

Thiel wurde am 13. Oktober 1919 in Nordböhmen geboren und studierte Medizin in Prag und Würzburg und nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Graz, wo der Sudetendeutsche 1947 promovierte. 1960 wurde er zum Vorstand des Institutes für Anatomie ernannt, an dem er 30 Jahre lang wirkte und die Ausbildung über die anatomischen Kenntnisse von tausenden Ärzten in Österreich verantwortete.

Über Jahrzehnte hinweg hat er ein Präparationsverfahren entwickelt, das mittlerweile weltweit Standard ist – die Thiel-Fixierung mit Ethylenglykol: Anders als die klassische Formalin-Fixierung, die das Gewebe härtet, bleibt dabei das Gewebe weich, Konsistenz, Beweglichkeit und Farbe des Gewebes bleiben erhalten.

„Photografischer Atlas“ im Springer Verlag

Die Universität Dundee in Schottland, die die Konservierungsmethode evaluiert hat, nennt mittlerweile ihr Anatomie-Institut zu Ehren des Grazer Professors in „Thiel Centre of Excellence“. Auf Thiels Präparationsmethode beruht sein im Jahr 2002 veröffentlichter „Photografischer Atlas der praktischen Anatomie“ (Springer Verlag), ein rund 900 Seiten dickes Werk mit mehr als 400 meist farbigen Fotos der Präparate, das, in mehrere Sprachen übersetzt, weltweit verkauft wird.

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