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Fotos (5): Cindy Sherman / SAMMLUNG VERBUND, Wien

Cindy Sherman
Untitled (ABCDE), 1975/1985
S/W-Fotografie aus der fünfteiligen Serie; 41,6 x 28,1 cm

Nichtschwimmer Felix Wegener 240 Seiten Ullstein Taschenbuch, 2011 ISBN 978-3548283654 Felix hat ein Problem. Er ist unfruchtbar. Irgendwann war ihm aufgefallen, dass seine Freundin nicht schwanger wird. Erst machte die Hauptfigur des Romans Nichtschwimmer dafür das Schicksal verantwortlich, dann seine Freundin und erst zum Schluss kam ihm die Idee, dass es an ihm liegen könnte. Und das tut es auch, wie eine Untersuchung beim Urologen ergibt. Felix Spermien sind zu langsam und zu behäbig. Das ist tragisch, weil damit seine Zukunftsperspektiven – Familiengründung usw. – erst einmal zunichte sind. Das ist auch peinlich, denn wie erklärt man das Eltern und Freunden? Außerdem hat Felix nun laufend „Spermienproben“ abzuliefern, was nicht gerade angenehm ist. Felix Wegener, so nennt sich der Autor mit Pseudonym, hat ein Stück eigene Lebensgeschichte verarbeitet – und präsentiert ein ernstes Problem auf die unterhaltsamste Weise. „Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich wollte, dass Männer, die das gleiche Problem haben, wissen: Sie sind nicht allein. Ungefähr jeder fünfte Mann über dreißig hat das Problem, so genau weiß man das nicht, weil es Reihenuntersuchungen in Deutschland nicht gibt“, schreibt er im Nachwort. Nur die Namen der Personen und einige Details der Handlung seien geändert. Ob Felix mit den Mitteln der modernen Medizin doch noch Vater wird, soll hier nicht verraten werden.

 
Leben 22. Februar 2012

Lust an der Verwandlung

Verbund-Zentrale: „Cindy Sherman. Das Frühwerk 1975-1977“.

Ob der Verbund ein gutes Energieunternehmen ist, können wir nicht beurteilen. Wir können nur sagen, dass er dabei ist, eine bedeutende Kunstsammlung aufzubauen. In seiner Vertikalen Galerie präsentiert das Unternehmen im Augenblick seinen jüngsten Erwerb, das Frühwerk der amerikanischen Künstlerin Cindy Sherman.

 

Auf der letzten Biennale in Venedig war sie vertreten, und es gibt kaum ein größeres Kunstmuseum, das sie nicht in ihrer Sammlung hätte: Cindy Sherman, 1954 in Glen Ridge, New Jersey, geboren. Auf dem Kunstmarkt ist sie seit etwa 35 Jahren eine fixe Größe, die künstlerische Fotografin, die im Grunde nur ein Motiv kennt: sich selbst. Bei Aufnahmen steht sie also immer hinter und zugleich vor der Kamera. Wie sie da macht? Mit Fernauslöser!

Immer dieselbe Person – und doch jedesmal wieder eine andere. Mal verkörpert Sherman eine alte Frau, mal eine gefeierte Diva. Der Porträtierte pflegt sich für die Aufnahme fein zu machen, hier noch ein Lidstrich, dort die Haare nach hinten gelegt. Sherman genügt das nicht: Sie erfindet immer wieder neue Identitäten und neue Charaktere. Wahnsinn, Begehren, Krankheit – alle diese Befindlichkeiten hat sie schon durchdekliniert. Das Konzept ist einfach – und erfolgreich.

Das Frühwerk der Künstlerin von 1975 bis 1977 wird nun in der Vertikalen Galerie des Energieunternehmens Verbund gezeigt. Wir sehen, wie Sherman sich schon als Teenagerin verkleidete – nicht wie die meisten ihrer Altersgenossinnen als Prinzessin oder Star, sondern als alte Frau.

Sherman studierte am State University College Buffalo zunächst Malerei. Schon bald entdeckte sie die Lust an der Verwandlung, zunächst im Gesicht, dann am ganzen Körper. So fand sie zu ihrer individuellen Linie, zu ihrem unverwechselbaren Ausdruck, dem sie bis heute treu geblieben ist.

Gefällig ist Shermans Werk gewiss nicht. Es spricht für das Unternehmen, dass es auch offen ist für eher radikale Positionen dieser Art. Ja, dass es der Kuratorin Gabriele Schor freie Hand lässt im Aufbau der firmeneigenen Kunstsammlung. Die macht kein Hehl daraus, dass einer ihrer Ankaufsschwerpunkte in Werken der feministischen Avantgarde liegt. Die Idee dahinter: „Ungewöhnliche Sichtweisen und Positionen“ sollen Anregungen und Anstöße geben – das gilt für Mitarbeiter des Hauses ebenso wie für Besucher.

 

Die „Vertikale Galerie“ in der Verbund-Konzernzentrale Am Hof 6a in 1010 Wien ist öffentlich zugänglich mit geführtem Rundgang, und zwar jeden Mittwoch ab 18.00 Uhr und Freitag ab 16.00 Uhr, bei freiem Eintritt. Eine Anmeldung ist erforderlich: oder unter +43 050313-50044, bis 16. Mai 2012.

Von W. Müller , Ärzte Woche 8 /2012

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